Die staatliche chinesische Global Times berichtet über einen neuen Fördermeilenstein im Fuman-Ölfeld am nördlichen Rand der Taklimakan-Wüste in Xinjiang. Nach Angaben des staatlichen Energiekonzerns China National Petroleum Corporation (CNPC) wurden aus Lagerstätten in mehr als 6.000 Metern Tiefe bislang 20,36 Millionen Tonnen Rohöl und 8,15 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Umgerechnet entspreche dies einem Öl- und Gasäquivalent von mehr als 26,86 Millionen Tonnen.
Zugleich meldet die Zeitung einen technischen Fortschritt bei der Erkundung noch tiefer liegender Lagerstätten. Ingenieure hätten am Rand der Taklimakan-Wüste aus 8.080 Metern Tiefe Gesteinskerne geborgen, die rund 500 Millionen Jahre alt seien. Nach Angaben von CNPC sollen die Proben helfen, das Potenzial für Öl- und Gasvorkommen unterhalb von 8.000 Metern sowie Mächtigkeit und Reife der entsprechenden Lagerstätten genauer zu bestimmen.
CNPC hat die Förderung im Fuman-Gebiet in den vergangenen Jahren stark ausgeweitet. Nach den veröffentlichten Angaben wurden dort inzwischen 485 ultratiefe Bohrungen niedergebracht. 133 dieser Bohrungen hätten jeweils mehr als 100.000 Tonnen Öl und Gas gefördert, 464 jeweils mehr als 10.000 Tonnen. Das Tarim-Becken gilt für China als eines der wichtigsten Gebiete für die weitere Erschließung von Öl- und Gasreserven. Nach chinesischen Angaben wurden dort mehr als fünf Milliarden Tonnen Öl- und Gasreserven nachgewiesen; mehr als die Hälfte davon befindet sich in Tiefen von über 6.000 Metern.
Der Ausbau der Förderung findet allerdings in einer Region statt, deren Menschenrechtssituation seit Jahren international kritisiert wird. Amnesty International kommt auf Grundlage seiner Untersuchungen zu dem Schluss, dass die chinesischen Behörden in Xinjiang unter anderem Inhaftierung, Folter und Verfolgung begangen haben, die nach Einschätzung der Organisation Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Amnesty dokumentiert zudem Fälle, in denen die Behandlung ehemaliger Internierter Merkmale von Zwangsarbeit aufwies, darunter fehlende Freiwilligkeit, die Drohung erneuter Inhaftierung, Bewegungseinschränkungen und Einschüchterung. Auch 2025 berichtete die Organisation, dass wesentliche repressive Strukturen in der Region fortbestünden.
Human Rights Watch dokumentiert ebenfalls staatlich organisierte Arbeitsprogramme in Xinjiang, bei denen Uiguren und Angehörige anderer turksprachiger muslimischer Minderheiten nach Einschätzung der Organisation unter Zwang in Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden können. Von besonderer Relevanz für den Energiesektor ist eine von Human Rights Watch zitierte chinesische Regierungsrichtlinie: Darin wurden bereits 2014 Öl und Gas, Kohle, Stromerzeugung und Kohlechemie ausdrücklich als Branchen genannt, in die Arbeitskräfte aus dem südlichen Xinjiang vermittelt werden sollten. Human Rights Watch weist zugleich darauf hin, dass wegen der staatlichen Zugangsbeschränkungen unabhängige Untersuchungen der konkreten Arbeitsbedingungen in Xinjiang vielfach nicht möglich sind.
Für das Fuman-Ölfeld selbst oder die nun gemeldete Bohrung in mehr als 8.000 Metern Tiefe liegt jedoch kein Beleg dafür vor, dass dort Zwangsarbeit eingesetzt wurde. Auch eine spezifische Stellungnahme von Amnesty International oder Human Rights Watch zum jüngsten Fördermeilenstein des Fuman-Ölfelds ist bislang nicht bekannt. Die Menschenrechtsberichte liefern damit einen relevanten regionalen und sektoralen Kontext, erlauben aber keine direkte Zuschreibung entsprechender Verstöße zu diesem konkreten Projekt.
