Commerzbank-Betriebsrat schreibt Brandbrief an die Belegschaft

Über 40.000 Mitarbeiter sorgen sich bei der Commerzbank um die Zukunft. Der Vorsitzende des Betriebsrat greift zu einem ungewöhnlichen Mittel.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. (Foto: Commerzbank)
Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. (Foto: Commerzbank)

Unter den Commerzbank-Mitarbeitern herrscht Verunsicherung. Angesichts der von vielen als feindlich angesehenen Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit wissen viel Mitarbeiter nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird. Sascha Uebel, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, hat nun zu einem nicht alltäglichen Mittel gegriffen. Er hat einen Offenen Brief an die gesamte Belegschaft geschrieben. Der Brief, der World News Monitor vorliegt, verfolgt den Zweck, alle Beteiligten zu ruhigem und besonnenem Vorgehen aufzurufen. Uebel schreibt, die vergangenen zwei Jahre seien keine einfache Zeit gewesen: „Wir haben gemeinsam für die Eigenständigkeit der Commerzbank gekämpft. Viele von euch haben die Diskussionen verfolgt, sich Sorgen gemacht, Fragen gestellt und trotzdem jeden Tag dafür gesorgt, dass unsere Bank funktioniert.“ Doch nun hätten sich die Rahmenbedingungen verändert: „Wir müssen uns mit einer neuen Realität auseinandersetzen. Ob uns das gefällt oder nicht: Jetzt geht es darum, das Beste für die Beschäftigten und für die Zukunft unseres Unternehmens zu erreichen.“

Keine weiteren Spekulationen über Commerzbank-Zukunft

Deshalb habe er „zuletzt bewusst versöhnliche Töne angeschlagen“. Uebel schreibt, er habe seine Überzeugungen nicht aufgegeben, sondern wolle in dieser Situation Verantwortung übernehmen. Er wendet sich „gegen immer wiederkehrende öffentliche Spekulationen über eine außerordentliche Hauptversammlung, die Absetzung des Managements oder einen schnellen Austausch des Aufsichtsrats“. Diese Diskussionen müssten aufhören: „Jede neue Schlagzeile, jede neue Spekulation und jede öffentliche Drohung sorgen bei vielen Kolleginnen und Kollegen erneut für Verunsicherung. Die Menschen fragen sich, wie es weitergeht, wer morgen noch verantwortlich ist und welchen Kurs das Unternehmen einschlägt. Das ist verständlich. Aber es ist auch belastend.“ Uebel weiter: „Wir reden hier nicht über irgendeinen abstrakten Übernahmeprozess. Wir reden über mehr als 40.000 Menschen, die jeden Tag ihre Arbeit machen, über Kundinnen und Kunden, die Stabilität erwarten, und über ein Unternehmen, das Vertrauen braucht.

Vertrauen entstehe „nicht durch Druck“. Vertrauen entstehe durch Verlässlichkeit, Respekt und klare Kommunikation. Es werde Veränderungen geben, Entscheidungen werden getroffen werden müssen: „Aber solche Prozesse müssen sauber, geordnet und mit der notwendigen Laufruhe ablaufen. Sie dürfen nicht von permanenten öffentlichen Diskussionen über Köpfe und Machtfragen begleitet werden.“

Respekt für Commerzbank-Mitarbeiter

Der Commerzbank-Betriebsratschef erwartet „deshalb von allen Beteiligten, dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden und den Menschen in diesem Unternehmen die Sicherheit geben, die sie verdienen“.

Die Beschäftigten der Commerzbank hätten in den vergangenen Jahren „Transformation, Restrukturierungen und ständigen Wandel“ mitgetragen. Sie bräuchten jetzt „keine neuen täglichen Wasserstandsmeldungen über mögliche Personalwechsel oder Aufsichtsratsumbauten. Sie brauchen Klarheit und Perspektive“.

Die Arbeitnehmervertreter würden darauf achten, dass der Prozess der Integration in die Unicredit „fair und verantwortungsvoll gestaltet wird“. Uebel wünscht sich, dass „der Weg, der vor uns liegt, mit der notwendigen Ruhe und dem gegenseitigen Respekt“ gestaltet wird: „Es geht um die Menschen in diesem Unternehmen und um die Zukunft der Commerzbank.“

Dissens mit Commerzbank-Management?

Uebel greift damit zwar nicht direkt das Management an, signalisiert jedoch, dass eine feindliche Übernahme für die Commerzbank verheerend wäre. In Gewerkschaftskreisen sieht man auch die Rolle der Bundesregierung anders als im Management. Die Bundesregierung kämpfe „hart“ für die Commerzbank. Ein Personalabbau durch den Unicredit-Chef Andrea Orcel kann nicht ohne die Zustimmung des Betriebsrats erfolgen. Uebels Brief spiegelt offenbar die Befindlichkeit in der Belegschaft wider. Es ist Kritik an Bettina Orlopps öffentlichen Äußerungen über das Verhältnis zur HVB nach einer Übernahme zu hören. Man wolle in Ruhe arbeiten, heißt es aus Mitarbeiterkreisen, und: „Wir haben den Eindruck, mit uns kann man machen, was man will. Aber mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz allein kann man keine Bank betreiben. Es braucht Mitarbeiter, die keine Angst um ihre Zukunft haben und sich auf die Kunden und das Geschäft konzentrieren können.“

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