Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und der Krieg Russlands gegen die Ukraine haben weltweit Folgen: Steigende Benzin- und Dieselpreise, gekürzte Subventionen und Versorgungsengpässe führen derzeit in zahlreichen Ländern zu Protesten, Blockaden und Streiks. In anderen Staaten bereiten Verbände Aktionen vor oder erhöhen den Druck auf die Regierungen. Stand: 16. September 2026.
Bangladesch
Tausende Anhänger eines von Jamaat-e-Islami geführten Oppositionsbündnisses starteten am 5. September einen Marsch von Dhaka nach Chittagong. Zu den Forderungen gehören Lösungen für die Engpässe bei Treibstoff, Gas, Strom und Dünger sowie Maßnahmen gegen steigende Preise. Laut AFP war es die erste größere Straßenmobilisierung gegen die seit sechs Monaten amtierende Regierung.
Bolivien
Landwirtschaftliche Produzenten blockierten am 2. September Straßen bei Cuatro Cañadas, San Julián und Yapacaní im Departamento Santa Cruz. Sie verlangen die Rücknahme des Dekrets 5676, das Diesel für Direktkunden und Großverbraucher auf 18 Bolivianos pro Liter verteuert. Laut El Deber und Unitel richteten sich die Blockaden zugleich gegen Probleme bei der Dieselversorgung.
Bulgarien
Am 15. September demonstrierten Regierungsgegner in Sofia gegen das Kabinett. Zu den Themen gehörten Staatsverschuldung, Korruption, die Russlandpolitik und die Lebenshaltungskosten. Ein Teilnehmer kritisierte gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Sender BNT ausdrücklich das Fehlen staatlicher Maßnahmen zur Regulierung der Kraftstoffpreise.
Cabo Verde
Die Taxifahrervereinigung der Hauptstadt Praia droht wegen der höheren Kraftstoffpreise mit einer Stilllegung des Taxiverkehrs. Verbandschef Adriano Monteiro erklärte laut der kapverdischen Nachrichtenagentur Inforpress, die steigenden Kosten würden die Branche „ersticken“. Gefordert wird unter anderem eine vorübergehende Erhöhung der Taxitarife um 50 Escudos pro Fahrt. Die Kraftstoffpreise waren zum 1. September im Durchschnitt um 4,51 Prozent gestiegen.
Deutschland
In Deutschland gibt es derzeit keinen vergleichbaren Straßenprotest, die hohen Kraftstoffpreise setzen die Bundesregierung jedoch unter politischen Druck. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte laut AFP Entlastungen für Autofahrer an. Wegen der Rekordpreise für Diesel und Benzin sei für viele Pendler eine „Belastungsgrenze“ erreicht, sagte Merz am Dienstag in Berlin. Das genaue Instrumentarium stehe noch nicht fest – die Regierung werde aber „Steuern und Abgaben in den Blick nehmen“, kündigte Merz an. Die Mineralölbranche erwartet erst im kommenden Jahr eine Normalisierung der Preise.
Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, warnte dagegen vor einem erneuten Tankrabatt oder pauschalen Preisdeckeln beim Spritpreis. Beide Maßnahmen wären „aus ökonomischer Sicht der falsche Weg, weil sie das Knappheitssignal hoher Ölpreise abschwächen und den Staat viel Geld kosten können“, sagte die Chefin der Wirtschaftsweisen der „Rheinischen Post“ vom Mittwoch.
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Ecuador
Ecuadors Verband der Kraftstoffhändler hat für den 6. Oktober einen Protest auf der Plaza Grande in Quito angekündigt. Die Händler verlangen höhere Margen beim Dieselverkauf. Laut Primicias liegt die derzeitige Handelsmarge bei zwölf US-Cent pro Gallone und wird zwischen Händlern, Tankstellen und Transporteuren aufgeteilt. Der Verband argumentiert, dass der deutliche Dieselpreisanstieg inzwischen die Liquidität vieler Betriebe gefährde.
