Frankreich und Großbritannien simulieren erstmals gemeinsam Atomangriff

Bei der Übung „Rummy“ begleiteten britische Typhoon-Kampfjets französische Rafale über dem Mittelmeer. Künftig will sich auch Deutschland mit konventionellen Kräften an französischen Nuklearübungen beteiligen.

Französische Rafale-Kampfflugzeuge des Geschwaders 1/4 ‚Gascogne‘ aus Saint-Dizier bei einem Formationsflug über Frankreich. Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Alexander Cook
Französische Rafale-Kampfflugzeuge des Geschwaders 1/4 ‚Gascogne‘ aus Saint-Dizier bei einem Formationsflug über Frankreich. Foto: U.S. Air Force/Master Sgt. Alexander Cook

Frankreich und Großbritannien haben erstmals gemeinsam eine Luftwaffenübung mit der Simulation eines Atomangriffs abgehalten. Bei dem Manöver mit dem Codenamen „Rummy“ begleiteten britische Typhoon-Kampfjets der Royal Air Force französische Rafale der strategischen Luftstreitkräfte bei einem simulierten nuklearen Einsatz über dem Mittelmeer. Das französische Verteidigungsministerium bezeichnete das Manöver am Freitag als erstes gemeinsames Nuklearmanöver dieser Art und somit als „historisch“.

Die französischen Flugzeuge waren vom Luftwaffenstützpunkt Saint-Dizier im Nordosten Frankreichs gestartet. Britische Typhoon begleiteten sie anschließend bei dem Übungseinsatz. Auch das britische Militärmedium Forces News berichtet, dass die Flugzeuge über dem Mittelmeer einen nuklearen Angriff nachstellten.

Echte Atomwaffen kamen bei dem Manöver nach französischen Angaben nicht zum Einsatz. Auch ein tatsächlicher Abschuss eines nuklearfähigen Flugkörpers ist bislang nicht dokumentiert. Veröffentlicht wurde lediglich, dass ein nuklearer Angriff simuliert wurde. Wo sich das angenommene Ziel befand, teilten die Streitkräfte nicht mit.

Rafale können ASMPA-R tragen

Die französischen Rafale der strategischen Luftstreitkräfte können den nuklearfähigen Marschflugkörper ASMPA-R einsetzen. Die Bezeichnung steht für „air-sol moyenne portée amélioré rénové“. Das System gehört zur luftgestützten Komponente der französischen nuklearen Abschreckung.

Ob bei „Rummy“ tatsächlich ein ASMPA-R oder eine inerte Trainingsversion mitgeführt wurde, geht aus den bislang veröffentlichten französischen und britischen Angaben nicht hervor. Belegt ist lediglich die Simulation eines nuklearen Angriffs. Entsprechend wäre die Aussage, bei der Übung sei ein ASMPA-R abgefeuert worden, derzeit nicht durch öffentlich zugängliche Angaben gedeckt.

Auch die britischen Typhoon hatten bei diesem Manöver keine eigene nukleare Rolle. Forces News bezeichnet sie ausdrücklich als nicht nuklearfähige Begleitflugzeuge.

Engere britisch-französische Nuklearkooperation

Grundlage der engeren Zusammenarbeit ist die sogenannte Northwood-Erklärung vom 10. Juli 2025. Darin hielten Paris und London fest, dass die Nuklearstreitkräfte beider Staaten unabhängig bleiben, aber koordiniert werden können. Die französische Präsidentschaft veröffentlichte die Vereinbarung über den Élysée-Palast.

Auch die britische Regierung erklärt in ihrer Northwood-Erklärung, die Nuklearstreitkräfte beider Länder seien unabhängig, könnten jedoch koordiniert werden. Paris und London vereinbarten zudem die Einrichtung einer gemeinsamen Steuerungsgruppe für Nuklearpolitik, Fähigkeiten und Operationen.

Die Übung „Rummy“ stellt damit einen praktischen Schritt bei der Umsetzung dieser Kooperation dar. Erstmals nahmen britische Typhoon unmittelbar an einer Übung der französischen luftgestützten Nuklearstreitkräfte teil.

Auch Deutschland soll sich beteiligen

Künftig soll sich auch Deutschland an französischen Nuklearübungen beteiligen – allerdings mit konventionellen Kräften. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte nach einem deutsch-französischen Ministerrat, Deutschland werde „noch in diesem Jahr“ konventionelle Kräfte an einer nuklearen Übung der französischen Streitkräfte teilnehmen lassen. Das geht aus dem Wortlaut der Bundesregierung hervor.

Die Bundesregierung bestätigte anschließend nochmals, dass eine Beteiligung der Bundeswehr mit konventionellen Kräften in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorgesehen sei. Umfang und konkrete Ausgestaltung würden noch geprüft, erklärte ein Regierungssprecher bei einer Regierungspressekonferenz.

Merz betonte zugleich, diese Zusammenarbeit solle die bestehende nukleare Teilhabe Deutschlands innerhalb der NATO nicht ersetzen, sondern ergänzen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellte klar, dass Deutschland damit nicht an der Finanzierung oder Kontrolle des französischen Nukleararsenals beteiligt werde.

Welche deutschen Einheiten oder Flugzeuge bei einer solchen Übung eingesetzt werden und welche konkreten Aufgaben sie übernehmen sollen, ist bislang nicht öffentlich festgelegt. Die Bundesregierung erklärte, Details würden erst mit fortschreitender französischer Planung bekanntgegeben.

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