Frankreich: Hunderttausende demonstrieren gegen hohe Preise, für Bürgerrechte

In zahlreichen französischen Städten sind am Samstag Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Neben Forderungen nach Entlastung bei den Lebenshaltungskosten ging es auch um Bürgerrechte.

Ein französischer Gendarm, dessen Schutzuniform teilweise brennt, rennt am 31. Oktober 2026 in Paris auf Demonstranten zu. (Foto: Sameer AL-DOUMY / AFP)
Ein französischer Gendarm, dessen Schutzuniform teilweise brennt, rennt am 31. Oktober 2026 in Paris auf Demonstranten zu. (Foto: Sameer AL-DOUMY / AFP)

In Frankreich haben am Samstag landesweit rund 320.000 Menschen demonstriert. Das teilten die französischen Behörden mit, wie AP berichtet. Allein in Paris wurden etwa 70.000 Teilnehmer gezählt. Insgesamt waren nach Angaben von Le Monde rund 150 Kundgebungen und Demonstrationen im ganzen Land vorgesehen.

In Paris begann der zentrale Demonstrationszug an der Porte de Bagnolet im Osten der Hauptstadt. Angeführt wurde der Marsch von Studenten, beteiligt waren unter anderem Gewerkschaften, Schüler, Klimaaktivisten und Anhänger der Gelbwestenbewegung. Die genehmigte Strecke führte entlang des östlichen Stadtrands bis zur Porte de Charenton. Der ursprünglich von Gewerkschaften angemeldete Weg zwischen Bastille und Nation war nach einer Entscheidung des Conseil d’État nicht zugelassen worden.

Demonstranten marschieren während landesweiter Proteste gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und die Ungleichheit, die von der Gelbwestenbewegung, Gewerkschaften sowie Schülern und Studenten organisiert wurden, in Paris am 31. Oktober 2026. (Foto von JULIEN DE ROSA / AFP)
Demonstranten marschieren während landesweiter Proteste gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und die Ungleichheit, die von der Gelbwestenbewegung, Gewerkschaften sowie Schülern und Studenten organisiert wurden, in Paris am 31. Oktober 2026. (Foto von JULIEN DE ROSA / AFP)

Auch in anderen Teilen des Landes fanden Kundgebungen statt. In Lyon war eine Demonstration außerhalb des Stadtzentrums von der Manufacture des Tabacs zur Place Jean-Macé genehmigt. Am Vormittag löste die Polizei eine kleine nicht genehmigte Versammlung an der Place Guichard auf. Für Marseille waren Kundgebungen unter anderem im Bereich des Vieux-Port und der Canebière angekündigt. Weitere Demonstrationen gab es nach übereinstimmenden Berichten in mehreren größeren und mittleren Städten Frankreichs.

Die Forderungen der Teilnehmer waren unterschiedlich, kreisten aber vor allem um soziale und wirtschaftliche Themen. AFP nennt steigende Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und sich verschlechternde Lernbedingungen als zentrale Anliegen der Bewegung. Schüler und Studenten protestieren gegen sanierungsbedürftige Schulen, Lehrermangel und ein Hochschulzulassungssystem, das nach Ansicht der Demonstranten Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen schlechter stellt. Gewerkschaften und andere Gruppen brachten weitere soziale Forderungen ein. Nach dem Vorgehen der Sicherheitskräfte bei früheren Protesten rückten außerdem Bürgerrechte und die Freiheit zu demonstrieren stärker in den Mittelpunkt.

Die Demonstrationen verliefen nach den vorliegenden Berichten überwiegend friedlich. Vereinzelt kam es jedoch zu Zwischenfällen und Polizeieinsätzen. In Bordeaux dokumentierte AFP den Einsatz von Tränengas. Auch in Lyon griff die Polizei am Vormittag ein, als sich Demonstranten in einem für Kundgebungen gesperrten Bereich versammelten. Von größeren Ausschreitungen im Umfeld der genehmigten Demonstrationszüge lagen zunächst keine Berichte vor.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren dennoch umfangreich. Nach Angaben des französischen Innenministeriums waren landesweit 70.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz. In mehreren Städten wurden Demonstrationsrouten aus den Innenstädten herausgelegt oder bestimmte Bereiche für Kundgebungen gesperrt. Die Behörden begründeten dies mit einem erhöhten Risiko von Störungen der öffentlichen Ordnung, insbesondere in den Abendstunden.

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