Präsident des World Jewish Congress warnt Isarelis vor der Wahl Netanjahus

Ronald Lauder sagt, unter Benjamin Netanjahu sei Israel - einst eine echte Demokratie - zu einer „Bananenrepublik“ verkommen.

Ronald Lauder.(Screenshot: WJC via YouTube)
Ronald Lauder.(Screenshot: WJC via YouTube)

Ronald Lauder, ein langjähriger Vertrauter von Premierminister Benjamin Netanjahu und derzeitiger Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses, warnte die Israelis am Freitag vor einer Wiederwahl des Premierministers. „Ich habe 20, 30 Jahre lang geschwiegen“, sagte der Milliardär und Philanthrop in einem Interview mit der Tageszeitung Haaretz. „Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders machten, war seine echte Demokratie. Was wir jetzt sehen, erinnert eher an eine Bananenrepublik.“ Wenn Netanjahu gewählt würde, würde Israel eine schwere Niederlage erleiden.  Der ehemalige US-Botschafter in Österreich warf Netanjahu in dem Interview vor, ein „Diktator – eine Ein-Mann-Show“ zu sein. Er argumentierte, der Premierminister handle nicht mehr nach demokratischen Normen.

Mit Radikalen in der Regierung ist „Israel verloren“

Lauder sagte, der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich hätten Israels Ansehen geschadet, und warf Netanjahu vor, dies zugelassen zu haben. „Wenn die Parteien von Ben Gvir und Smotrich künftig eine Rolle in der Regierung spielen, ist Israel verloren“, sagte er mit Blick auf die rechtsextremen Parteien Otzma Yehudit und Religiöser Zionismus, die in Umfragen jeweils etwa acht Sitze erreichen.

Lauder sagte zu Haaretz: „Israel befindet sich heute in einer sehr, sehr schwierigen Lage. Schwieriger, als ihnen bewusst ist. In den letzten 20 Jahren als Präsident des Jüdischen Weltkongresses habe ich europäische und andere Länder besucht, in denen es jüdische Organisationen gibt. Und in jedem dieser Länder habe ich den Premierminister oder den Präsidenten getroffen“, sagte Lauder. „Tatsache ist, dass Israel nicht nur Europa und andere Regionen, sondern auch die Juden in der Diaspora verloren hat. Ja, sie sind Israel weiterhin treu, aber sie fühlen sich nicht mehr von Israel beschützt.“

Israel verliere die US-Unterstützung

Er sagte, er sei besonders besorgt über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und den USA. Lauder, ein langjähriger Spender der Republikaner mit Kontakten bis in die höchsten Parteikreise, sagte, er glaube, Israel verliere Unterstützung auf beiden Seiten des amerikanischen politischen Spektrums.  Israel habe die Demokratische Partei verloren, und sie würde nun auch die Republikanische Partei verlieren.

Lauder sagte, er habe inzwischen alle seine Immobilien in Israel verkauft oder verschenkt, nachdem er zuvor mehrere Wochen pro Jahr in dem Land verbracht hatte.  „Ich habe keinerlei Absicht, nach Israel zurückzukehren. Absolut keine“, sagte er der Zeitung.

Geheime Gespräche mit Syrien

Lauder schildert in dem Interview auch seine Tätigkeit als Unterhändler zwischen Israel und Syrien in den 1990er-Jahren und sagte, Netanjahu habe damals zugestimmt, die Golanhöhen im Rahmen eines Friedensabkommens aufzugeben.

Laut Lauder habe Netanjahu ihn Ende der 1990er-Jahre autorisiert, geheime Verhandlungen mit der Regierung des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad zu führen. Lauder sagte Haaretz, er sei über einen Zeitraum von etwa 10 bis 15 Monaten wiederholt zwischen Israel und Syrien – und zeitweise auch dem Libanon – hin- und hergereist, um an der Ausarbeitung eines Zehn-Punkte-Rahmenplans mitzuwirken, an dem auch der damalige libanesische Premierminister Rafik Hariri beteiligt war.

Lauder sagte, Assad sei bereit gewesen, das endgültige Dokument zu unterzeichnen, und Netanjahu habe den Bedingungen, einschließlich eines israelischen Rückzugs von den Golanhöhen, zugestimmt. Netanjahu hatte zuvor bestritten, einer Aufgabe der Golanhöhen zugestimmt zu haben.

Lauder sagte, es existierten nur zwei Exemplare eines Entwurfs des endgültigen Abkommens, die sich beide in seinem Besitz befänden. Lauder gab an, dass Netanjahu das Abkommen schließlich torpediert habe. „Er hat die Politik dem Frieden vorgezogen. Er hat seine politische Zukunft über das Abkommen gestellt. Damit hat er mich verloren. Ich habe ihn danach noch gesehen, aber es war nie wieder so wie vorher. Er hat mich verraten. So ist Bibi eben“, sagte er.

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