Teures Wohnen: Studenten-Proteste in Griechenland

Studenten haben vor dem Parlament in Athen Zelte aufgestellt und am Finanzministerium gegen hohe Mieten und steigende Lebenshaltungskosten demonstriert.

Zelte vor dem Parlament in Athen. (Screenshot via Youtube)
Zelte vor dem Parlament in Athen. (Screenshot via Youtube)

Mitglieder mehrerer Studentenverbände haben den Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament in Athen für einen Zeltprotest genutzt. Auf einem Transparent stand: „Studieren oder überleben?“ Als Teilnehmer mit dem Banner zum Parlament ziehen wollten, versperrten ihnen Polizeieinheiten zunächst den Weg. Nach Gesprächen durften sie passieren. Zu Ausschreitungen kam es nach Angaben von To Vima dabei nicht.

Die Demonstranten zogen außerdem zum Finanzministerium und befestigten ihre Forderungen am Eingang. Neben niedrigeren Wohnkosten verlangen sie kostenlose Verpflegung, kostenlose Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mehr staatliche Mittel für die Hochschulen. Nach Angaben der Studentenverbände können manche Studienanfänger ihren Studienplatz nicht antreten, weil sie den Lebensunterhalt am Hochschulort nicht finanzieren können, wie aus den von ERT dokumentierten Aussagen hervorgeht.

Mehrere Hundert Euro für kleine Wohnungen

Eine Studentenvertreterin nannte gegenüber ERT Monatsmieten von 500 bis 650 Euro für Einzimmerwohnungen und Studios. Eine weitere Teilnehmerin berichtete von 400 Euro für eine Wohnung mit 25 Quadratmetern. Hinzu kämen die Ausgaben für Strom und Lebensmittel. Es handelt sich um Mietbeispiele der Protestierenden, nicht um Durchschnittswerte.

Auch die Angebotsdaten des Immobilienportals Spitogatos zeigen einen weiteren Preisanstieg: Die durchschnittlich verlangten Mieten für Studentenwohnungen lagen im zweiten Quartal 2026 landesweit 5,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Stadtgebiet von Athen betrug der Anstieg 6,6 Prozent. Dort wurden durchschnittlich 13,30 Euro je Quadratmeter verlangt. Die Auswertung erfasst inserierte Angebote, nicht tatsächlich abgeschlossene Mietverträge.

1.500 Euro Wohnbeihilfe im Jahr

Die staatliche Wohnbeihilfe beträgt für anspruchsberechtigte Studenten in Athen und Thessaloniki grundsätzlich 1.500 Euro jährlich. Auf zwölf Monate umgerechnet sind das 125 Euro. Bei gemeinsamer Unterbringung mit einem weiteren Studenten steigt der Jahresbetrag auf 2.000 Euro. Außerhalb der beiden Städte werden grundsätzlich 2.000 Euro beziehungsweise 2.500 Euro bei gemeinsamer Unterbringung gezahlt. Das geht aus dem staatlichen Wohnungsportal hervor.

Die Unterstützung ist an Einkommens-, Wohnungs- und Studienvoraussetzungen gebunden. Nach dem ersten Studienjahr müssen Antragsteller unter anderem mindestens die Hälfte der vorgesehenen Lehrveranstaltungen des betreffenden Studienjahres erfolgreich abgeschlossen haben. Die Studentenverbände verlangen höhere Beihilfen, höhere Einkommensgrenzen und den Wegfall der Leistungsvoraussetzungen. Außerdem fordern sie nach To Vima Obergrenzen für die Mieten.

Mehr Wohnheimplätze und Unterkünfte für Studienanfänger

Ein konkretes Beispiel für fehlende Unterkünfte ist die Universität Westattika: Sie verfügt nach eigenen Angaben über keine eigenen Studentenwohnheime. Nina Nifakou, eine Studentenvertreterin der Hochschule, berichtete im Zusammenhang mit dem Protest von Monatsmieten von 600 Euro für ein Studio. Neben der Miete müssten Studenten auch Verpflegung und Verbrauchsmaterialien für das Studium bezahlen, erklärte sie gegenüber der von To Vima zitierten Nachrichtenagentur Orange Press.

Die Verbände verlangen den Neubau und die Sanierung öffentlicher Wohnheime sowie die Nutzung staatlicher Immobilien als kostenlose Studentenunterkünfte. Studienanfänger, die sich keine Wohnung leisten können, sollen nach ihren bei To Vima veröffentlichten Forderungen nötigenfalls in Hotels untergebracht werden. Weitere Forderungen betreffen Preisobergrenzen für Strom und Kraftstoffe sowie die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf lebensnotwendige Waren.

Das Bildungsministerium hatte bereits vor den Protesten angekündigt, Wohnheime zu renovieren und zusätzliche Unterkünfte zu schaffen. Nach seiner Darstellung soll der gedeckte Anteil des studentischen Wohnbedarfs bis 2030 von sieben auf 15 Prozent steigen.

Zuletzt war es in Frankreich und Belgien zu Protesten gegen die hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten gekommen.

About WNM Redaktion 602 Articles
Die Artikel des World News Monitor (WNM) werden von Redakteuren recherchiert und geschrieben. Die Technologie von NewsTech hilft beim Auffinden von Themen und bei der Vertiefung der Recherche. Vor jeder Veröffentlichung erfolgt eine finale Qualitätskontrolle durch einen Redakteur.