China stoppt ABB-Übernahme durch Softbank: Streit mit Japan erreicht die Schweiz

China blockiert Softbanks milliardenschwere Übernahme der ABB-Robotiksparte. Hinter dem Streit stehen auch die wachsenden Spannungen zwischen Peking und Tokio.

Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)
Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)

China untersagt Softbank die Übernahme des ABB-Robotikgeschäfts im Land. Peking hat die Entscheidung bislang nicht öffentlich begründet. Nach Informationen der Financial Times prüften die Behörden neben Lieferketten, geistigem Eigentum und Robotikdaten auch den Transfer von in China entwickelten Vermögenswerten an einen japanischen Konzern. Die Entscheidung fällt in eine Phase schwerer Spannungen zwischen China und Japan, die sich seit Äußerungen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi über Taiwan verschärft haben.

ABB teilte am Donnerstag mit, Softbank habe den Konzern darüber informiert, dass das chinesische Office of the Working Mechanism for Foreign Investment Security Review den Erwerb des ABB-Robotikgeschäfts in China verboten habe. Nach Angaben von Softbank ging die Mitteilung am 4. November ein.

Softbank hatte im Oktober 2025 vereinbart, die Robotiksparte von ABB für einen Unternehmenswert von 5,375 Milliarden Dollar zu übernehmen. China ist der größte Markt der Sparte. Mehr als 90 Prozent der Roboter für chinesische Kunden werden dort produziert.

Peking nennt keine offizielle Begründung

Nach Informationen der Financial Times prüften die Behörden unter anderem die chinesischen Lieferketten von ABB, Produktionskapazitäten, geistiges Eigentum und die Gefahr, dass Robotikdaten ins Ausland übertragen und dort zum Training von KI-Modellen verwendet werden könnten.

Nach dem Bericht spielte auch eine Rolle, dass in China entwickelte Vermögenswerte unter die Kontrolle eines japanischen Konzerns gelangen sollten. Die Zeitung stellt dies in den Zusammenhang mit den verschlechterten Beziehungen zwischen Peking und Tokio. Eine entsprechende offizielle Begründung der chinesischen Regierung liegt nicht vor.

Streit mit Japan über Taiwan

Die Beziehungen zwischen China und Japan verschlechterten sich nach Äußerungen der japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am 7. November 2025. Takaichi sagte im Parlament, ein militärischer Konflikt um Taiwan könne unter bestimmten Umständen eine „die Existenz Japans bedrohende Situation“ darstellen. Der Begriff ist im japanischen Sicherheitsrecht von Bedeutung und kann unter gesetzlichen Voraussetzungen die Ausübung kollektiver Selbstverteidigung ermöglichen.

Im Januar bezog sich das chinesische Handelsministerium ausdrücklich auf Takaichis Aussagen und warf ihr vor, damit eine mögliche bewaffnete Intervention in der Taiwanstraße angedeutet zu haben. China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets und hat den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung einer Vereinigung nicht ausgeschlossen.

Am 6. Januar 2026 untersagte China die Ausfuhr von Dual-Use-Gütern an japanische militärische Nutzer und für militärische Zwecke. Das Verbot erfasst nach der Bekanntmachung auch andere Endnutzer und Verwendungen, wenn sie aus Sicht Pekings zur Stärkung der japanischen Militärmacht beitragen.

Merz gerät in chinesische Kritik

Ende Oktober traf Bundeskanzler Friedrich Merz Takaichi in Tokio. Deutschland und Japan vereinbarten eine engere Zusammenarbeit bei Wirtschaftssicherheit, Militär, Hochtechnologie und kritischen Rohstoffen.

Merz sprach auch über Taiwan. „Auch hier gilt das Gewaltverbot der Charta der Vereinten Nationen“, sagte er laut Bundesregierung. Deutschland werde an seiner Ein-China-Politik festhalten. „Aber wie wir sie gestalten, das entscheiden wir.“

In chinesischen Staatsmedien stießen die Äußerungen auf Kritik. Die staatlich kontrollierte „Global Times“ griff Merz wegen seiner Taiwan-Aussagen und seiner Annäherung an die Regierung Takaichi an und bezeichnete sein Auftreten als ein Beispiel „politischer Frivolität“.

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