El Salvador
Die öffentlichen Verkehrsunternehmen in El Salvador warnen vor wirtschaftlichen Folgen der steigenden Dieselpreise. Laut La Prensa Gráfica erklärte die Mesa Nacional del Transporte am 14. September, eine weitere Erhöhung um 17 US-Cent je Gallone mache es zunehmend unmöglich, die Betriebskosten zu decken. Der Verband wartet nach eigenen Angaben seit fünf Monaten auf Gespräche mit dem Verkehrsministerium.
Frankreich
Fischer blockierten am 15. September ab drei Uhr morgens das Öldepot von Fos-sur-Mer. Laut AFP protestierten sie gegen die höheren Kraftstoffpreise und die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Mehrere Dutzend Fischer beteiligten sich. Sicherheitskräfte räumten die Blockade, danach nahm das Depot den Betrieb wieder auf.
Guatemala
Transportverbände, Markthändler und Vertreter der Zivilgesellschaft demonstrierten am 14. September auf der Plaza de la Constitución in Guatemala-Stadt. Laut Emisoras Unidas forderten sie Maßnahmen gegen die höheren Kraftstoffpreise und Gespräche mit Regierung und Parlament. In den Tagen zuvor hatten Treibstoffproteste und Straßenblockaden bereits wichtige Verkehrsverbindungen betroffen.
Honduras
Fahrer schwerer Fahrzeuge blockierten am 14. September die Straße nach Danlí bei El Zamorano. Laut Proceso Digital richtete sich die Aktion ausdrücklich gegen die wiederholten Erhöhungen der Kraftstoffpreise und die dadurch gestiegenen Betriebskosten. Die Polizei räumte die Strecke; bei den Auseinandersetzungen wurde ein Polizeikommissar verletzt.
Indonesien
In Makassar auf Sulawesi führten Kraftstoffknappheit und lange Tankstellenschlangen zur Einführung einer Regel, nach der Fahrzeuge abhängig von geraden oder ungeraden Kennzeichen tanken sollten. Online-Motorradtaxifahrer protestierten gegen das System, weil sie beruflich auf täglichen Zugang zu Kraftstoff angewiesen sind. Die staatliche Nachrichtenagentur ANTARA dokumentierte die akute Versorgungskrise mit teilweise stundenlangen Wartezeiten an Tankstellen.
Irak
Im Irak laufen mehrere voneinander getrennte Aktionen im Zusammenhang mit Dieselpreisen und Kraftstoffzuteilungen. Bauern, Fabrikbesitzer und Betreiber privater Stromgeneratoren haben in den vergangenen Tagen protestiert. Bereits Ende August kündigten Generatorbetreiber eine landesweite Abschaltung aus Protest gegen staatliche Regelungen an; die Regierung reagierte laut dem irakischen Medium 964media mit subventioniertem Kraftstoff zu 400 Dinar pro Liter für September.
Iran
Im Iran haben die Kraftstoffkrise und gekürzte Subventionen Proteste und Streiks ausgelöst. Laut dem Wall Street Journal beteiligen sich insbesondere Lkw-Fahrer, Taxifahrer und Fahrer von Plattformdiensten wie Snapp. Viele Berufsfahrer geben an, dass ihre staatlich zugeteilten Kraftstoffmengen für den Arbeitsalltag nicht mehr ausreichen.
Irland
Für den 19. September ist in Dublin eine landesweite Demonstration gegen die hohen Lebenshaltungskosten geplant. Zu den Forderungen gehören Preisobergrenzen für Lebensmittel, Kraftstoff und Strom, Energiehilfen und kostenloser öffentlicher Nahverkehr. Die Aktion beginnt am Parnell Square und wird unter anderem von People Before Profit organisiert; auch Gewerkschafts- und Studentenorganisationen unterstützen sie. People Before Profit
Nigeria
In Nigeria wurde Mitte September eine kleine Straßenaktion gegen die hohen Benzinpreise dokumentiert. Ein Mann zog mit Mikrofon und mobilem Lautsprecher durch Wohngebiete und protestierte gegen gemeldete Preise von bis zu 1.562 Naira pro Liter. Das Portal Intel Region berichtete, der Demonstrant habe seine Kritik zugleich mit einem Aufruf gegen Präsident Bola Tinubu bei der Wahl 2027 verbunden.
