An französischen Tankstellen häufen sich die Engpässe. Am Samstagmorgen, dem 19. September, meldeten elf Prozent der erfassten Tankstellen Versorgungsprobleme bei Benzin oder Diesel. Das geht aus der offiziellen Übersicht der französischen Regierung hervor, die rund 9.900 Stationen erfasst. Besonders angespannt war die Lage im Grand Est mit 16 Prozent betroffenen Tankstellen, gefolgt von Pays de la Loire mit 15 Prozent und Okzitanien mit 14 Prozent.
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Von einer flächendeckenden Benzinknappheit kann noch keine Rede sein: 89 Prozent der Stationen waren ohne Versorgungsprobleme. Allerdings ist der Anteil der betroffenen Tankstellen seit dem 17. September von zehn auf elf Prozent gestiegen. Als betroffen gilt eine Station in der Regierungsstatistik, wenn Diesel oder sämtliche angebotenen Benzinsorten fehlen.
Der TotalEnergies-Effekt
Dass sich der Andrang auf bestimmte Tankstellen konzentriert, hat einen französischen Sondergrund. TotalEnergies hat die Preise in seinem Netz gedeckelt: Benzin kostet höchstens 1,99 Euro je Liter, Diesel höchstens 2,25 Euro. Der Konzern führte die Preisobergrenzen am 22. Juli wegen der erneut gestiegenen internationalen Ölproduktpreise wieder ein.
Der Preisabstand ist erheblich. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am 15. September von landesweiten Durchschnittspreisen von etwa 2,15 Euro für Benzin und 2,35 Euro für Diesel. Für Autofahrer lohnt sich deshalb der Weg zu den günstigeren TotalEnergies-Stationen.
Die französische Regierung macht diesen Effekt für einen Großteil der Ausfälle verantwortlich. Rund neun von zehn betroffenen Stationen gehörten zum TotalEnergies-Netz, erklärte Regierungssprecherin Maud Bregeon nach dem Ministerrat am 16. September. Der Preisdeckel ziehe zusätzliche Kunden an; die ungewöhnlich hohen Verkaufsmengen belasteten die Nachversorgung. Einzelne Stationen werden dadurch schneller leergefahren, als Tanklastwagen nachliefern können. Bei den Lieferketten insgesamt gebe es jedoch „keine ungewöhnlichen Schwierigkeiten“, sagte Bregeon.
Der Preisdruck kommt vom Weltmarkt
Hinter diesem französischen Sondereffekt steht eine angespannte internationale Versorgungslage. Die Internationale Energieagentur spricht in ihrem September-Bericht von einem „Diesel squeeze“, einer Verknappung von Diesel. Der Krieg im Nahen Osten behindert den Transport durch die Straße von Hormus. Zugleich haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien deren Produktion und die Exporte von Ölprodukten beeinträchtigt.
Nach Angaben der IEA lagen die Nettoexporte von Diesel und Gasöl aus den Golfstaaten im August bei rund 390.000 Barrel pro Tag – wenig mehr als einem Viertel des Vorkriegsniveaus. Zusammen lagen die Nettoexporte der Golfstaaten und Russlands täglich rund 1,6 Millionen Barrel unter dem Stand vom Februar. Gleichzeitig sind die Lagerbestände gesunken und die Raffineriemargen gestiegen.
Für die Zapfsäulenpreise ist das entscheidend: Nicht nur Rohöl muss verfügbar sein, sondern auch ausreichend Verarbeitungskapazität. Fehlen fertige Kraftstoffe, können deren Preise stärker steigen als der Rohölpreis. Genau das beobachtet die IEA derzeit besonders bei Diesel.
Vor weiteren Preissteigerungen warnt der Ökonom Patrice Geoffron von der Universität Paris-Dauphine. „Der Ölpreis ist gestiegen, und dieser Anstieg ist noch nicht vollständig an den Zapfsäulen angekommen“, sagte er am 15. September dem Sender RTL. Die Weitergabe könne ein bis zwei Wochen dauern. Einen Dieselpreis von 2,50 Euro je Liter hielt er für plausibel. Von einer allgemeinen Kraftstoffknappheit ging er zum Zeitpunkt des Interviews allerdings nicht aus.
Frankreich ist beim Diesel besonders anfällig
Frankreich muss einen erheblichen Teil seines Dieselbedarfs im Ausland decken. Nach Angaben des Branchenverbands Ufip Énergies et Mobilités importierte das Land 2025 mehr als die Hälfte seines Dieselverbrauchs. Zugleich entfielen noch rund 67 Prozent des französischen Straßenkraftstoffverbrauchs auf Diesel.
Fallen Lieferungen aus dem Persischen Golf oder aus Russland aus, steigt der Wettbewerb um verfügbare Mengen – und damit der Druck auf die Großhandelspreise. Europäische Käufer konkurrieren dabei auch mit Abnehmern in anderen Weltregionen.
Die Regierung versucht gegenzusteuern. Nach ihren Angaben vom 16. September wurde eine Produktionssteigerung um zehn Prozent in der Raffinerie Port-Jérôme ermöglicht. Wartungsarbeiten anderer Raffinerien wurden verschoben. Zudem gelten Ausnahmen von Fahrbeschränkungen für Tanklastwagen, um die Versorgung der Stationen zu erleichtern.
Hollande warnt ausdrücklich vor neuen Protesten
Noch sind die lokalen Ausfälle vor allem ein Problem der ungleich verteilten Nachfrage und der Nachlieferung. Die IEA warnt jedoch: Die Lagerpuffer schrumpfen, das Raffineriesystem arbeitet an seiner Belastungsgrenze. Ohne eine Entspannung der Konflikte droht eine weitere Verknappung auf dem Weltmarkt.
Der frühere Staatspräsident François Hollande wurde am 15. September 2026 im Interview mit RTL nach einer möglichen neuen Gelbwesten-Mobilisierung gefragt. Er sagte: „Das ist immer ein Risiko.“ Hollande verwies darauf, dass die Franzosen seit Monaten unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen lebten und die Benzinpreise entgegen angekündigten Entlastungen weiter stiegen. Um neue Blockaden zu verhindern, müsse die Regierung schnell gezielte Hilfen bereitstellen – für betroffene Berufsgruppen und Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
Auch der frühere Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zog einen ausdrücklichen Vergleich mit 2018. „Es ist genau derselbe Kontext wie damals – ein Kontext, in dem viele Franzosen leiden“, sagte er im französischen Fernsehen. Innenminister Laurent Nuñez warnte, in sozialen Netzwerken kursierten Aufrufe zu Demonstrationen. Er sagte, die Regierung werde wachsam bleiben.
