Zehntausende junge Menschen haben am Mittwoch in Dänemark gegen geplante Einschnitte bei der staatlichen Ausbildungsförderung protestiert. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau beteiligten sich landesweit rund 40.000 Schülerinnen und Schüler an 57 Gymnasien an Protesten und Unterrichtsboykotten. In Kopenhagen zogen Schüler und Studierende vom Rathausplatz zum Parlament auf Schloss Christiansborg.
Streit um die Ausbildungsförderung
Im Zentrum der Proteste steht die sogenannte SU, die „Statens Uddannelsesstøtte“, eine staatliche Ausbildungsförderung für Schüler und Studierende. Die Regierung will die Unterstützung für junge Menschen, die noch bei ihren Eltern wohnen, stärker vom Einkommen der Eltern abhängig machen. Nach Angaben des Folketing soll die Förderung ab einem gemeinsamen Elterneinkommen von rund 420.000 dänischen Kronen schrittweise sinken. Bei mehr als 710.000 Kronen im Jahr, umgerechnet rund 95.000 Euro, soll sie ganz entfallen.
Betroffen wären damit auch volljährige Gymnasiasten und Studierende, die noch im Elternhaus leben. Nach Zahlen von Danmarks Statistik wohnen junge Menschen in Dänemark heute länger bei ihren Eltern als noch vor einigen Jahren. Unter 21-jährigen Hochschulstudierenden lebten zuletzt 17 Prozent noch zu Hause. Gerade in Kopenhagen ist Wohnraum teuer und knapp. Nach Angaben der Universität Kopenhagen kostet ein kleines Apartment monatlich bis zu rund 1.600 Euro.
Proteste vor dem Parlament
Zu den Demonstranten gehörten auch rund 200 Schülerinnen und Schüler des Frederiksborg Gymnasium in Hillerød. Sie legten nach einem Bericht der dänischen NetAvisen den Unterricht nieder und fuhren zur Kundgebung nach Kopenhagen.
Ingrid Borch Hedegaard vom Frederiksborg Gymnasium sagte der NetAvisen, die SU ermögliche ihr überhaupt den Schulbesuch, weil sie wegen ihres Asperger-Syndroms keinen Nebenjob bewältigen könne. „Meine Eltern haben nicht genug Geld, um mir Taschengeld zu geben. Wenn mir die SU genommen wird, wäre ich auf einen Job angewiesen.“
Auch Studierendenvertreter machten ihrem Ärger Luft. „Wir sind heute hier, um die Politiker wachzurütteln und gegen den Vorschlag zu protestieren, die SU für zu Hause Wohnende zu streichen und die Bedingungen für das Arbeitslosengeld nach dem Studium zu verschärfen“, sagte Julie Olesen, Vorsitzende des Studenterrats der Universität Aarhus, der Universitätszeitung Omnibus. „An der Jugend wurde seit Jahren gespart. Jetzt haben wir einfach genug.“
Die Demonstranten wenden sich neben den Änderungen bei der SU auch gegen strengere Bedingungen beim Arbeitslosengeld für Hochschulabsolventen. Die Kürzungen sind Teil des Haushaltsentwurfs für 2027. Das parlamentarische Verfahren läuft.
