Vertreter Russlands und der Ukraine haben am Donnerstag gemeinsam an einer Veranstaltung im Weißen Haus teilgenommen. Für Russland waren der Sondergesandte des Kremls Kirill Dmitrijew und die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa gekommen, für die Ukraine der Fraktionschef von Selenskyjs Partei „Diener des Volkes“, Davyd Arachamija, und der Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez. Gastgeberin war Melania Trump. Anlass war die Ende Oktober vereinbarte örtliche Waffenruhe im russisch besetzten Oleschky in der Region Cherson.
„Ich hoffe, dass Oleschky zu mehr Frieden inspiriert. Jede bedeutende Veränderung beginnt mit einem kleinen Funken“, sagte Melania Trump. Entscheidend sei „nicht, wie bescheiden dieser Anfang ist, sondern die Entschlossenheit, daraus etwas Außergewöhnliches zu machen“. Weiter sagte sie: „Gemeinsam können wir etwas schaffen, das dauerhafter ist als eine vorübergehende Waffenruhe.“
„Möge Oleschky der bescheidene Funke sein, aus dem eine dauerhafte Flamme des Friedens wächst“, sagte Trump. Die Waffenruhe wäre „ohne Präsident Putin und Präsident Selenskyj nicht möglich gewesen“. „Ihre Zusammenarbeit schafft einen bedeutsamen Präzedenzfall, um den Frieden in der gesamten Region voranzubringen.“
Trump übergab den russischen und ukrainischen Vertretern außerdem persönliche Briefe für Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj. Über deren Inhalt machte sie keine Angaben.
Moskau dankt Melania Trump
Für Russland sprach Kirill Dmitrijew. Er dankte Melania Trump im Namen Putins für ihre Rolle bei der Operation. Putin habe persönlich „alle notwendigen Anweisungen“ zur Umsetzung der Waffenruhe gegeben. Dmitrijew hob ausdrücklich hervor, dass auch die ukrainische Seite die Vereinbarung eingehalten habe. Die Operation zeige, „was erreicht werden kann, wenn Mitgefühl, Entschlossenheit und Zusammenarbeit zusammenkommen“, sagte er im Transkript der Veranstaltung.
„Es ist sehr wichtig, dass die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine und zwischen Russland und den Vereinigten Staaten nicht nur für unsere beiden Nationen, sondern für die gesamte Welt von Bedeutung ist“, sagte Dmitrijew.
Neben ihm saß Jana Lantratowa. Sie selbst sprach bei der Veranstaltung nicht. Lantratowa steht weiterhin auf der amerikanischen Sanktionsliste. Der Kyiv Independent berichtete vor dem Treffen, dass sie wegen der Sanktionen eine Ausnahmegenehmigung für die Einreise in die Vereinigten Staaten benötigte.
Ukraine: „Ihre Mission steht über der Politik“
Für die Ukraine sprach Davyd Arachamija. Er bezeichnete die Operation als „die größte Deeskalation“ seit Beginn des russischen Großangriffs 2022. An Melania Trump gerichtet sagte er: „Wir möchten, dass Sie weitermachen, neue Missionen finden und so viel wie möglich deeskalieren.“
„Manchmal steht Ihre Mission über der Politik“, sagte Arachamija. Präsident Selenskyj lasse Melania Trump „die herzlichsten Grüße“ ausrichten.
Danach überreichte Dmytro Lubinez Melania Trump den Orden der Fürstin Olga erster Klasse. „Im Namen des Präsidenten der Ukraine und der ukrainischen Nation möchte ich Ihnen diese staatliche Auszeichnung für Ihre Führungsstärke, für Ihr mutiges Herz, für die Rettung unserer Menschen und für die Rückkehr ukrainischer Kinder überreichen“, sagte er. „Bitte setzen Sie Ihre wunderbare Arbeit fort und unterstützen Sie unsere Menschen.“
EU reagiert überhaupt nicht auf das Treffen
Die EU reagierte auf das Treffen überhaupt nicht. Bis zum frühen 6. November gab es weder von der EU-Kommission noch vom Europäischen Auswärtigen Dienst eine öffentliche Stellungnahme. Auch Melania Trumps Aufruf, aus der örtlichen Waffenruhe weitere Verständigung entstehen zu lassen, blieb von den EU-Institutionen unkommentiert.
Auch Slowenien schweigt
Die slowenische Regierung äußerte sich nicht öffentlich zu dem Treffen. Ljubljana verfolgt im Ukrainekrieg eine harte Linie gegenüber Russland. Außenminister Tone Kajzer bekräftigte noch im Oktober die „unerschütterliche Unterstützung“ Sloweniens für die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine und forderte weitere politische, wirtschaftliche, militärische und humanitäre Hilfe für Kiew sowie stärkeren Druck auf Russland, einschließlich Sanktionen.
Über den Auftritt der in Slowenien geborenen First Lady berichteten slowenische Medien dagegen ausführlich. Dnevnik stellte Trumps Satz „Wir haben uns für Menschlichkeit statt Krieg entschieden“ heraus. Auch 24ur und Siol berichteten über das Treffen.
