Der KI-Entwickler Anthropic hält trotz des Ausverkaufs bei Technologie- und KI-Aktien an seinem geplanten Börsengang fest. Nach Informationen der Financial Times strebt der Claude-Entwickler weiterhin eine Notierung vor dem US-Feiertag Thanksgiving am 26. November an. Anthropic will demnach 80 bis 100 Milliarden Dollar einsammeln. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 1,25 und 1,75 Billionen Dollar, Investoren rechnen laut dem Bericht mit einem Wert von rund 1,5 Billionen Dollar. Einige Geldgeber hatten zuvor auf bis zu zwei Billionen Dollar gehofft.
Am Donnerstag brach der Nasdaq Composite um 5,5 Prozent ein. Der S&P 500 verlor 4,4 Prozent, der Dow Jones 3,4 Prozent. Nach Angaben der Financial Times wurden an den US-Börsen an diesem Handelstag rund 3,2 Billionen Dollar an Marktwert vernichtet. Besonders hart traf es Unternehmen aus dem KI-Geschäft. Nvidia verlor 9,3 Prozent, AMD 17,3 Prozent und CoreWeave 9,8 Prozent, wie AP berichtete.
KI-Aktien erholen sich teilweise
Am Freitag erholten sich einige der zuvor stark gefallenen Werte. Der Nasdaq Composite gewann 1,1 Prozent, der S&P 500 legte um 0,3 Prozent zu. Nvidia stieg um 2,8 Prozent und CoreWeave um 6,3 Prozent. Auf Wochensicht verlor der Nasdaq dennoch 3,4 Prozent.
Zu den Gründen für den Ausverkauf zählten nach Angaben von AP Sorgen über hohe Finanzierungskosten für neue Rechenzentren und möglichen politischen Widerstand gegen weitere Bauprojekte. Bereits vor den US-Zwischenwahlen standen KI-Aktien wegen der hohen Bewertungen und der gewaltigen Investitionen in Rechenzentren unter Druck.
Anthropic hat den Börsengang bereits formell eingeleitet. Das Unternehmen reichte am 26. Oktober seinen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht ein und aktualisierte ihn am 2. November. Aus der aktuellen Fassung bei der SEC geht hervor, dass Anthropic seine Klasse-A-Aktien am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT notieren lassen will. Die Zahl der angebotenen Aktien und die Preisspanne stehen noch nicht fest.
Militär und Transparenz
Der Börsengang von Anthropic wirft auch Fragen rund um Macht, Kontrolle und militärische Nutzung auf. US-Geheimdienste und das Verteidigungsministerium sollen Claude für Geheimdienstauswertung, Cyberoperationen und effektivere Waffensysteme einsetzen dürfen. Anthropic verbietet zwar vollständig autonome tödliche Angriffe, kann die Nutzung seiner Modelle in geheimen Regierungssystemen aber nur begrenzt kontrollieren. Nach dem Börsengang sollen zudem zentrale Stimmrechte bei den Gründern und dem Long-Term Benefit Trust bleiben.
