Putin-Vertrauter: „Die AfD ist die Stimme des deutschen Volkes“

Kirill Dmitriew, Sonderbeauftragter Putins, überrascht mit einer Huldigung an die AfD. Doch wem galt die Botschaft wirklich?

Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)
Illustration: World News Monitor (mit Hilfe von KI erstellt)

Von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet präsentierte sich am Samstag auf X eine überraschende Allianz. Der Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Tino Chrupalla, schrieb: „Heute vor vier Jahren haben Gegner der deutschen Energiesouveränität #NordStream gesprengt. Die Lebensader der deutschen Industrie – durchtrennt. Die @AfD fordert, dass der Anschlag auf internationaler, nationaler und europäischer Ebene aufgeklärt wird. Alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Nord Stream muss repariert, geöffnet und gesichert werden!“

Gemeinsam für Nord Stream

Nur drei Stunden später antwortete einer der engsten Mitarbeiter des russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Alles wahr.“ Kirill Dmitriew, Sonderbeauftragter Putins und Chef des mächtigen Staatsfonds RDIF, fuhr fort: „Gemeinsam werden wir Nord Stream wiedereröffnen. Die AfD ist die Stimme des deutschen Volkes, die für deutsche Energiesouveränität, Wohlstand, Frieden und Zusammenarbeit kämpft.“

Unter anderen Umständen hätte sich jeder Staat eine derart unverhohlene Einmischung in seine „inneren Angelegenheiten“ verbeten. Moskau hat immer wieder westliche Politiker kritisiert, wenn diese Kommentare zu Wahlen in Russland abgaben, etwa in Fragen von Demokratie und Menschenrechten. Doch in diesem konkreten Fall blieb es bisher auffallend still: Lediglich eine russlandaffine Website sowie die liberal-transatlantischen Ruhrbarone berichteten von Dmitriews Aussagen, naturgemäß gegensätzlich.

BSW wird stärker attackiert als die AfD

Die offene Sympathie der Kreml-Führung für die AfD ist nicht neu. Auch das Thema der gemeinsamen Nord-Stream-Eröffnung wurde bereits vor einigen Tagen auf Grundlage einer Reuters-Meldung von zahlreichen Medien behandelt. Doch die Überhöhung der AfD zur „Stimme des deutschen Volkes“ bleibt bis zur Stunde ein Geheimtipp – zumindest in Deutschland. In Russland wurden Dmitriews Aussagen über die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS dagegen breit gestreut. Ironie am Rande: Genau zum Zeitpunkt des Schulterschlusses von Chrupalla und Dmitriew wurde das BSW massiv als Kreml-Vorposten attackiert – weil es mit der AfD Gespräche über eine Zusammenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern gab.

Botschaft an die Bundesregierung?

Was Kirill Dmitriew zu seiner sehr expliziten Parteinahme veranlasst hat, ist schwer zu ergründen. Der mit der Trump-Regierung bestens vernetzte Gesandte war früher, wie AfD-Chefin Alice Weidel oder der MAGA-Vordenker Steve Bannon, Investmentbanker und beherrscht daher die politische Dialektik virtuos. Er weiß, dass ein derart offensichtliches Lob der AfD schaden muss. Nachdem CDU und SPD die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern eingestandenermaßen auch wegen der Russland-Politik und wegen Nord Stream verloren haben, könnte die Aussage daher vielmehr ein Weckruf an die Bundesregierung gewesen sein. Kurz nach dem Post auf X trafen sich in New York die Außenminister Russlands und Deutschlands, Sergej Lawrow und Johann Wadephul. Von der AfD lag zu Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme zur Wiederaufnahme der diplomatischen Bemühungen vor.

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