BYD hat seinen Gewinn im dritten Quartal um fast 30 Prozent gesteigert. Vor allem die wachsenden Exporte halfen dem chinesischen Elektroautobauer, die schwächere Nachfrage auf seinem Heimatmarkt auszugleichen.
Der Konzern aus Shenzhen drängt aggressiv auf internationale Märkte. Seine vergleichsweise günstigen und technologisch fortschrittlichen Fahrzeuge setzen dort traditionelle Hersteller wie Volkswagen und Toyota zunehmend unter Druck.
Der Preisdruck zeigt sich auch bei den Einstiegspreisen in Deutschland. BYD bietet den vollelektrischen Dolphin Surf derzeit für 23.490 Euro an. Der Volkswagen ID.3 Neo startet bei 33.995 Euro. Toyota weist für den elektrischen Urban Cruiser auf seiner Website derzeit einen Aktionspreis von rund 29.470 Euro aus. Die Modelle unterscheiden sich bei Größe, Reichweite und Ausstattung, ein direkter Preisvergleich ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Die Zahlen zeigen aber, in welchem Preisbereich chinesische Hersteller inzwischen gegen etablierte Marken antreten.
Die Expansion ins Ausland ist für BYD im vergangenen Jahr noch wichtiger geworden. In China kämpft das Unternehmen mit intensivem Wettbewerb durch lokale Rivalen, geringeren staatlichen Subventionen für Elektroautos und strengeren Vorgaben der Regierung im Umgang mit Zulieferern.
Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht von BYD erzielte der Konzern in den drei Monaten bis Ende September einen Nettogewinn von rund 10 Milliarden Renminbi, umgerechnet etwa 1,5 Milliarden Dollar. Das waren rund 28 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um knapp 14 Prozent auf 221,5 Milliarden Renminbi. Beide Werte blieben hinter den Erwartungen von Analysten zurück.
In den ersten neun Monaten des Jahres stagnierte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr nahezu, während der Gewinn leicht zurückging. Das spiegelt eine moderate Erholung wider, nachdem die Verkäufe in China zu Jahresbeginn stark eingebrochen waren.
Die Zahlen von BYD zeigen einen breiteren Trend in der chinesischen Autoindustrie. In den ersten neun Monaten gingen die Gesamtverkäufe des Konzerns nach Unternehmensangaben gegenüber dem Vorjahr zurück, während die Ausfuhren stark zulegten.
Auch in Europa gewinnt BYD Marktanteile. Nach Daten des europäischen Branchenverbands ACEA stiegen die Neuzulassungen elektrifizierter Fahrzeuge in Europa 2026 weiter kräftig. BYD gehört zu den chinesischen Herstellern, die davon besonders stark profitieren.
Volkswagen rutscht tief in die Verlustzone
Nach Angaben von Volkswagen verbuchte der Konzern im dritten Quartal einen operativen Verlust von 5,86 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus bei 1,3 Milliarden Euro gelegen. Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro.
Das operative Ergebnis der ersten neun Monate wurde vor allem durch Sondereffekte von 8,7 Milliarden Euro belastet, davon 7,8 Milliarden Euro allein im dritten Quartal. Dazu zählen eine nicht zahlungswirksame Abschreibung von 6,4 Milliarden Euro auf den Firmenwert von Porsche sowie Wertberichtigungen von rund einer Milliarde Euro auf Vermögenswerte vollkonsolidierter Gesellschaften in China.
Neben diesen Belastungen nennt Volkswagen das schwache Marktumfeld in China, den zunehmenden weltweiten Preis- und Wettbewerbsdruck und den höheren Anteil margenschwächerer Elektrofahrzeuge als Ursachen für das schwache Ergebnis. US-Zölle belasten den Konzern ebenfalls.
In den ersten neun Monaten sank der Fahrzeugabsatz des Konzerns auf 5,9 Millionen Fahrzeuge und lag damit elf Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders stark war der Rückgang bei den chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Die operative Umsatzrendite vor Sondereffekten lag bei 3,8 Prozent.
Finanzvorstand Arno Antlitz warnte angesichts dieser Marge vor zu wenig finanziellem Spielraum für künftige Investitionen. „Von 100 Euro Umsatz bleiben damit weniger als vier Euro Gewinn. Das reicht langfristig nicht aus“, sagte Antlitz in einem von Volkswagen veröffentlichten Statement zu den Neunmonatszahlen.
Volkswagen müsse deshalb seine Ertragskraft erhöhen. Der Konzern hat nach eigenen Angaben ein Kostenprogramm von rund 31 Milliarden Euro definiert. Dazu gehören eine gestraffte Modellpalette, einfachere Strukturen, niedrigere Fahrzeug- und Gemeinkosten, effizientere Werke und eine schnellere Technologieentwicklung.
Der deutsche Konzern, zu dem Marken wie Audi, Porsche, Bentley und Lamborghini gehören, steht damit exemplarisch für den wachsenden Druck auf traditionelle europäische Autohersteller durch schwächere Geschäfte in China, hohe Kosten und neue Wettbewerber aus der Volksrepublik.
