Der Secondhand-Marktplatz Vinted geht gegen Verkaufsangebote vor, bei denen der Verdacht besteht, dass die Waren aus den jüngsten Plünderungen in Frankreich stammen. Das Unternehmen habe unmittelbar Maßnahmen ergriffen, um entsprechende Inserate zu identifizieren und zu entfernen, berichtete Bloomberg. Zudem sei die Überwachung verdächtiger Angebote verstärkt worden. Bei Verstößen gegen die Plattformregeln könnten Konten dauerhaft gesperrt werden.
Auch gegenüber französischen Medien bestätigte Vinted sein Vorgehen. Das Unternehmen verfolge beim Verkauf gestohlener Waren eine „Null-Toleranz“-Politik und arbeite mit den Behörden zusammen, berichtet Le Monde. Die Zeitung beobachtete nach eigenen Angaben, dass einige verdächtig wirkende Anzeigen am Montag innerhalb weniger Minuten wieder verschwanden. Wie viele Inserate Vinted insgesamt entfernt hat, teilte das Unternehmen nicht mit.
Kosmetik und ein Trikot mit Diebstahlsicherung
Seit den Plünderungen am 17. und 18. Oktober verbreiten Nutzer in sozialen Netzwerken Hinweise auf auffällige Verkaufsangebote. Le Monde nennt unter anderem größere Posten neuer Lippenstifte, Taschen voller Kosmetikprodukte und Fußballtrikots mit noch angebrachter Diebstahlsicherung.
Besonders konkret dokumentierte RTL ein Inserat, das am Montagmorgen noch auf Vinted verfügbar gewesen sei. Auf dem Foto waren dem Bericht zufolge Taschen mit zahlreichen Lippenstiften zu sehen. Die Anzeige trug den Titel „produit Sephora du 17 octobre“, sinngemäß „Sephora-Produkt vom 17. Oktober“. Auf Nachfrage von RTL bestritt der Verkäufer allerdings, die Waren selbst gestohlen zu haben. Ob die angebotenen Produkte tatsächlich aus einer geplünderten Sephora-Filiale stammten, ist daher nicht nachgewiesen.
RTL berichtete außerdem über ein angebotenes Trikot des Fußballvereins LOSC Lille. Die Anzeige sei kurz nach der Plünderung des offiziellen Vereinsgeschäfts in Lille veröffentlicht worden. Auf dem Foto sei noch eine Diebstahlsicherung zu erkennen gewesen. Auch hier ist damit nicht zweifelsfrei belegt, dass das Kleidungsstück aus der geplünderten Filiale stammte.
Nach Angaben von RTL hatten Internetnutzer seit Samstag Dutzende verdächtige Anzeigen entdeckt. Auch TF1 Info berichtet von Make-up, Parfüm und Kleidung, die nach den Plünderungen auf Plattformen für den Handel zwischen Privatpersonen angeboten worden seien.
Regierung bestellt Online-Plattformen ein
Die französische Regierung schaltete sich am Montag ein. Digitalministerin Anne Le Hénanff und Handelsminister Serge Papin ließen mehrere große Online-Plattformen zu einem Treffen zusammenkommen. Neben Vinted waren nach Angaben von Le Monde und Le Parisien auch Amazon, eBay, Leboncoin, Meta und TikTok eingeladen.
Die Regierung verlangt, Angebote gestohlener Waren unverzüglich zu entfernen. Zudem sollen die Plattformen mit den staatlichen Stellen zusammenarbeiten, damit mögliche Weiterverkäufer identifiziert und verfolgt werden können. „Solche Verhaltensweisen werden nicht ungestraft bleiben“, erklärten Le Hénanff und Papin laut Le Monde.
Mindestens 3.000 Geschäfte betroffen
Die verdächtigen Online-Angebote stehen im Zusammenhang mit den massiven Plünderungen während der Ausschreitungen am Wochenende. Nach Angaben der französischen Regierung waren landesweit mindestens 3.000 Geschäfte betroffen. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte deshalb einen speziellen Hilfsfonds für geschädigte Händler an, wie Le Parisien berichtet.
Bloomberg berichtete zudem über Videos in sozialen Netzwerken, die Plünderungen von Geschäften der Luxusmarken Louis Vuitton, Burberry und Celine zeigen sollen. Die Kosmetikkette Sephora bestätigte Bloomberg, dass in mehrere ihrer Geschäfte eingedrungen worden sei.
Vinted wurde 2008 in Litauen gegründet und hat sich zu einem der größten europäischen Online-Marktplätze für gebrauchte Kleidung und andere Waren entwickelt. Frankreich zählt zu den größten Märkten des Unternehmens.
