Der US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, hält einen US-Angriff auf den Iran bereits an diesem Wochenende für „absolut“ möglich.„Könnte es an diesem Wochenende einen Angriff geben? Absolut“, sagte Barrack, der auch als US-Sondergesandter für Syrien und den Irak fungiert, in einem Interview mit dem Online-Kommentator Mario Nawfal.
„Der Präsident ist sehr deutlich. Er ist offen und bereit für ein Abkommen. Und wir sitzen seit Monaten am Verhandlungstisch“, fügte Barrack hinzu und erklärte: „Die nukleare Weiterverbreitung, die Frage der Urananreicherung und all diese Dinge sind Details, die letzten Feinheiten in einem Kapitel, das noch abgeschlossen werden muss.“
Barrack sagte, die USA seien „in einem Deal gefangen: Freigabe von Vermögenswerten, Aufhebung der Sanktionen, Verzicht auf militärische Interventionen und die notwendige Unterstützung für Israel, unseren Verbündeten.“ Israel hat unterdessen eine Militäraktion im Westjordanland angekündigt.
US-Präsident Donald Trump sagte Reportern, ihm seien keine Angriffspläne bekannt. Trump wurde vor dem Besteigen eines Flugzeugs in Florida zu den Äußerungen von Tom Barrack befragt. „Das ist mein Botschafter in der Türkei. Er ist wohl ein ziemlich einflussreicher Mann“, sagte Trump. „Wenn dem so ist, weiß ich nichts davon“, fügte Trump hinzu.
Die Ölpreise stiegen wegen der Sorge über eine Eskalation am Freitag deutlich.
Briten und US-Regierung mit Reisewarnung
In Saudi-Arabien haben sich die Sicherheitsmaßnahmen infolge der regionalen Eskalation deutlich verschärft. Das US-Außenministerium ordnete bereits am 8. März 2026 an, dass nicht für Notfälle benötigte Regierungsmitarbeiter und Familienangehörige das Land verlassen sollen; als Grund nannte es die Gefahr von Drohnen- und Raketenangriffen im Zusammenhang mit dem Konflikt mit Iran. Auch die britische Regierung warnt inzwischen vor Reisen in weite Teile des Landes. Nach Angaben des britischen Außenministeriums wurde der King Khalid International Airport in Riad am 10. Oktober von einer Rakete getroffen und weiterhin als mögliches Angriffsziel eingestuft. Briten, die Saudi-Arabien verlassen wollen, sollen deshalb gegebenenfalls auch eine Ausreise auf dem Landweg in einen Nachbarstaat erwägen.
Manager verlassen Saudi-Arabien
Daneben gibt es Hinweise darauf, dass einzelne ausländische Manager und Unternehmen ihre Präsenz reduzieren. Der in Riad ansässige Korrespondent von Semafor berichtete am 9. Oktober, er höre von Führungskräften, die Riad in Richtung Doha und Vereinigte Arabische Emirate verlassen. Wenige Tage später meldete das Medium, mehrere Chefs großer Energiekonzerne hätten Reisen nach Saudi-Arabien abgesagt. Am 19. Oktober wurde zudem die persönliche Teilnahme an der wichtigen Investorenkonferenz Future Investment Initiative in Riad abgesagt beziehungsweise auf 2027 verschoben. Laut Semafor hatten Wall-Street-Manager zuvor Sicherheitsbedenken gegenüber den Organisatoren geäußert. Diese Berichte belegen eine wachsende Zurückhaltung internationaler Geschäftsleute, nicht jedoch eine flächendeckende Abwanderung.
Vermögen gehen in die Schweiz und nach Singapur
Auch bei vermögenden Privatpersonen gibt es Anzeichen für eine stärkere Risikostreuung. Die Deutsche Welle berichtete im Mai, Vermögensberater in Singapur und der Schweiz hätten eine deutlich gestiegene Zahl von Anfragen von Kunden aus Dubai registriert. Dem Bericht zufolge verlagerten einige Familien Teile ihres Vermögens und bauten Zweitwohnsitze außerhalb der Golfregion auf. Zugleich stellte das Medium ausdrücklich fest, dass die meisten vermögenden Einwohner Dubai nicht vollständig verlassen, sondern ihre Vermögenswerte stärker diversifizieren. Für die weitergehende Behauptung, westliche oder regionale Eliten verließen die Golfstaaten in großer Zahl, weil ihnen ein unmittelbar bevorstehender größerer Krieg bekannt sei, gibt es daher bislang keine belastbaren Belege.
Vorsichtige Kritik aus der Türkei
Der türkische Außenminister Hakan Fidan warnte nach dem Treffen in Istanbul vor einer weiteren militärischen Eskalation im Iran-Konflikt. An den Gesprächen nahmen die Außenminister aus Deutschland, der Türkei, Großbritannien, Italien, Frankreich, Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten teil. Fidan erklärte nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı, der Konflikt zwischen den USA und Iran könne nur durch Diplomatie und Dialog gelöst werden; militärische Mittel böten keine dauerhafte Lösung und erhöhten das Risiko eines größeren Konflikts. Bundesaußenminister Johann Wadephul äußerte sich nach dem Treffen vor allem zu Iran, den Huthi und zur Sicherheit der internationalen Schifffahrt.
Kritik an Israel kam insbesondere von der Türkei und den anderen R4-Staaten Ägypten, Pakistan und Saudi-Arabien. Fidan bezeichnete laut Anadolu Ajansı die fortdauernde israelische Besatzung palästinensischer Gebiete, Israels Haltung gegenüber internationalen Friedensbemühungen und israelische Militäraktionen in der Region als wesentliche Ursachen der Spannungen im Nahen Osten. Die Palästina-Frage gehörte auch zu den Themen des erweiterten Treffens mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Für die gesamte Runde der acht Staaten ist jedoch keine gemeinsame Erklärung mit diesen Formulierungen zu Israel belegt.
In der Vergangenheit hatte die Trump-Regierung immer wieder widersprüchliche Aussagen in die Welt gesetzt. Zum einen sollten damit die Gegner verwirrt werden. Solche Aussagen sind aber auch oft Gegenstand von Spekulationen an den Märkten.
