Umweltschutz in Brasilien: Was Lula und Bolsonaro machen würden

Die Unterschiede zwischen Lula und Bolsonaro sind groß – doch in der Umweltpolitik greifen simple Klischees zu kurz.

Satellitenaufnahme des brasilianischen Amazonasgebiets im August 2024. (Foto: NASA Earth Observatory)
Satellitenaufnahme des brasilianischen Amazonasgebiets im August 2024. (Foto: NASA Earth Observatory)

Vor dem zweiten Wahlgang um die brasilianische Präsidentschaft stehen Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro auch in der Umweltpolitik für unterschiedliche Ansätze. Bei Bolsonaro lässt sich die bisherige Linie vor allem anhand seiner Arbeit als Senator beurteilen, bei Lula anhand seiner Regierungspraxis seit 2023.

Bolsonaro setzt auf weniger Auflagen

Flávio Bolsonaro hat bislang keine Regierung geführt. Seine bisherige Umweltpolitik zeigt sich deshalb vor allem in Gesetzesinitiativen und Abstimmungen im Senat. 2019 brachte er gemeinsam mit Senator Márcio Bittar einen Gesetzentwurf ein, der die Reserva Legal aus dem brasilianischen Waldgesetz streichen sollte. Diese schreibt auf ländlichen Grundstücken den Erhalt eines Teils der natürlichen Vegetation vor. Laut Senat sollte die Abschaffung die wirtschaftliche Nutzung dieser Flächen ermöglichen. Der Entwurf wurde später von den Autoren zurückgezogen.

2025 stimmte Bolsonaro für die Reform der Umweltgenehmigungen. Das Vorhaben sollte die Verfahren landesweit vereinheitlichen und teilweise vereinfachen. Daraus entstand im August 2025 das neue Gesetz über Umweltgenehmigungen.

Auch bei Schutzgebieten unterstützte Bolsonaro eine Änderung. 2024 war er Mitverfasser eines Gesetzentwurfs, der Alto Corcovado aus dem Nationalpark Tijuca in Rio de Janeiro herauslösen soll. Der Entwurf befindet sich weiterhin im Senat.

Auch eine technische Umweltmaßnahme

Bolsonaro hat zugleich selbst eine Umweltregelung vorgeschlagen. 2021 brachte er einen Gesetzentwurf zur Rücknahme und Wiederverwertung von Batterien aus Elektrofahrzeugen ein. Die Bestandteile alter Batterien sollen demnach möglichst für neue Batterien wiederverwendet werden. Der Senat billigte den Entwurf 2023; in der Abgeordnetenkammer wurde er einem bereits laufenden Gesetzesvorhaben zur Rücknahmepflicht für Fahrzeuge und Fahrzeugteile zugeordnet.

Bolsonaros parlamentarische Bilanz zeigt damit vor allem Vorstöße zur Verringerung oder Veränderung bestehender Beschränkungen bei Flächennutzung und Genehmigungsverfahren. Daneben steht mit dem Batterieentwurf eine konkrete technische Umweltmaßnahme. Eine eigene Regierungsbilanz bei Waldschutz oder Umweltbehörden hat er bislang nicht.

Lula schützt den Wald – und setzt weiter auf Öl

Lula setzte unmittelbar nach seinem Amtsantritt 2023 den staatlichen Aktionsplan gegen die Entwaldung im Amazonasgebiet wieder in Kraft. Die Regierung verfolgt das Ziel einer Entwaldung von null bis 2030. Darunter versteht sie die Beseitigung illegaler Rodungen und den Ausgleich legaler Vegetationsverluste durch Wiederherstellung und zusätzlichen Erhalt natürlicher Vegetation.

Die Entwaldung im Amazonasgebiet ist seitdem deutlich gesunken. Nach den amtlichen Daten des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE lag sie 2025 ungefähr halb so hoch wie 2022, dem letzten Jahr der Regierung Jair Bolsonaro.

Lula setzte außerdem den Amazonas-Fonds wieder in Gang. Dessen Lenkungsgremium tagte im Februar 2023 erstmals seit 2018 wieder; anschließend wurde die Prüfung neuer Projekte wieder aufgenommen. Unter Lula wurden zudem bis Ende 2025 insgesamt 20 indigene Gebiete endgültig bestätigt.

Auch das internationale Klimaziel wurde verschärft. Brasiliens bei der UN-Klimarahmenkonvention hinterlegte Klimazusage sieht für 2035 deutlich niedrigere Treibhausgasemissionen als 2005 vor.

Gleichzeitig hält Lulas Regierung am Ausbau der Erdöl- und Erdgaswirtschaft fest. Umwelt- und Energieministerium ermöglichten 2026 die Aufnahme weiterer Tiefseegebiete in Ausschreibungen zur Suche und Förderung von Öl und Gas.

Fazit: Flávio Bolsonaro hat sich im Senat vor allem für Änderungen eingesetzt, die wirtschaftliche Nutzung und Genehmigungen erleichtern, zugleich aber auch eine Regelung zur Wiederverwertung von Fahrzeugbatterien vorgeschlagen. Lula hat die staatliche Bekämpfung der Entwaldung wieder ausgebaut und während seiner Amtszeit einen starken Rückgang der Amazonasrodung verzeichnet, setzt zugleich aber weiterhin auf die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen.

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