Trump und Putin telefonieren, Krieg wird intensiver

Ein Telefonat zwischen den Präsidenten der USA und Russlands brachte keine Ergebnisse für die Ukraine. Alles deutet auf einen langen Krieg hin.

Dieses Foto zeigt Rauch, der nach einem russischen Raketenangriff am frühen Morgen des 8. September 2026 in Kiew, Ukraine, aufsteigt, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine. Eine Welle heftiger Explosionen erschütterte Kiew, berichteten AFP-Journalisten am frühen Morgen des 8. September, als Russland nach einer dreitägigen Pause die Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt wieder aufnahm. (Foto: Genya Savilov / AFP)

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Dienstag eine Stunde lang mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin gesprochen. Weder Trump noch das Weiße Haus gaben zunächst eine Stellungnahme heraus. Die erste Interpretation blieb dem Kreml überlassen.

Wiederherstellung der Beziehungen?

Präsidentenberater Juri Uschakow referierte Trumps Aussagen vor Journalisten in Moskau. Er sagte laut der Website des russischen Präsidenten: „Donald Trump betonte ausdrücklich, wie wichtig es sei, den Konflikt so schnell wie möglich zu beenden, da dies unmittelbar beeindruckende und weitreichende Perspektiven für die vollständige Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den USA und Russland eröffnen würde. Seiner Ansicht nach hätte dies insbesondere Auswirkungen auf die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen und verspräche beiden Nationen große Vorteile. Donald Trump ist sehr daran interessiert, während seiner Präsidentschaft einen Durchbruch zu erzielen.“

Putin erläutert Kriegsziele

Ob die Ausführungen Trumps wirklich so gefallen sind, ist nicht zu überprüfen. Putin scheint indes nicht sehr auf Trumps Avancen eingegangen zu sein. Putin sagte laut Uschakow, er unterstütze diesen Ansatz zwar „im Hinblick auf den potenziellen Aufbau einer konstruktiven Partnerschaft zwischen den beiden Großmächten“. Doch dann soll Putin „eine objektive und umfassende Analyse der aktuellen Entwicklungen der militärischen Spezialoperation vorgelegt“ haben sowie eine „Einschätzung des Gesamtfortschritts auf dem Schlachtfeld und der Erreichung der Ziele der Spezialoperation“. Uschakow: „Dabei wurden konkrete Maßnahmen skizziert, die die Amerikaner ergreifen könnten, um die Einstellung der Kampfhandlungen zu beschleunigen.“

Bereits nach dem Treffen der amerikanischen Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Wochenende hatte Putin gesagt, er sei zuversichtlich, seine Kriegsziele in der Ukraine zu erreichen.

Dieses Foto zeigt Rauch, der nach russischen Luftangriffen am 8. September 2026 über Gebäuden im Zentrum von Kiew aufsteigt, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine. Eine Reihe heftiger Explosionen ereignete sich am frühen Morgen des 8. September in Kiew, als Russland nach einer dreitägigen Pause die Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt wieder aufnahm, berichteten AFP-Journalisten. (Foto: Mladen Antonov / AFP)

USA rechnen mit langem Krieg

Auch in Washington und Kiew scheint man nicht davon auszugehen, dass Trump den Krieg noch vor den Midterm-Wahlen im November beenden kann. Der Krieg könne sich noch jahrelang hinziehen, während Russland seine Streitkräfte und seine Rüstungsindustrie wiederaufbaue, sagte der US-Unterstaatssekretär für Verteidigung Elbridge Colby laut AP bei einem Online-Treffen von Ländern, die die Ukraine unterstützen. „Wir müssen uns auf einen langwierigen Konflikt einstellen und darauf, dass die Bedürfnisse der Ukraine in den kommenden Monaten und Jahren fortbestehen werden“, sagte Colby.

Selenskyj fordert Partiot-Systeme

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj plant laut AP ein Treffen mit Trump in diesem Monat. Selenskyj kündigte an, er werde Trump drängen, mehr Patriot-Luftverteidigungssysteme bereitzustellen. Die Ukraine benötigt 300 Patriot-Raketen aus den Beständen ihrer Partner, 500 Luft-Luft-Abfangraketen und zwei Milliarden US-Dollar für weitere Drohnen, erklärte der britische Verteidigungsminister Wes Streeting bei dem Treffen der Verbündeten. Am Dienstag genehmigte die EU-Kommission einen Kredit in Höhe von 3,7 Milliarden US-Dollar für Kiew zum Kauf von Komponenten für Patriot-Luftverteidigungssysteme, wie das ukrainische Verteidigungsministerium auf seinem Telegram-Kanal mitteilte.

Da die Truppen im Kampf feststecken, haben beide Länder ihre Luftangriffe mit Drohnen und Raketen intensiviert. Die Ukraine hat russische Ölanlagen angegriffen, während Russland im Vorfeld des Winters das ukrainische Stromnetz attackiert hat.

Dieses Foto zeigt Rauch, der nach russischen Luftangriffen am 8. September 2026 über Gebäuden im Zentrum von Kiew aufsteigt, inmitten der russischen Invasion in der Ukraine. Eine Reihe heftiger Explosionen ereignete sich am frühen Morgen des 8. September in Kiew, als Russland nach einer dreitägigen Pause die Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt wieder aufnahm, berichteten AFP-Journalisten. (Foto: Mladen Antonov / AFP)

Ukraine plant Schläge hinter der Frontlinie

Die Ukraine plant nach Informationen des World News Monitor im Winter Wärmekraftwerke in der Region Moskau anzugreifen. Oleh Ivashchenko, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes (HUR), sagte in einem Interview mit Ukrinform, die Ukraine schwäche Russlands militärisches und wirtschaftliches Potenzial erheblich, unter anderem durch Angriffe, die mehr als 2.000 Kilometer tief im russischen Territorium stattfinden.

Ivashchenko sagte, eine moderne Kriegsführung ende nicht zwanzig oder hundert Kilometer hinter der Frontlinie: „Wir schwächen und reduzieren das militärische und wirtschaftliche Potenzial der Russischen Föderation erheblich. Wir sind in der Lage, Angriffe mehr als 2.000 Kilometer tief im russischen Territorium durchzuführen.“ Solche Angriffe würden „den Gegner zwingen, die Produktion einzustellen, seine Logistik umzustellen, Luftverteidigungssysteme neu zu positionieren und zusätzliche Ressourcen aufzuwenden“. Can Kasapoğlu, Senior Fellow am Hudson Institute, sagte laut Ukrinform, dass das ukrainische Langstrecken-Angriffssystem die Kreml-Darstellung untergrabe, dass in Russland „alles seinen gewohnten Gang gehe“.

Globale Folgen und Europa

Unterdessen droht eine Ausweitung der globalen Folgen des Kriegs: Moskau und Kiew haben im Schwarzen Meer gegenseitig Getreideschiffe ins Visier genommen, was die Befürchtung nährt, dass zwei der wichtigsten Getreidelieferanten der Welt ihre Produkte nicht mehr auf den Markt bringen können.

Trump und Putin besprachen auch die zunehmende Verhärtung zwischen den großen europäischen Staaten und Russland. Zuletzt hatte Bundeskanzler Friedrich Merz gesagt, Russland wolle das „westliche Wertesystem zerstören“. Uschakow sagte: „Angesichts der Spekulationen über angebliche feindselige Absichten Russlands gegenüber europäischen Staaten wurde betont, dass uns niemals aggressive Pläne gegen Europa in den Sinn gekommen sind.“

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