Inflation in Europa steigt

Frankreich, Italien und auch Deutschland müssen auf weiter steigende Verbraucherpreise einstellen.

Die Inflation in Europa zieht wieder an. In Frankreich und Italien stiegen die Verbraucherpreise im September stärker als erwartet. Spanien hatte bereits am Vortag einen deutlichen Anstieg gemeldet. Daten aus Deutschland deuten ebenfalls auf eine höhere Inflationsrate hin.

In Frankreich stiegen die Preise im Jahresvergleich um 3,4 Prozent, so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. In Italien lag die Inflation bei 4,1 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 2023. Spanien meldete 5 Prozent, den stärksten Anstieg seit mehr als drei Jahren. Damit liegt die spanische Rate mehr als doppelt so hoch wie das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent.

Für Deutschland weisen die bisher veröffentlichten Regionaldaten laut Bloomberg auf einen deutlichen Anstieg der nationalen Inflationsrate hin.

Haupttreiber sind die Energiepreise. Die Kosten für Öl und Erdgas sind infolge des seit sieben Monaten andauernden Konflikts im Nahen Osten gestiegen und wirken sich zunehmend auf Europas Volkswirtschaften aus. Regierungen unterstützen Unternehmen und Haushalte, die mit höheren Energierechnungen konfrontiert sind.

In Frankreich lagen die Energiepreise im September 21,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch andere Bereiche zeigen höheren Preisdruck. Die Inflation bei Dienstleistungen stieg von 1,9 auf 2,2 Prozent. Bei Lebensmitteln erhöhte sie sich von 1,1 auf 1,5 Prozent, unter anderem wegen höherer Preise für frische Produkte nach Hitzewellen.

Bloomberg Economics sieht den französischen Inflationsanstieg vor allem durch höhere Preise für Kraftstoffe und Gas getrieben. Auch im Transportsektor nehme der Preisdruck zu. Der zugrunde liegende Inflationsdruck bleibe jedoch gering, da das französische Wachstum deutlich unter seinem Potenzial liege.

Frankreich hatte zuletzt niedrigere Inflationsraten als viele andere europäische Länder. Gründe sind unter anderem der hohe Anteil der Kernenergie an der Stromversorgung sowie eine schwache Wirtschaft, belastet durch Hitzewellen und Unsicherheit über Politik und Haushalt.

Die neuen Daten erhöhen den Druck auf die EZB. Sie hat die Zinsen bislang zweimal angehoben, auf 2,5 Prozent. An den Märkten werden für die kommenden zwölf Monate fast vier weitere Zinsschritte um jeweils 0,25 Prozentpunkte eingepreist.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach am Montag von einer „maßvollen Reaktion“, soweit diese nötig sei, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. Zugleich warnte sie, dass der weltweite Ausverkauf an den Anleihemärkten zwar den Preisdruck dämpfen, aber auch das Wachstum belasten könne.

Am Freitag veröffentlicht Eurostat die Inflationsdaten für die Eurozone mit 21 Mitgliedstaaten. Ökonomen rechnen mit einer Teuerungsrate von 3,7 Prozent. Das wäre der höchste Stand seit drei Jahren.

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