Für die am kürzlich in Nature Communications veröffentlichte Studie werteten Forschende Daten von 4.748 Standorten aus 129 Langzeitstudien aus. Untersucht wurden Populationen an Land, im Meer und in Süßwasserökosystemen. An Land und im Meer gingen Arten, die zu Beginn der Beobachtungszeiträume häufig vorkamen, im Durchschnitt stärker zurück als seltenere Arten. Für Süßwasser zeigte sich kein vergleichbar klares Muster.
Häufige Arten prägen viele Ökosysteme. Gehen ihre Bestände zurück, kann das Nahrungsketten, Bestäubung oder Nährstoffkreisläufe verändern.
Fast 50.000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht
Wie groß der Druck auf einzelne Arten ist, zeigt die aktuelle Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Von 175.909 bewerteten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gelten 49.505 als vom Aussterben bedroht. Erfasst ist allerdings nur ein Teil der weltweit existierenden Arten.
Besonders hoch ist das Risiko in einigen bislang wenig untersuchten Lebensräumen. Nach der jüngsten Aktualisierung der Roten Liste sind 125 von 201 bekannten Molluskenarten, die ausschließlich an hydrothermalen Quellen der Tiefsee vorkommen, vom Aussterben bedroht. Als Gefahr nennt die IUCN unter anderem möglichen Tiefseebergbau. Gleichzeitig wurden fünf australische Beuteltierarten offiziell als ausgestorben bestätigt. Von ihnen gab es seit mindestens 60 Jahren keine Nachweise mehr.
Bergbau ist eine Bedrohung
Eine weitere, am 21. September in Nature Communications veröffentlichte Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Bergbau und Biodiversität. Rund 34 Prozent der weltweit gegenwärtig für Bergbau genutzten Flächen überschneiden sich demnach mit Gebieten, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt besonders wichtig sind. Betroffen sind die Verbreitungsgebiete von mehr als 2.300 Arten, darunter zahlreiche bedrohte Arten.
Nashörner: Einige Arten stehen kurz vor dem Aussterben
Wie weit eine Art bereits an den Rand des Aussterbens geraten kann, zeigt das Java-Nashorn. Nach dem aktuellen Bericht der International Rhino Foundation leben weltweit nur noch etwa 50 Tiere dieser Art, sämtlich in Indonesien. Für das Sumatra-Nashorn werden noch 34 bis 47 Tiere geschätzt. Insgesamt gibt es weltweit noch rund 26.700 Nashörner. Während sich einzelne Bestände erholt haben, gehören Java- und Sumatra-Nashorn weiterhin zu den am stärksten bedrohten Großsäugern der Erde.
Der Rückgang der Biodiversität zeigt sich in schrumpfenden Beständen einst häufiger Arten, in der Belastung ganzer Lebensräume und im Verschwinden von Arten, deren Populationen nur noch wenige Dutzend Tiere umfassen.
