UniCredit: Wie feindlich wird die Übernahme der Commerzbank?

Die Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit tritt nun in die Phase ein, in der sich entscheidet, ob es einen fairen Deal gibt. Vor allem für die Mitarbeiter steht viel auf dem Spiel.

In ihren Händen liegt das Schicksal der 40.000 Commerzbank-Mitarbeiter: Lars Klingbeil und Friedrich Merz am 9. September 2026 im Bundestag. (Foto: John MACDOUGALL / NTB / AFP)
In ihren Händen liegt das Schicksal der 40.000 Commerzbank-Mitarbeiter: Lars Klingbeil und Friedrich Merz am 9. September 2026 im Bundestag. (Foto: John MACDOUGALL / NTB / AFP)

Am Montag traf UniCredit-Chef Andrea Orcel Bundesfinanzminister Lars Klingbeil in Berlin. Der Sprecher Klingbeils sagte am Montag vor dem Gespräch, die Commerzbank habe eine „sehr wichtige Funktion“ für die Mittelstandsfinanzierung in Deutschland. Der Bundesregierung sei wichtig, den Standort Frankfurt für die Bank zu erhalten. Der dritte und „vielleicht wichtigste““ Punkt seien die Beschäftigten: „Die Commerzbank hat über 40.000 Beschäftigte und deren Interessen wollen wir natürlich wahren, soweit die Bundesregierung da ihren Einfluss auch gelten machen kann“, so der Sprecher laut AFP. Nach dem Gespräch sagten ein Sprecher des Finanzministeriums und Orcel, das Gespräch sei konstruktiv verlaufen.

UniCredit kommt aktuell nach Übernahmeangebot, direkt gehaltenen Aktien und weiteren Instrumenten inzwischen auf 47,59 Prozent des Commerzbank-Kapitals beziehungsweise potenziell 49,65 Prozent der Stimmrechte.

Italienische Staatsanleihen sind nicht das Problem

UniCredit ist stark mit Italien und dem europäischen Staatsanleihemarkt verbunden. Nach den Halbjahreszahlen von UniCredit hält die Bank Staatsanleihen von rund 132 Milliarden Euro, davon mehr als 43 Milliarden Euro italienische Titel. Bisher war das ein gutes Geschäft, weil die Bank mit steigenden Zinsen gutes Geld verdient.

Auch ein weiterer Renditeanstieg um einen Prozentpunkt würde nach einer überschlägigen Rechnung zwar einen wirtschaftlichen Wertverlust von rund sechs Milliarden Euro bedeuten. Doch nur ein Teil davon würde unmittelbar das Eigenkapital treffen. Wirklich gefährlich würde es nur, wenn es zu einem Ausfall kommt. Probleme gibt es bei einer Staatsschuldenkrise, aber die verhindert die Europäische Zentralbank (EZB). Diese Diskussion gab es Griechenland in der Finanzkrise. Schon damals sagte der damalige ETB-Präsident Mario Draghi, man werde alles tun, um einen Crash zu verhindern („whatever it takes“). Allerdings bleibt die Lage am Bond-Markt angespannt, wie die Entwicklung am Montag zeigte.

Dennoch ist man in deutschen Finanzkreisen durchaus besorgt. Vor allem ist nicht klar, wo die Player im Moment stehen: „Die beiden Banken befinden sich nun in einer anderen Phase, da sie über eine Transaktion verhandeln“, sagte Finanzministeriumssprecher Maximilian Kall am Montag laut Bloomberg. „Es geht nicht mehr um eine feindliche Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Banken zu finden.“

Systemrisiko feindliche Übernahme

Dies halten Beobachter, mit denen World News Monitor gesprochen hat und die wegen der Sensibilität des Themas um Vertraulichkeit baten, für nicht ganz unproblematisch: „Am Ende müssen die beiden Banken einen Weg nach vorne finden müssen und das kann nicht durch politische Gespräche ersetzt werden“, sagte eine Quelle. Die Verhandlungsposition der Bank sollte „gestärkt und nicht geschwächt werden“. Klingbeil solle das auch so sehen. Denn noch ist nicht klar, ob es nicht doch eine feindliche Übernahme wird. Es gibt nämlcih das Risiko, dass eine feindliche Übernahme wirtschaftlich kein Erfolg wird. Und das könnte ein systematisches Problem werden, wenn es zu Verwerfungen an den Märkten kommt, also die Bank weniger widerstandsfähig wird. In einer Krise könnte auch die Kreditversorgung leiden, wenn sich die UniCredit auf Italien konzentrieren muss. Auch das könne „systemisch werden“, sagt ein Beobachter.

