An der Wall Street ist es am Donnerstag zu einem massiven Abverkauf gekommen. Der S&P 500 brach um 4,4 Prozent ein, der Nasdaq 100 um 6,4 Prozent. Nach Berechnungen der Financial Times (FT) wurden dabei rund 3,2 Billionen Dollar Börsenwert vernichtet. Besonders hart traf es Unternehmen, deren Geschäft unmittelbar vom weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur und von Rechenzentren abhängt. Nvidia verlor 9,3 Prozent und damit mehr als 400 Milliarden Dollar an Börsenwert, Sandisk fiel um 22 Prozent und Western Digital um 17 Prozent.
Der Einbruch folgt auf den überraschend deutlichen Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen. Die Partei gewann die Kontrolle über Repräsentantenhaus und Senat und erzielte auch in lange republikanisch dominierten Bundesstaaten große Erfolge, wie die AP berichtet.
Zweifel an den gigantischen Ausbauplänen
Die hohen Bewertungen von Chipkonzernen, Rechenzentrumsbetreibern und anderen Infrastrukturunternehmen beruhen auf der Erwartung, dass Technologiekonzerne noch über Jahre enorme Summen in Server, Chips, Stromversorgung und neue Rechenzentren stecken.
Besonders deutlich ist der politische Wandel in Texas, einem der wichtigsten Standorte für neue Rechenzentren. Dort besiegte die Demokratin Gina Hinojosa den republikanischen Gouverneur Greg Abbott. Hinojosa hatte den Ausbau von Rechenzentren zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht. „Wenn ich Gouverneurin bin, werde ich ein Moratorium – ein Verbot – für alle Genehmigungen von Rechenzentren verhängen, bis die Legislative Gesetze zum Schutz der Texaner verabschieden kann“, sagte sie im Oktober. Darüber berichtete der Texas Tribune.
Für Elon Musk ist die Niederlage in Texas besonders bitter. Der Milliardär steckte nach Angaben von AP und OpenSecrets mehr als 200 Millionen Dollar in republikanische Kandidaten im Bundesstaat, während er Tesla und SpaceX nach Texas verlagert und dort weitere Großprojekte aufgebaut hat. Nun übernimmt mit Gina Hinojosa ausgerechnet eine Demokratin das Gouverneursamt, die neue Rechenzentren stoppen will. Musk reagierte sarkastisch auf X: „Rechenzentren im All sehen gerade ziemlich attraktiv aus.“
Auch in Georgia gewann mit Keisha Lance Bottoms eine Demokratin, die eine Pause beim Bau neuer Rechenzentren zu einem Teil ihres Wahlprogramms gemacht hatte, wie die AP berichtete.
Der KI-Boom wird neu bewertet
„Mit der blauen Welle fürchten Investoren, dass der Höhepunkt der KI-Investitionen hinter uns liegt“, sagte Charles-Henry Monchau, Investmentchef der Schweizer Privatbank SYZ Group, der FT. Adam Crisafulli vom Analysehaus Vital Knowledge beschrieb den Handelstag noch drastischer. Anleger würden „das Handtuch werfen und wahllos liquidieren“.
Der neu gewählte demokratische Senator Abdul El-Sayed aus Michigan fordert eine „vollständige Pause“ bei der Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Systeme. Die künftige Senatorin Annie Andrews aus South Carolina schlug ein zweijähriges Verbot für den Bau neuer Rechenzentren vor.
