Frankreich: Investoren erhöhen den Druck auf Macron

Hohe Schulden begrenzen den Spielraum Frankreichs, auf Proteste gegen die Lebenshaltungskosten zu reagieren. Präsident Emmanuel Macron bemüht sich unterdessen in den Golfstaaten um Energielieferungen.

Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al-Nahyan (rechts), empfängt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron (links) am 19. Oktober 2026 im Präsidentenpalast Qasr al-Watan in Abu Dhabi. (Foto: Benoit Tessier / POOL / AFP)
Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed Al-Nahyan (rechts), empfängt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron (links) am 19. Oktober 2026 im Präsidentenpalast Qasr al-Watan in Abu Dhabi. (Foto: Benoit Tessier / POOL / AFP)

Frankreichs Staatsanleihen sind erneut unter Verkaufsdruck geraten. Wie Bloomberg berichtet, stieg der Renditeaufschlag zehnjähriger französischer Anleihen gegenüber vergleichbaren deutschen Bundesanleihen am Dienstag, dem 20. Oktober, zeitweise auf 154 Basispunkte. Das entspricht einem Abstand von 1,54 Prozentpunkten und war der höchste Wert seit dem 2. Oktober.

Die Rendite französischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit näherte sich im Tagesverlauf erneut der Marke von fünf Prozent. Deutsche Bundesanleihen waren dagegen gefragt; ihre Rendite sank auf 3,44 Prozent. Bereits Anfang Oktober hatte der französische Risikoaufschlag einen Höchststand von 159 Basispunkten erreicht. Nach Angaben von Bloomberg hatten die politischen und finanzwirtschaftlichen Spannungen zahlreiche Anleger zum Verkauf französischer Schuldtitel veranlasst.

Hohe Schulden begrenzen den Spielraum

Am Wochenende war es in Frankreich am Rande der Massen-Proteste gegen steigende Preise zu Angriffen auf öffentliche Gebäude, Geschäfte und Restaurants gekommen. Nach verschärften Sicherheitsmaßnahmen, darunter Ausgangssperren, flauten die Proteste zunächst weitgehend ab. Für den weiteren Wochenverlauf wurden jedoch neue Demonstrationen erwartet.

Der finanzielle Spielraum der Regierung ist begrenzt. Frankreichs Staatsschulden übersteigen die jährliche Wirtschaftsleistung, das Haushaltsdefizit gehört zu den größten im Euroraum. Zusätzliche Ausgaben zur Entlastung der Bevölkerung würden die ohnehin angespannte Finanzlage weiter belasten. Zugleich steht in rund sechs Monaten die Präsidentschaftswahl an, bei der über Macrons Nachfolge entschieden wird.

Anleger prüfen Risiken genauer

Karen Ward, Chefmarktstrategin für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei JPMorgan Asset Management, erklärte gegenüber Bloomberg, Anleger hätten inzwischen mehr Auswahl bei der Vergabe ihres Kapitals. Bei mangelndem Vertrauen in einen Schuldner verlangten sie eine höhere Verzinsung. Auch Strategen des BlackRock Investment Institute sehen in den Kursverlusten französischer Anleihen einen Ausdruck des verschärften Wettbewerbs um Kapital. Investoren prüften genauer, ob die angebotenen Renditen die jeweiligen Risiken ausreichend ausglichen.

Ob die Europäische Zentralbank zur Stabilisierung des Anleihemarktes eingreifen würde, bleibt offen. Laut Bloomberg wird an den Märkten mit Zurückhaltung gerechnet. EZB-Ratsmitglied Olli Rehn forderte am Dienstag alle Euroländer einschließlich Frankreichs auf, ihre Haushaltsdefizite unter Kontrolle zu bringen und die Tragfähigkeit ihrer Schulden zu sichern.

Vanda-Mitgründer Jens Nordvig erwartet weiter steigende französische Risikoaufschläge. Er sieht zudem die politische Zusammenarbeit unter Druck, die für gemeinsame europäische Krisenhilfen erforderlich wäre.

Macron zu Gesprächen in den Emiraten

Macron hielt sich unterdessen am 19. und 20. Oktober im Rahmen einer Golfreise in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. In Abu Dhabi traf er Präsident Mohamed bin Zayed Al Nahyan. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur WAM berieten beide über die Zusammenarbeit bei Energie, Investitionen und künstlicher Intelligenz sowie über die Folgen der Lage im Nahen Osten für die Sicherheit der Seewege und die weltweite Energieversorgung.

Wie RTL in einer AFP-Meldung unter Berufung auf den Élysée berichtete, erhielt Macron von den Emiraten Zusagen für zusätzliche Lieferungen von rund 100.000 Tonnen Diesel pro Monat. Damit soll die Energieversorgung Frankreichs gestärkt und der Preisdruck verringert werden. Welche Auswirkungen die zusätzlichen Lieferzusagen auf die Tankstellenpreise haben werden, konnte die französische Präsidentschaft zunächst nicht beziffern.

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