40 Prozent der Befragten in der Ukraine würden bei einer deutlichen Verschlechterung der Lebensbedingungen einen Ortswechsel erwägen.
40 Prozent der Befragten würden einen Ortswechsel in Betracht ziehen, wenn sich die Lebensbedingungen an ihrem Wohnort deutlich verschlechtern. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Forschungsunternehmens Gradus hervor. Sollte es zu einem Umzug kommen, würde fast jeder Zweite eine vorübergehende Umsiedlung innerhalb der Ukraine erwägen – entweder in der Nähe des bisherigen Wohnortes oder in einer anderen Region. Rund jeder Fünfte nennt das Ausland als mögliche Option.
Die möglichen neuen Ortswechsel träfen auf eine bereits große Fluchtbewegung. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR lebten Anfang 2026 mehr als 5,9 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in anderen Ländern. Der Großteil hält sich in Europa auf.
„Es gibt eine wichtige Veränderung darin, wie die Ukrainer auf den kommenden Winter blicken“, sagt Evgeniya Blyznyuk, Soziologin, Gründerin und CEO von Gradus. Widerstandsfähigkeit werde zunehmend weniger als die Fähigkeit verstanden, jede Belastung unbegrenzt auszuhalten. Die Menschen prüften vielmehr, ob sie unter instabilen Bedingungen einen grundlegenden Lebensstandard aufrechterhalten könnten, wie gut sie selbst vorbereitet seien und ob ihre Stadt oder Gemeinde die notwendigen Bedingungen bieten könne. Die Menschen gerieten wegen möglicher Schwierigkeiten nicht in Panik, so Blyznyuk, verließen sich aber auch nicht darauf, dass sich die Probleme von selbst lösen würden. Sie bewerteten Risiken und bereiteten Alternativen vor.
Nur jeder Fünfte erwägt das Ausland
35 Prozent der Befragten erklärten, auch bei einer deutlichen Verschlechterung der Bedingungen keinen Umzug zu planen. Als größtes Versorgungsrisiko für den Winter nannten 69 Prozent länger anhaltende Stromausfälle. 58 Prozent verwiesen auf mögliche Probleme bei der Wasserversorgung, 48 Prozent auf Ausfälle der Heizung. Wichtigster möglicher Auslöser für einen Ortswechsel ist laut Gradus die Sicherheitslage.
42 Prozent der Befragten leben demnach in Haushalten, die von kommunalen Versorgungsnetzen abhängig sind und nicht über die notwendige Ausstattung für eine unabhängige Strom- oder Wärmeversorgung beziehungsweise ausreichende Wasserreserven verfügen. Etwa jeder zehnte Haushalt bezeichnet sich als vollständig autonom.
Für die Erhebung befragte Gradus vom 4. bis 7. September 2026 insgesamt 1.000 Menschen im Alter von 18 bis 60 Jahren in ukrainischen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern. Besetzte Gebiete und Regionen mit aktiven Kampfhandlungen waren nicht Teil der Stichprobe.
