Zehntausende überwiegend junge Menschen sind am Samstag in mehr als 30 deutschen Städten auf die Straße gegangen. Eine bundesweite amtliche Gesamtzahl liegt nicht vor. Die Initiative „Gen Z regelt“ sprach am Abend von rund 120.000 Teilnehmern. Diese Zahl stammt von den Veranstaltern und ist nicht unabhängig bestätigt. Der Deutschlandfunk berichtet von Zehntausenden Demonstrierenden bundesweit.
Zu den größeren bekannten Protesten gehörten Frankfurt mit rund 8.000 Teilnehmern nach Polizeiangaben, Berlin mit rund 5.000 Menschen am Brandenburger Tor sowie mehrere tausend Teilnehmer in Leipzig, Stuttgart, München, Hannover, Hamburg und Köln.

Gegen Wehrpflicht, Aufrüstung und hohe Lebenshaltungskosten
Der Forderungskatalog der Initiative ist breit und knüpft an die Forderungen aus anderen Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland an (hier der Aufruf von „Gen Z regelt“ im Wortlaut).
Von politischer Seite war zwar teilweise Präsenz angesagt, aber zentrale Forderungen dürften eher im Deklamatorischen verbleiben. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester war erschienen, weil ihm „das Anliegen dieser jungen Generation, der jungen Menschen, wichtig ist“. Er wollte die Jugendlichen ernst nehmen. Doch er schränkte laut Kölner Stadtanzeiger ein: In vielen Themen, stimme er nicht mit den Protesten überein- und zwar „gerade was Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Wirtschaftspolitik angeht“.

Im Aufruf werden marode Schulen, zu wenig Lehrpersonal, steigende Preise, die Klimakrise, Krieg in Europa sowie Wehrdienst und Musterung genannt. Organisatorin Emma Heymann sagte dem Freitag, die Bewegung fordere einen Stopp der Aufrüstung und ein Nein zur Wehrpflicht.
Im Bildungsbereich geht es um Investitionen in Schulen und Hochschulen, fehlende Lehrkräfte und Kürzungen. Im Gesundheitsbereich fordert die Bewegung mehr Geld für Psychotherapie und Suchthilfe. Beim Thema Lebenshaltungskosten verlangt sie ein „bezahlbares Leben“.
Die Berliner Sprecherin Veronika Dinter sagte im Deutschlandfunk, in den Tagen vor den Demonstrationen sei die mediale Stimmung gegen die Proteste geschürt worden. Mit einem „Gewaltnarrativ“ werde aus ihrer Sicht von den Kernforderungen abgelenkt.
Dinter ist Mitglied im Bundesvorstand von Die Linke.SDS, wie aus der Vorstandsseite des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbands hervorgeht. Der SDS bezeichnet sich als politisch und organisatorisch unabhängig und zugleich der Partei Die Linke nahestehend.
Frankfurt: Randale und Plünderung
In Frankfurt beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 8.000 Menschen am gemeinsamen Demonstrationszug von „Gen Z regelt“ und „Generation Aufbruch“. Die Veranstalter nannten 10.000 Teilnehmer. Der Protest verlief zunächst größtenteils friedlich.

Im Verlauf stoppte die Polizei den Zug mehrfach wegen Pyrotechnik und Böllern. Gegen 18.20 Uhr löste sie die Versammlung auf, nachdem nach Polizeiangaben auch Steine auf Beamte geworfen worden waren. Mehrere Polizisten wurden verletzt.
Danach kam es in der Innenstadt zu weiteren Ausschreitungen. Nach Angaben der Hessenschau wurden Schaufenster eingeschlagen, Geschäfte geplündert und Mülltonnen angezündet. Böller, Raketen und teilweise Flaschen flogen in Richtung der Polizei. Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge waren im Einsatz.
Auch ein Waffengeschäft wurde attackiert. Die Polizei nahm mehrere Personen fest und stellte zwei Waffen sicher. Nach Beobachtungen von Reportern des Hessischen Rundfunks bestand die Gruppe der Randalierer überwiegend aus Jugendlichen, von denen die Mehrheit zuvor nicht am Demonstrationszug teilgenommen hatte.

Hamburg: Angriffe auf Polizisten, brennende Barrikade
In Hamburg verlief der Protest mit mehreren Tausend Teilnehmern zunächst weitgehend friedlich. Am Ende des Zuges kam es am Steindamm zu Ausschreitungen.
Nach Angaben des NDR wurden Böller, Steine und Bauzäune in Richtung von Polizeikräften geworfen. Demonstrierende errichteten eine Barrikade und zündeten sie an. Ein Wasserwerfer wurde zum Löschen eingesetzt.
Köln: Demonstrationszug abgesagt
In Köln untersagte die Polizei den geplanten Demonstrationszug, nachdem Pyrotechnik geworfen worden war und sich einzelne Teilnehmer vermummt hatten. Die stationäre Kundgebung wurde zunächst fortgesetzt.
Bei der späteren Auflösung kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, berichtet der WDR.
Stuttgart: Gewalt nach Ende der Versammlung
In Stuttgart kam es während der Demonstration zu Verstößen gegen Auflagen. Teilnehmer vermummten sich, zündeten Böller und Rauchtöpfe und verließen zeitweise die festgelegte Route. Außerdem wurden Mülleimer angezündet und Graffiti gesprüht.
Nach dem Ende der Versammlung blieb eine kleinere Gruppe am Marienplatz. Nach Angaben des SWR wurden Beamte und Polizeifahrzeuge mit Gegenständen beworfen und weiter Pyrotechnik gezündet. Zwei Polizisten wurden verletzt, mehrere Personen vorläufig festgenommen.
Leipzig: Pyrotechnik und geänderte Route
In Leipzig stieg die Teilnehmerzahl im Laufe des Nachmittags in den mittleren vierstelligen Bereich. Angemeldet waren 2.500 Menschen.
Teile der Demonstration vermummten sich, Pyrotechnik wurde wiederholt gezündet. Wegen Verstößen gegen Versammlungsauflagen und einzelner Straftaten änderte die Polizei Sachsen gegen 16.10 Uhr die Route.
In sozialen Medien kursieren Videos, in denen Demonstrierende der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vorwerfen. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor.
