Geldwäsche-Vorwurf: BlackRock wegen Amazonas-Abholzung unter Druck

BlackRock gerät wegen eines Fonds mit Aktien eines brasilianischen Fleischkonzerns unter Druck. Der Vorgang betrifft ausgerechnet jene deutsche Gesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Merz bis März 2020 war.

Bundeskanzler Friedrich Merz spricht am 5. November 2026 im Berliner Hotel Adlon. (Foto: Odd Andersen / AFP)
Bundeskanzler Friedrich Merz spricht am 5. November 2026 im Berliner Hotel Adlon. (Foto: Odd Andersen / AFP)

Eine internationale Koalition von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen hat in vier europäischen Ländern rechtliche Schritte gegen den Fleischproduzenten JBS und mehrere Finanz- und Beratungsunternehmen eingeleitet.

Die Beschwerde wurde am Donnerstag bei der BaFin eingereicht. Sie ist Teil von insgesamt 14 koordinierten rechtlichen Schritten in vier europäischen Staaten, wie aus der Mitteilung der Transnational Legal Coalition hervorgeht.

In Deutschland richtet sich die Beschwerde an die BaFin und gegen die BlackRock Asset Management Deutschland AG. Im Zentrum steht die Frage, ob bei einem von der Gesellschaft verwalteten Fonds mit JBS-Aktien geldwäscherechtliche Pflichten verletzt wurden. Die Vorwürfe führen von mutmaßlich illegal gerodeten Flächen im Amazonasgebiet bis in die europäische Finanzindustrie.

Die Beschwerde gehört zu insgesamt 14 koordinierten rechtlichen Schritten in Deutschland, Großbritannien, Irland und den Niederlanden. Sie richten sich nach Angaben des European Center for Constitutional and Human Rights gegen JBS sowie Banken, Investoren, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die mit dem Konzern in Verbindung stehen. Gegen die niederländische Muttergesellschaft JBS N.V. wurde Strafanzeige bei der dortigen Staatsanwaltschaft gestellt. JBS Global (UK) Limited wurde der britischen National Crime Agency und der Finanzaufsicht gemeldet. Zwölf weitere Beschwerden richten sich unter anderem gegen Barclays, Standard Chartered, Rabobank, ING, BlackRock, EY und KPMG.

In Deutschland richtet sich die Eingabe gegen die BlackRock Asset Management Deutschland AG und wurde bei der BaFin eingereicht. Die Organisationen wollen prüfen lassen, ob bei einer Anlage in JBS-Aktien geldwäscherechtliche Sorgfalts- und Meldepflichten verletzt wurden.

Amazonas-Abholzung wird zum Geldwäschefall

Der juristische Ansatz geht weit über klassische Umweltverfahren hinaus. Die neu gegründete Transnational Legal Coalition argumentiert, Rinder, die auf illegal gerodeten Flächen aufgezogen wurden, könnten nach den einschlägigen Geldwäschevorschriften als Erträge aus Straftaten gelten. Dasselbe könne für Erlöse aus ihrem Verkauf gelten.

Nach Darstellung des ECCHR müssen Finanzinstitute, Anwälte und Wirtschaftsprüfer bei Kunden und Geschäften mit erhöhtem Geldwäscherisiko verstärkte Sorgfaltsprüfungen vornehmen und Verdachtsfälle gegebenenfalls melden. Genau dort setzen die Beschwerden an. Die Organisationen wollen nicht nur den Fleischkonzern selbst ins Visier nehmen, sondern auch jene Banken, Investoren und Berater, durch deren Systeme Geld aus dem Geschäft fließt.

Die Vorwürfe stützen sich auf eine von der Koalition in Auftrag gegebene Untersuchung der Organisation AidEnvironment. Untersucht wurden 21 JBS-Schlachthöfe sowie Tausende direkte und indirekte Lieferanten im brasilianischen Amazonasgebiet. Die Analyse bringt Lieferketten von JBS zwischen 1988 und 2026 mit mehr als 6,5 Millionen Hektar entwaldeter Fläche in Verbindung. Rund 3,4 Millionen Hektar entfallen nach Angaben des ECCHR auf direkte Lieferanten, weitere rund 3,2 Millionen Hektar auf indirekte Zulieferer.