Massiver Stellenabbau?

Eine wichtige Rolle spielt bei der Übernahme die HypoVereinsbank. UniCredit besitzt mit der HVB bereits eine große deutsche Bank und stellt sie in der eigenen Commerzbank-Strategie als Vorbild für eine mögliche Transformation dar. Langfristig könnten Commerzbank und HVB als Marken bestehen bleiben, während IT, Risikomanagement, Treasury, Backoffice und Produktplattformen zusammengeführt werden.

Das hätte Folgen für die Beschäftigung. UniCredit weist Spekulationen über 15.000 Stellenstreichungen zurück. Laut der eigenen Präsentation soll der Abbau über fünf Jahre weniger als halb so hoch ausfallen. Bei einer sehr tiefen Integration von HVB und Commerzbank wäre langfristig dennoch ein Abbau von bis zu 10.000 Stellen in der gemeinsamen deutschen Organisation denkbar. Dieses Szenario ist nicht offiziell Plan der UniCredit. Es setzt den Abbau von Doppelstrukturen, gemeinsame IT und einen stärkeren Einsatz künstlicher Intelligenz voraus.

Die UniCredit sieht auch Vorteile für die mittelständischen Kunden der Commerzbank. Sie könnte ihnen künftig neben Kredit und Zahlungsverkehr auch Anleihefinanzierung, Zins- und Währungsabsicherung, Trade Finance oder Übernahmeberatung anbieten. Laut der Commerzbank-Strategie erwartet UniCredit rund 200 Millionen Euro zusätzliche Erlöse aus solchen Produkten. Zugleich sollen rund 33 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva aus weniger rentablen Geschäften freigesetzt werden.

Der Aktientausch ist für UniCredit auf jeden Fall attraktiv. Die Bank bietet weiterhin 0,485 eigene Aktien für eine Commerzbank-Aktie, wie aus der offiziellen Angebotsunterlage hervorgeht.

Damit muss UniCredit die Übernahme nicht überwiegend bar finanzieren. Die bisherigen Commerzbank-Aktionäre werden zu UniCredit-Aktionären und tragen damit neben den späteren Synergien auch einen Teil der Integrationskosten und möglicher Abschreibungen.

Orcels persönliche Vergütung

Orcels persönliche Vergütung setzt entsprechende Anreize, den Deal über die Bühne zu bringen. Laut der Vergütungsübersicht von UniCredit erhält er 2026 rund 5,85 Millionen Euro fixe Vergütung. Die variable Vergütung beträgt bei Zielerreichung 8,3 Millionen Euro und maximal 11,8 Millionen Euro. Ein großer Teil davon ist langfristig aktienbasiert. Nach der Vergütungspolitik von UniCredit spielt dabei insbesondere die Eigenkapitalrendite bei einer normalisierten CET1-Quote von 13 Prozent eine zentrale Rolle.

Für Orcel persönlich ist damit ein Modell attraktiv, bei dem Kosten sinken, Kapital effizienter eingesetzt wird und mit demselben Kunden mehr Umsatz erzielt wird. Das spricht eher für den Ausbau von DCM, Hedging, Trade Finance und Beratung als für große eigene Marktwetten.

In den nächsten Gesprächen auf der Management-Ebene wird Orcel vermutlich offenlegen müssen, wie weit die UniCredit die Commerzbank mit der HVB zusammenführen will und welche Folgen das für Beschäftigte und Kunden in Deutschland hätte.  

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