Oracle-Rechenzentrum: Wird „Project Jupiter“ zum Fiasko?

Oracle beruft sich beim KI-Rechenzentrumsprojekt „Project Jupiter“ auf höhere Gewalt bei massiven Verzögerungen. Ein Milliardenverlust droht.

Das Rechenzentrum „Project Jupiter“ für Oracle und OpenAI entsteht im Süden von New Mexico. (Rendering: Project Jupiter)
Das Rechenzentrum „Project Jupiter“ für Oracle und OpenAI entsteht im Süden von New Mexico. (Rendering: Project Jupiter)

Wie Reuters am 24. September berichtete, hat Oracle einer Tochtergesellschaft des Investors Blue Owl eine sogenannte Force-Majeure-Mitteilung zugestellt. Betroffen ist der Rechenzentrumscampus in New Mexico, den die Blue-Owl-Tochter STACK Infrastructure entwickelt. Oracle ist als Hauptmieter vorgesehen und will dort Rechenleistung für OpenAI bereitstellen. Mit der Mitteilung will sich der Konzern gegen finanzielle Folgen möglicher Verzögerungen absichern.

Gasleitung und Genehmigungen bremsen das Projekt

Der Campus soll seinen Strom aus erdgasbetriebenen Brennstoffzellen beziehen. Doch die dafür benötigte Green-Chile-Gaspipeline verspätet sich: Nach wiederholt verweigerten Wegerechten über Land des Bundesstaates wurde ihre geplante Inbetriebnahme vom 15. August 2026 auf den 1. Februar 2027 verschoben, wie EnergyNow unter Berufung auf eine Mitteilung des Pipelinebetreibers berichtet.

Auch um Luftschutzgenehmigungen und Wasser für die Bauarbeiten gab es Rechtsstreitigkeiten. Wie Source NM berichtet, hob der Oberste Gerichtshof von New Mexico am 17. September allerdings vorläufige Sperren auf, sodass die betreffenden Verfahren weitergehen können.

Zum Zeitplan gibt es widersprüchliche Angaben: Reuters berichtet unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person von etwa einem Jahr Verzögerung. Oracle erklärte dagegen am 24. September, das Projekt liege weiterhin im vorgesehenen Zeitplan.

Milliardenabschlag ist noch kein Kreditausfall

Laut Financial Times nannten Konsortialbanken am 18. September für die Projektkredite über insgesamt 18 Milliarden Dollar Preise von 89 bis 91 Cent je Dollar Nennwert. Auf das gesamte Kreditvolumen übertragen entspräche das rechnerisch einem Abschlag von 1,62 bis 1,98 Milliarden Dollar. Das ist kein bestätigter endgültiger Verlust. Weil der Weiterverkauf stockt, müssen Banken wie Santander und Jefferies mehr Kredite selbst behalten als geplant.

Oracle bleibt nach Reuters-Angaben zahlungspflichtig

Für die Geldgeber bedeutet höhere Gewalt nach den vorliegenden Informationen keinen vollständigen Ausstieg Oracles. Einer mit dem Vertrag vertrauten Quelle von Reuters zufolge kann Oracle den Mietvertrag nicht kündigen und muss weiterhin die Finanzierungskosten tragen. Verlängert würde die Phase niedrigerer Entwicklungsmieten; die höheren Mieten begännen später, blieben aber für die ursprünglich vereinbarte Dauer vorgesehen.

Blue Owl hat demnach rund drei Milliarden Dollar Eigenkapital investiert und betont, die finanziellen Verpflichtungen seien unverändert. Die Geldgeber müssen somit mit Verzögerungen und Bewertungsrisiken umgehen – ein vollständiger Verlust ihres eingesetzten Geldes ist bislang nicht belegt.

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