Ukraine fliegt massiven Drohnen-Angriff auf Moskau

Bei einem Angriff auf die russische Hauptstadt wurden offenbar eine wichtige Raffinerie, ein Heizkraftwerk sowie Wohnhäuser getroffen.

Ein Screenshot aus einem Video, das angeblich die Moskauer Ölraffinerie im Stadtteil Kapotnja der Hauptstadt nach mehreren Drohnenangriffen in Flammen zeigt (Telegram, via Kyiv Independent)
Ein Screenshot aus einem Video, das angeblich die Moskauer Ölraffinerie im Stadtteil Kapotnja der Hauptstadt nach mehreren Drohnenangriffen in Flammen zeigt (Telegram, via Kyiv Independent)

In Moskau wurden seit Samstag bei Angriffen mit hunderten Drohnen zwei Menschen getötet, etwa 20 verletzt und die Raffinerie Kapotnja getroffen. Der Gouverneur der Hauptstadtregion, Andrej Worobjow, teilte am Sonntag mit, eine 44-jährige Frau und ein älterer Mann seien bei Angriffen an zwei verschiedenen Orten im Großraum Moskau getötet worden. Eine Drohne habe zudem ein Feuer in einem 21-stöckigen Gebäude ausgelöst, 400 Menschen seien evakuiert worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Onlinedienst X: „Unsere Langstrecken-Reaktionen hatten vergangene Nacht sehr bedeutende Auswirkungen in der Region Moskau“. Selenskyj erklärte, ukrainische Streitkräfte hätten neben Drohnen auch Flamingo-Raketen auf Russland abgefeuert.

Mehrere in sozialen Medien veröffentlichte Videos zeigen laut dem Kyiv Independent angeblich die Moskauer Ölraffinerie im Bezirk Kapotnja, die nach mehreren Drohnenangriffen in Flammen steht. „Eine Analyse von Augenzeugenaufnahmen durch Astra deutet darauf hin, dass die Moskauer Raffinerie zu den Zielen des Angriffs gehörte“, berichtete das unabhängige russische Nachrichtenportal Astra.

Die Raffinerie Kapotnja ist laut der russischen Exilzeitung Meduza eine der größten Raffinerien Russlands und ein wichtiger Treibstofflieferant für Moskau sowie die umliegende Region. Sie wurde bereits mehrfach von ukrainischen Drohnen angegriffen. Das Nachrichtenportal Astra berichtete unter Berufung auf Fotos und Videos von Augenzeugen, dass einer der Treffer auf die Raffinerie möglicherweise von einem russischen Pantsir-Luftverteidigungssystem verursacht wurde.

Schäden an Raffinerien sind aktuell besonders kritisch, weil wegen des Iran-Kriegs eine weltweite Verknappung droht.

Bereits nach dem Besuch der US-Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew hatte sich abgezeichnet, dass die Ukraine für den Herbst eine Offensive mit Langstrecken-Waffen durchführen könnte.  Insbesondere sollten russische Heizkraftwerke angegriffen werden. Am Sonntag wurde laut der russischen Exilzeitung Meduza Blockheizkraftwerk Nr. 22 in Dserschinski bei Moskau getroffen. Das Kraftwerk liegt etwa zwei Kilometer von der Moskauer Ölraffinerie entfernt und versorgt den Südosten Moskaus, Dserschinski und einen Teil des Bezirks Ljubertsy mit Strom und Wärme. Die Behörden haben keinen Angriff auf das Werk gemeldet.

Der Drohnen-Angriff erfolgte am letzten Tag der Wahlen zur Staatsduma in Russland. Auf der Website des Moskauer Bürgermeisters und der Stadtverwaltung hieß es, der dritte Wahltag in der Stadt sei „normal verlaufen“.

Laut Worobjow stürzte eine Drohne in Sofjino auf ein Wohnhaus. Dabei wurde eine Frau getötet und fünf weitere Personen, darunter zwei Kinder, verletzt. In Ramenskoje verursachten herabfallende Drohnenteile einen Brand auf dem Dach eines 21-stöckigen Wohnhauses, woraufhin rund 400 Menschen evakuiert wurden. In einem anderen Bezirk kam ein Mann ums Leben, nachdem eine Drohne in ein Privathaus eingeschlagen war, wie russische Behörden mitteilten.

Die russischen Luftfahrtbehörden schränkten den Betrieb an den Flughäfen Domodedowo und Schukowski bei Moskau über Nacht aus Sicherheitsgründen vorübergehend ein.

Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurden die Drohnen über den Gebieten Belgorod, Kursk, Brjansk, Kaluga, Orjol, Tula, Rjasan, Nischni Nowgorod und Wladimir, der Region Moskau, der Region Krasnodar, der besetzten Krim und dem Schwarzen Meer abgefangen.

Die Exilzeitung Meduza schreibt, die russische Luftverteidigung habe den schwersten Drohnenangriff der Ukraine auf Moskau abgewehrt. Dies habe Bürgermeister Sergej Sobjanin. Demnach seien Samstag „mehr als 1.600“ Drohnen „über alle Verteidigungslinien hinweg abgewehrt“ worden, darunter 450, die kurz vor Moskau abgeschossen wurden, sagte er.

Nach dem Angriff geriet auch ein Lagerhaus in Sofyino in Brand. Laut Astra handelte es sich um den Logistikkomplex der Firma Sovremennye Skladskiye Tekhnologii – sechs Gebäude mit einer Gesamtfläche von 290.000 Quadratmetern. Ein Pantsir-System sei 500 Meter vom Einsatzort entfernt stationiert, so Astra.

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