Gerade diese indirekten Lieferketten gelten als besonders schwer kontrollierbar. Rinder können während Aufzucht und Mast mehrfach zwischen Betrieben wechseln, bevor sie bei einem Schlachthof ankommen. Die Organisationen werfen JBS vor, dadurch könnten Tiere von illegal gerodeten Flächen in reguläre Lieferketten gelangt sein.

Beschwerde betrifft Fonds mit JBS-Aktien

Die Beschwerde gegen BlackRock Asset Management Deutschland betrifft einen von der Gesellschaft verwalteten Fonds, der JBS-Aktien hielt. Nach Angaben der Beschwerdeführer handelt es sich um den iShares MSCI Brazil UCITS ETF (DE), der den brasilianischen Aktienindex MSCI Brazil nachbildet. Der Fonds hielt zwischen 2018 und 2025 JBS-Aktien. Nach Angaben der Kläger flossen bis Mitte 2025 mehr als zwei Millionen Euro Dividenden aus dem Fleischkonzern in das Fondsvermögen.

Die Organisationen argumentieren, dass solche Zahlungen geldwäscherechtlich relevant sein könnten, wenn sie aus Geschäften stammten, die mit illegaler Entwaldung verbunden waren. Genau diese Konstruktion soll die BaFin nun prüfen.

BlackRock weist diese Argumentation zurück. Das Unternehmen verweist darauf, dass der Fonds lediglich den MSCI-Brazil-Index nachbilde und JBS-Aktien deshalb als Bestandteil dieses Index halte. Die daraus erzielten Dividenden seien Erträge des Fondsvermögens und keine eigenen Einnahmen der BlackRock Asset Management Deutschland AG. Eine Geschäftsbeziehung zwischen der deutschen BlackRock-Gesellschaft und JBS bestehe aus Sicht des Unternehmens dadurch nicht.

Merz führte den Aufsichtsrat der Gesellschaft

Die Beschwerde betrifft damit ausgerechnet jene deutsche BlackRock-Gesellschaft, deren Aufsichtsratsvorsitzender Friedrich Merz mehrere Jahre lang war. Merz übernahm das Amt 2016 und schied am 27. März 2020 aus dem Aufsichtsrat aus.

Seine damalige Rolle ging über einen bloßen Sitz im Kontrollgremium hinaus. Merz war zugleich Senior Advisor für BlackRock und sollte das Unternehmen nach damaligen Angaben bei Beziehungen zu wichtigen Kunden, Behörden und Regierungsstellen in Deutschland unterstützen. Seine Tätigkeit für BlackRock endete, bevor er später CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler wurde.

Merz steht nach seiner Absage für die Weltklimakonferenz COP31 in Antalya auch in der Klimapolitik unter Druck. Grüne und Klimaschützer kritisierten seine Entscheidung, dem Treffen der Staats- und Regierungschefs fernzubleiben.

JBS verweist auf eigene Kontrollen

JBS weist die Vorwürfe gegen seine Lieferketten zurück. Der Konzern erklärte gegenüber der Associated Press, ihm seien die zugrunde liegenden Daten und die Methodik der neuen Untersuchung nicht zur Verfügung gestellt worden. Deshalb könne man die Anschuldigungen nicht unabhängig überprüfen.

Der Konzern verweist auf sein Kontrollsystem für Rinderlieferanten im Amazonasgebiet. JBS überwache Lieferanten seit 2010 mit Satellitenbildern und Geodaten. Betriebe würden gesperrt, wenn sie mit illegaler Abholzung, behördlich blockierten Flächen, indigenen Gebieten, Schutzgebieten oder sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht würden.

Die internationale Initiative zielt damit nicht nur auf JBS selbst. Sie will mögliche Umweltkriminalität entlang der Finanzströme bis zu Banken, Fonds, Wirtschaftsprüfern und Anwälten in Europa verfolgen. Mit der Beschwerde gegen BlackRock Asset Management Deutschland ist diese Auseinandersetzung nun bei der deutschen Finanzaufsicht angekommen.

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