In Griechenland sind am Mittwoch Tausende Menschen für eine bessere Finanzierung der öffentlichen Bildung und gegen hohe Lebenshaltungskosten auf die Straße gegangen. Demonstrationen fanden unter anderem in Athen, Thessaloniki und Patras statt. Auch Eltern, Krankenhausärzte und weitere Beschäftigte beteiligten sich. In der Hauptstadt versammelten sich nach einer Polizeischätzung, über die der griechische Sender SKAI berichtete, rund 10.000 Menschen. Der Demonstrationszug führte von den Propyläen der Universität zum Syntagma-Platz. Die Demonstranten bekundeten ihre Solidarität mit den Protesten in Frankreich. Bereits vor einigen Tagen gab es Proteste gegen die Wohnungsnot, etwa mit einer Zeltstadt vor dem Parlament.
Im Mittelpunkt standen Forderungen nach zusätzlichen Lehrkräften, einer besseren Ausstattung der Schulen und mehr Unterstützung für Studierende. Nach einem Bericht des öffentlichen Rundfunks ERT verlangten Studierende niedrigere Mieten, höhere Wohnkostenzuschüsse und mehr Plätze in Wohnheimen. Sie kritisierten, dass die Kosten für Lebensunterhalt und Unterkunft das Studium erschwerten. Lehrkräfte forderten unter anderem feste Stellen für bislang befristet beschäftigte Vertretungslehrkräfte und sichere Schulgebäude.
Lehrergewerkschaften rufen zu Streiks auf
Die Gewerkschaft DOE hatte die Lehrkräfte der Primarstufe zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Sie verlangt höhere Gehälter, mehr Personal und eine ausreichende Finanzierung der öffentlichen Schulen. Die Gewerkschaft OLME rief die Lehrkräfte der Sekundarstufe zu einer dreistündigen Arbeitsniederlegung auf. Örtliche Verbände wurden aufgefordert, ergänzende Arbeitsniederlegungen zu organisieren.
In Patras vereinigten sich zwei Versammlungen am Gewerkschaftszentrum und am Georgiou-Platz zu einem gemeinsamen Demonstrationszug. Das örtliche Nachrichtenportal TheBest berichtete von Tausenden Teilnehmern. Studentische Vereinigungen hatten bereits am Dienstag Zelte auf dem Georgiou-Platz aufgestellt. Mit der zweitägigen Aktion protestierten sie gegen gestiegene Lebenshaltungs- und Studienkosten. An den Kundgebungen beteiligten sich auch Krankenhausärzte und Hochschulbeschäftigte.
Nach dem Ende der Demonstration in Athen kam es im Bereich des Omonia-Platzes zu Zwischenfällen. Nach Angaben von SKAI warfen einzelne Personen Flaschen und Steine auf Polizeikräfte. Die Beamten setzten Blend- und Knallgranaten ein. In Thessaloniki hatte die Polizei bereits vor Beginn der dortigen Demonstration zehn Personen im Zuge von Kontrollen mitgenommen. Wie das lokale Nachrichtenportal TyposThes berichtete, wurde eine dieser Personen anschließend festgenommen, weil bei ihr ein Messer gefunden worden sei.
Ministerin verweist auf Investitionen
Bildungsministerin Sofia Zacharaki erkannte Probleme bei Schulgebäuden und studentischem Wohnraum an. Nach einer Mitteilung des Bildungsministeriums erklärte sie im Fernsehsender ANT1, die Anliegen von Schülern, Studierenden und Lehrkräften beträfen reale Probleme; der Dialog bleibe offen. Schulbesetzungen lehnte sie ab. Zugleich verwies Zacharaki auf nach ihren Angaben laufende Projekte für den Neubau und die Modernisierung von Studentenwohnheimen im Umfang von mehr als 733 Millionen Euro.
Am Abend wurden konkretere Angaben zur Beteiligung an den Arbeitsniederlegungen bekannt. Nach einem Bericht von To Vima bezifferte das Bildungsministerium die Beteiligung auf 20,61 Prozent der Lehrkräfte in der Primarstufe und 11,16 Prozent in der Sekundarstufe. Die Angaben beruhten auf Erhebungen der zuständigen Dienststellen. Aus Ministeriumskreisen hieß es, der Unterricht sei an der Mehrheit der Schulen fortgesetzt worden.
