Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh schreibt auf Substack über die kommende „Trump-Depression“ und zeichnet ein düsteres Bild: Ein alter Freund habe ihm im Sommer einen Schrecken eingejagt: „Er kennt die Öl- und Finanzwelt und neigt nicht zu Übertreibungen. Doch nun sagte er mir: Wenn sich nicht sofort etwas ändere, würden die USA bald in eine Rezession geraten, die so schlimm wie die Große Depression oder noch schlimmer sein könnte. Trump spiele mit der Zukunft des Landes, indem er immer neue Schulden mache und seinen Nachfolgern einen kaum noch zu bewältigenden Schuldenberg hinterlasse.“
Hershs Prognose ist drastisch. Doch am Immobilienmarkt sind erste Anzeichen einer Verschärfung der Lage zu erkennen.
Die Zinsen für amerikanische Hauskäufer sind auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gestiegen. Für Hypotheken mit 30 Jahren Laufzeit werden im Schnitt 6,71 Prozent verlangt, berichtet AP unter Berufung auf Freddie Mac. Vor einem Jahr waren es 6,50 Prozent.
Viele Eigentümer zahlen dagegen weiter die niedrigen Zinsen aus den Jahren vor dem Anstieg. Sie verkaufen nicht, weil sie bei einem neuen Haus einen teureren Kredit aufnehmen müssten. Vor allem junge Familien tun sich schwer, ein Hau zu finden. Nach AP liegen die Verkäufe bestehender Häuser auf einem 30-Jahres-Tief.
Schulden treiben die Zinsen
Die Hypothekenzinsen hängen in den USA eng mit den Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zusammen. Sie lagen zuletzt bei rund 4,7 Prozent. Höhere Ölpreise und steigende Inflation haben die Renditen weiter nach oben getrieben, so die AP.
Die US-Staatsschulden haben inzwischen 40 Billionen Dollar erreicht. Die Financial Times berichtete im August von langfristigen US-Renditen auf einem 19-Jahres-Hoch. Anleger reagierten auf die hohe staatliche Kreditaufnahme und die Inflationsfolgen des Iran-Krieges.
Der KI-Boom treibt die Schuldenspirale an. Microsoft, Meta, Amazon, Google und andere Tech-Konzerne investieren Milliarden in Rechenzentren, Chips und Stromversorgung. Laut New York Times erhöht die dafür notwendige Kreditaufnahme den Kapitalbedarf am Anleihemarkt zusätzlich.
Gleichzeitig stützen gerade diese Investitionen die US-Konjunktur. Die Financial Times zählt neben dem Konsum die Milliardeninvestitionen von Big Tech in KI-Infrastruktur zu den Stützen des amerikanischen Wachstums.
Viele Jobs entstehen zunächst auf den Baustellen. Danach fällt der Personalbedarf jedoch stark ab. Eine Untersuchung von Brookings von rund 1.500 Rechenzentren zeigt zwar zusätzliche Beschäftigung an den Standorten, aber deutlich weniger Stellen als häufig versprochen.
Der Arbeitsmarkt hält nur kurzfristig
Millionen Hauseigentümer sind von den höheren Hypothekenzinsen bislang abgeschirmt. Ihre alten Festzinskredite laufen weiter zu drei oder vier Prozent.
Das Risiko steigt, wenn die Leute ihre Jobs verlieren. Noch sind größere Entlassungswellen ausgeblieben. Die Schwäche zeigt sich bislang vor allem bei den Neueinstellungen.
Hershs Warnung vor einer „Trump Depression“ ist zwar nur ein mögliches Szenario. Die hohen Finanzierungskosten sind dagegen längst Realität.
Auch in Deutschland wächst der Druck
Auch in Deutschland sind Immobilienkredite deutlich teurer als in den Niedrigzinsjahren. Dazu kommen nach und nach Anschlussfinanzierungen alter Kredite.
Anders als die in den USA verbreiteten 30-jährigen Festhypotheken haben deutsche Immobilienkredite häufig eine begrenzte Zinsbindung. Die Bundesbank weist unter anderem Kredite mit Zinsbindungen von fünf bis zehn Jahren und von mehr als zehn Jahren aus.
Wer 2017 für zehn Jahre finanziert hat, braucht 2027 neue Konditionen für die Restschuld. Danach folgen weitere Kredite aus der Niedrigzinszeit. In den USA können viele Eigentümer ihre alten Festzinsen dagegen über Jahrzehnte behalten.
„Wir erwarten in diesem Herbst keine spürbare Entlastung bei den Hypothekenzinsen“, sagte Jiayi Xu, leitende Ökonomin bei Realtor, der Nachrichtenagentur AP. Für die Midterms bedeutet das: Der Gegenwind für die Republikaner wird stärker.
