Jugendproteste: „Der Funke ist nach Deutschland übergesprungen“

Der Aufruf zu den Protesten wendet sich unter anderem gegen die Wehrpflicht. Man wolle nicht für Kriege ausgebildet werden, über die man nie mitentschieden habe.

Vertreter der Schülerorganisationen Les Lycées, Vizepräsident Louis Letoublon (Mitte) und Präsident von Renouveau Lycée, Nathanael Combary (rechts), sprechen am 26. Oktober 2026 nach einem Treffen mit dem französischen Premierminister im Hôtel Matignon in Paris mit der Presse. (Foto: Anne-Christine POUJOULAT / AFP)
Vertreter der Schülerorganisationen Les Lycées, Vizepräsident Louis Letoublon (Mitte) und Präsident von Renouveau Lycée, Nathanael Combary (rechts), sprechen am 26. Oktober 2026 nach einem Treffen mit dem französischen Premierminister im Hôtel Matignon in Paris mit der Presse. (Foto: Anne-Christine POUJOULAT / AFP)

Am 31. Oktober ruft die Initiative „Gen Z regelt“ zu Protesten in ganz Deutschland auf. Wir dokumentieren den Aufruf und die Forderungen von „Gen Z regelt“ im Wortlaut:

Wer wir sind

Am 31. Oktober gehen wir als Generation Z in ganz Deutschland auf die Straße –
und wir laden euch ein, uns dabei zu unterstützen. Wir sind junge Menschen, die
nicht länger zusehen wollen, wie über unsere Zukunft entschieden wird, ohne dass
wir gehört werden.

In Frankreich, Belgien und Spanien protestieren Jugendliche bereits. Der Funke ist
nach Deutschland übergesprungen: Erste Solidaritätsaktionen mit den
Schüler in Frankreich haben schon stattgefunden.

Was uns bewegt

Wohin wir auch schauen, sehen wir Krisen und kaum eine Perspektive für uns:

• Kaputte Schulen und Sparkurs: Gespart wird bei Bildung, Sozialem, Kultur und
Gesundheit. Suchtkliniken für Jugendliche schließen, Psychotherapie ist für viele
kaum noch erreichbar.

• Steigende Lebenshaltungskosten: Preissteigerungen, hohe Steuern und
Armut belasten viele Menschen im Alltag – ihre Sorgen bekommen zu wenig
Aufmerksamkeit.

• Ungerechte Lastenverteilung: Die Kürzungen gehen auf unseren Rücken,
während Großunternehmen weiter profitieren und Milliarden in Aufrüstung
fließen.

• Wehrpflicht und Musterung: Wir sollen für Kriege ausgebildet werden, über
die wir nie mitentschieden haben.

• Mehr Überwachung: Der Überwachungsapparat wird immer weiter ausgebaut.

• Fachkräftemangel: Er verschärft die Probleme in Schulen, Pflege und
Gesundheitsversorgung.

Wofür wir stehen

1 Überparteilich und gemeinsam: An diesem Tag stellen wir politische
Differenzen zurück und stehen gemeinsam für die Menschen ein, nicht für eine
Partei. Unsere gemeinsamen Probleme sind wichtiger als das, was uns trennt.

2 Kritik an der politischen Führung: Wir kritisieren Entscheidungen der Politik,
egal welche Partei dahintersteht. Viele Kräfte stellen sich als einzige Lösung dar,
obwohl ihre Politik unsere Zukunft gefährdet. Keine Partei steht über den Sorgen
der Bevölkerung.

3 Einheit statt Spaltung: Wir stehen für alle Menschen – unabhängig von
Herkunft, Hautfarbe, Religion oder politischer Meinung. Wir wollen
zusammenbringen, statt uns gegeneinander aufbringen zu lassen.

4 Eine Stimme für die Jugend: Wir Jugendlichen werden vernachlässigt und
ignoriert. Das wollen wir ändern.

Was wir wollen

Wir fordern eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und
bezahlbares Leben investiert – statt bei der jungen Generation zu sparen. Wir wollen
mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird.

Der 31.10. ist erst der Anfang. Dauerhafte Probleme brauchen mehr als einen
Protesttag. Wir wollen langfristig etwas verändern und auch danach weitermachen.

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