Nach der Parlamentswahl in Israel bleibt zunächst offen, wer die nächste Regierung führen wird. Die Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liegt nach ersten Fernsehprognosen vor Jaschar, der Partei seines Herausforderers Gadi Eisenkot. Wie die Jerusalem Post berichtet, erreicht in den Nachwahlbefragungen der Sender Kan, Channel 12 und Channel 13 allerdings weder Netanjahus Regierungslager noch der Oppositionsblock eine absolute Mehrheit.
Die von Israel Hayom veröffentlichten Prognosen dieser drei Sender sehen Netanjahus Lager bei 50 Sitzen. Der Oppositionsblock um Eisenkot kommt auf 52 bis 53 Mandate. Die separat ausgewiesenen arabischen Parteien erreichen zusammen 17 bis 18 Sitze. Für eine absolute Mehrheit in der 120 Mitglieder umfassenden Knesset sind 61 Mandate erforderlich.
Bei den einzelnen Parteien prognostizieren die drei Sender dem Likud zwischen 24 und 25 Sitzen, Jaschar zwischen 21 und 23. Das Bündnis Bejachad unter dem früheren Ministerpräsidenten Naftali Bennett folgt mit zwölf bis 14 Mandaten.
Deutliche Unterschiede zwischen den Sendern
Ein abweichendes Bild liefert Channel 14. Nach der ebenfalls von Israel Hayom wiedergegebenen Prognose dieses Senders kommt Netanjahus Lager auf 60 Sitze. Das wäre deutlich mehr als bei den anderen drei Sendern, läge aber ebenfalls unter der Schwelle zur absoluten Mehrheit. Die Angaben beschreiben somit unterschiedliche Prognosen und noch keine feststehende Sitzverteilung.
Amtliches Endergebnis steht aus
Die Nachwahlbefragungen können von den später ausgezählten Ergebnissen abweichen. Auf der Ergebnisseite der Zentralen Wahlkommission wurden zum recherchierten Stand noch keine ausgezählten Stimmen ausgewiesen. Die Kommission nennt den 4. November als spätesten Termin für die Veröffentlichung der endgültigen Ergebnisse und weist darauf hin, dass sich die Zahlen bis dahin ändern können.
Größte Partei führt nicht automatisch die Regierung
Auch nach Abschluss der Auszählung bleibt entscheidend, welche Parteien eine Regierung unterstützen. Wie die Times of Israel erläutert, konsultiert Präsident Isaac Herzog die Parteiführungen und beauftragt anschließend einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung. Dieser muss nicht der Vorsitzende der stärksten Partei sein. Der beauftragte Kandidat erhält zunächst 28 Tage; eine Verlängerung um bis zu 14 Tage ist möglich.
Den arabischen Parteien könnte bei der Suche nach parlamentarischer Unterstützung eine wichtige Rolle zukommen. Allerdings haben mehrere Oppositionsführer eine Zusammenarbeit mit ihnen ausgeschlossen, berichtet die Jerusalem Post. Ob sich nach der Auszählung eine tragfähige Regierung bilden lässt, ist deshalb weiterhin offen.