Pakistan
Jamaat-e-Islami führt seit dem 16. August landesweit Sit-ins gegen die Petroleum Levy durch. Laut Dawn finden Aktionen in Lahore, Peshawar, Karachi und zahlreichen weiteren Städten statt; am 14. September lief die Kampagne bereits am 30. Tag. Für den 20. September hat Parteichef Hafiz Naeemur Rehman einen Marsch nach Islamabad angekündigt, falls die Abgabe nicht abgeschafft wird.
Philippinen
Die Transportorganisation Manibela begann am 14. September einen zweitägigen landesweiten Streik gegen die hohen Kraftstoffpreise. Mitglieder versammelten sich unter anderem in Quezon City. Laut GMA News verlangen die Fahrer unter anderem eine Aussetzung von Treibstoffsteuern, besser zugängliche Subventionen und eine Überprüfung der Ölmarktpolitik. Die Benzinpreise waren zuvor innerhalb einer Woche um 4,69 Pesos pro Liter, Diesel um 5,18 Pesos gestiegen.
Portugal
Rund 80 Menschen demonstrierten am 12. September in Espinho gegen höhere Kraftstoffpreise und die steigenden Lebenshaltungskosten. Laut der Nachrichtenagentur Lusa über Renascença begann die Aktion mit einer langsamen Autokolonne von Santa Maria da Feira nach Espinho, anschließend marschierten die Teilnehmer zu Fuß weiter. Die Organisatoren forderten von Premierminister Luís Montenegro Maßnahmen gegen die Preissteigerungen.
Sri Lanka
Sri Lanka kämpft derzeit mit Engpässen bei mehreren privaten Kraftstoffanbietern. Energieminister Anura Karunathilaka erklärte laut Daily Mirror, die Regierung prüfe bis Ende September eine Anpassung der Kraftstoffpreise. Private Anbieter argumentieren, dass sie wegen höherer Weltmarkt- und Transportkosten unter den gegenwärtigen Bedingungen teilweise nicht mehr kostendeckend arbeiten können. Auch eine staatliche Subvention wird geprüft.
Sudan
Im Sudan herrscht eine akute Kraftstoffkrise. Laut Sudan Tribune bildeten sich Mitte September lange Warteschlangen vor Tankstellen in Khartum und anderen Landesteilen. In Kassala stieg der Benzinpreis um mehr als 20 Prozent auf 8.048 sudanesische Pfund pro Liter. Die Regierung organisiert zusätzliche Treibstofflieferungen nach Khartum, um die Engpässe zu lindern.
Syrien
Syrien erlebt derzeit besonders weit verbreitete Proteste gegen Kraftstoffpreise. Diesel verteuerte sich um rund 40 Prozent, Benzin um knapp 30 Prozent. Demonstranten blockierten Straßen, verbrannten Reifen und forderten die Rücknahme der Erhöhungen. Die Proteste erfassten unter anderem Hasaka, Raqqa sowie Teile von Aleppo und Idlib.
Auch am 15. September gingen die Aktionen weiter. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es Proteste in Qamishli und weiteren Orten der Provinz Hasaka. Bei Tell Tamer blieb die internationale Straße M4 bereits den dritten Tag in Folge aus Protest gegen die Kraftstoffpreise blockiert.
Vietnam
Fahrdienst-Fahrer des in Singapur ansässigen Unternehmens Grab riefen für den 12. und 13. September zu einem zweitägigen Boykott der App auf. Hauptgrund waren gestiegene Plattformgebühren und sinkende Nettoeinkommen. Laut Reuters erklärten Fahrer, dass sie aus ihren verbliebenen Einnahmen zusätzlich Benzin, Wartung und Wertverlust ihrer Fahrzeuge bezahlen müssten. Die Abzüge durch Grab könnten nach Angaben der Fahrer inzwischen bis zu 50 Prozent des Fahrpreises erreichen.
