OpenAI hat nach eigenen Angaben mit einem KI-Modell einen neuen Ansatz für das Navier-Stokes-Problem entwickelt, eines der berühmtesten ungelösten Probleme der Mathematik. Dabei geht es um die Frage, ob sich die Bewegung von Flüssigkeiten und Gasen unter bestimmten Bedingungen immer mit glatten, mathematisch eindeutigen Lösungen beschreiben lässt. Das Problem gehört zu den sieben sogenannten Millennium-Problemen und ist mit einem Preisgeld von einer Million Dollar verbunden. OpenAI veröffentlichte dazu einen mathematischen Lösungsvorschlag. Eine unabhängige wissenschaftliche Bestätigung steht noch aus.
Der Zeitpunkt für eine Entdeckung wäre günstig: OpenAI bereitet einen möglichen Börsengang vor. Im Juni reichte das Unternehmen vertraulich Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Ein Termin steht noch nicht fest.
Die größte Frage für Investoren ist nicht die Technologie, sondern das Geschäftsmodell. OpenAI wächst stark, gibt aber gleichzeitig enorme Summen für Chips, Rechenzentren und neue Modelle aus. Bei einer Bewertung von zuletzt mehr als 800 Milliarden Dollar ist der Druck hoch, künftig auch nachhaltig Gewinne zu erzielen.
Ein weiteres Risiko ist die enge Abhängigkeit von Microsoft. Der Konzern ist Investor, Cloud-Partner und wichtiger Geschäftspartner zugleich.
Die Unternehmensstruktur ist widersprüchlich: Die gewinnorientierte OpenAI Group bleibt unter Kontrolle der gemeinnützigen OpenAI Foundation. Für künftige Aktionäre könnte das zu Konflikten zwischen Renditezielen und Unternehmensmission führen.
Hinzu kommen laufende Urheberrechtsklagen und der wachsende Konkurrenzdruck durch Anthropic und andere KI-Anbieter.
Der mathematische Fortschritt stärkt OpenAIs technologische Position. Vor einem Börsengang bleibt jedoch die entscheidende Frage, ob das Unternehmen aus seinem Wachstum ein dauerhaft profitables Geschäft machen kann.
