China verschärft Ton gegen Merz, kritisiert Aussagen als „frivol“

Peking ist empört über Bundeskanzler Merz und greift zu ungewöhnlich scharfer Rhetorik.

Bundeskanzler Friedrich Merz (links) und die japanische Premierministerin Sanae Takaichi nehmen am 28. Oktober 2026 an einer gemeinsamen Pressekonferenz im Büro des Premierministers in Tokio teil. (Foto: Rie KIKUCHI / POOL / AFP)
Bundeskanzler Friedrich Merz (links) und die japanische Premierministerin Sanae Takaichi nehmen am 28. Oktober 2026 an einer gemeinsamen Pressekonferenz im Büro des Premierministers in Tokio teil. (Foto: Rie KIKUCHI / POOL / AFP)

Während seines Besuchs in Japan hat Bundeskanzler Friedrich Merz Deutschland und Japan als Nachbarn und als „Premium-Partner“ bezeichnet. Für China kommt der Schulterschluss zu einem Zeitpunkt, da sich das Verhältnis zwischen Peking und Tokio eintrübt.

Die staatliche chinesische Global Times attackiert Merz ungewöhnlich heftig. Tatsächlich signalisiere Merz nicht nur engere Beziehungen zu Japan, sondern fordere explizit eine stärkere militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Deutschland habe zudem Interesse an einer Beteiligung am Global Combat Air Program bekundet – einer gemeinsamen Initiative von Japan, Großbritannien und Italien. Die Zeitung schreibt: „Die Tatsache, dass zwei im Zweiten Weltkrieg besiegte Nationen so eifrig die militärische Zusammenarbeit vorantreiben, dabei aber selektiv gemeinsame Werte betonen und die Beschränkungen der Nachkriegsordnung für militärische Aktivitäten bewusst umgehen, ist an sich schon Grund genug, die internationale Gemeinschaft zur Wachsamkeit zu mahnen.“

Vor allem Merz‘ Taiwan-Aussagen erregen die Chinesen: In der Taiwan-Frage habe Merz bemerkt, Deutschland werde entscheiden, wie die Ein-China-Politik umgesetzt werde. Dies sei ein Versuch, in einer prinzipiellen Frage eine „Grauzone“ zu schaffen. Solche Grenzüberschreitungen seien für die deutsch-chinesischen Beziehungen in keiner Weise konstruktiv. Merz’ Schmeichelei gegenüber der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi gehe „über bloße Annäherung hinaus – sie ist ein klares Beispiel politischer Frivolität“.

Zwar ist es in diplomatischen Kontexten nicht ungewöhnlich, ein Gefühl der Verbundenheit auszudrücken, doch zwei Länder, die 9.000 Kilometer voneinander entfernt liegen, als „Nachbarn“ zu bezeichnen und „gemeinsame Werte“ als Vorwand zu nutzen, um eine Reihe von Sicherheits- und Wirtschaftsabkommen mit klaren, zielgerichteten Zielen voranzutreiben, geht weit über bloße Rhetorik hinaus.

Die deutsche Wirtschaft hätte gehofft, Merz’ Asienreise würde zur Sicherung von Aufträgen und zur Verbesserung der Lieferketten beitragen, so die Zeitung. Doch Merz habe „es während dieses Besuchs eindeutig versäumt, die von einer reifen politischen Persönlichkeit erwartete Rationalität an den Tag zu legen“. Das chinesische Außenministerium hätte „zuvor die Hoffnung geäußert, dass Deutschland und die EU objektiv und rational bleiben, mit China an einem Strang ziehen und verlässliche und berechenbare Partner füreinander werden“. Merz täte gut daran, diesen Rat zu beherzigen. Man könne „zwar versuchen, einen Nachbarn aus 9.000 Kilometern Entfernung für sich zu beanspruchen, aber eine echte Partnerschaft erfordert Aufrichtigkeit und gegenseitigen Respekt“.

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