Nach der Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verlor der Real am Montag, 26. Oktober, nach Angaben von Reuters zeitweise mehr als elf Prozent gegenüber dem US-Dollar. Der Aktienindex Ibovespa schloss knapp 14 Prozent im Minus. Wegen der heftigen Kursverluste wurde der Handel zwischenzeitlich unterbrochen.
Geplatzte Wetten auf Bolsonaro
Zuvor hatten Anleger auf einen Regierungswechsel gesetzt. Seit Bolsonaros erstem Platz im ersten Wahlgang hatte der Real bis zum Freitag vor der Stichwahl fast fünf Prozent zugelegt, der Aktienmarkt knapp sieben Prozent. Investoren erwarteten unter Bolsonaro eine strengere Haushaltspolitik und sinkende Zinsen. Nach seiner Niederlage lösten sie die entsprechenden Positionen auf.
Finanzminister Dario Durigan führte die heftige Marktreaktion vor allem auf diese verlorenen Wahlwetten zurück. Die Anleger hätten auf einen anderen Wahlausgang gesetzt und anschließend ihre Positionen umgeschichtet, erklärte er nach einem Bericht von CNN Brasil. Die Regierung habe nach der Wahl Gespräche mit Finanzmarktvertretern geführt. Durigan forderte eine rationalere Bewertung der Lage.
Druck auf Lulas Haushaltspolitik
Der Ausverkauf erhöht zugleich den Druck auf Lulas Haushaltspolitik. Auch brasilianische Staatsanleihen verloren an Wert. Von Reuters befragte Investoren verlangen einen nachvollziehbaren Plan zur Stabilisierung der Staatsschulden. Lula steht damit vor der Aufgabe, die Verschuldung zu begrenzen und zugleich Sozialprogramme und öffentliche Investitionen zu schützen. Höhere Zinsforderungen der Gläubiger könnten den finanziellen Spielraum zusätzlich einengen.
Durigan kündigte am Dienstag einen Gesetzentwurf an, mit dem die Regierung ihre Haushaltsziele verbindlicher verfolgen will. Wie das Wirtschaftsmagazin Exame berichtet, soll sich die Haushaltsführung künftig am zentralen Zielwert orientieren, statt den unteren Rand des zulässigen Toleranzbereichs als Maßstab zu nehmen. Einzelheiten und einen Zeitplan nannte der Minister zunächst nicht.
Am Dienstag, 27. Oktober, erholte sich der Real etwas. Der Dollar verbilligte sich laut einem bei UOL veröffentlichten Marktbericht zum Handelsschluss um knapp ein Prozent auf rund 5,35 Real. Damit wurde nur ein kleiner Teil der Bewegung vom Vortag ausgeglichen.
Bolsonaro reist in die USA
Flávio Bolsonaro hat Brasilien unterdessen trotz eines Ausreiseverbots verlassen und ist nach einem Bericht von SBT News in die USA gereist. Der Sender beruft sich auf Verbündete des Senators, die seine Ankunft am Dienstag bestätigten. Die Bundespolizei erklärte seine Pässe für ungültig, nachdem er einer gerichtlichen Aufforderung zur Abgabe nicht nachgekommen war. Die Anordnung steht im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche. Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe. Die USA wollen ihm und seinen Angehörigen Visa erteilen und die Einreise ermöglichen, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Außenministeriums CNN Brasil bestätigte.
