Marc Friedrich: „Irgendwann gehen die Leute auf die Barrikaden“

Der Ökonom Marc Friedrich sagt: Wir gleiten von einer Pax Americana in eine unruhige, multipolare Welt. Friedrich Merz spielt eine unrühmliche Rolle, weil er die Menschen anlügt und sie ihre Ohnmacht spüren lässt.

Friedrich Merz am 14. Oktober 2026 im Bundestag in Berlin. (Foto: John MACDOUGALL / AFP)
Friedrich Merz am 14. Oktober 2026 im Bundestag in Berlin. (Foto: John MACDOUGALL / AFP)

Der Ökonom Marc Friedrich sagt im Interview mit World News Monitor: Die großen Demonstrationen in Europa seien Vorboten eine neuen Euro-Krise. Die Politik sei nicht willens und in der Lage, die Probleme der Menschen zu lösen. Im digitalen Euro, der demnächst kommen wird, sieht Friedrich eine große Gefahr: dass nämlich das Geld dazu benutzt wird, die Bürger zu gängeln und in Abhängigkeit zu halten. Friedrich Merz kämpfe als Bundeskanzler nicht für die Leute, sondern belüge sie schamlos, statt sich für sie ins Zeug zu legen.

Wie sehen Sie die aktuelle Staatsverschuldung in Europa?
Wir sehen am Horizont schon eine Art Euro-Krise, weil die Anleihen für die Staaten immer weiter nach oben gehen. Wenn Sie sich eine zehn-, zwanzig- oder dreißigjährige Staatsanleihe Frankreichs anschauen, notiert diese höher als die griechischen. Wir zahlen jetzt fünf Prozent. Das ist schon happig. Die französische Verschuldung liegt bei knapp 117, 118 Prozent zum BIP.

Es gibt eine magische Grenze. Amerikanische Hedgefonds haben herausgefunden: Wenn ein Staat mehr als 120 Prozent Verschuldung hat, war er in der Vergangenheit eigentlich de facto immer irgendwann pleite, musste also einen Schuldenschnitt machen. Und wir müssen den Leser daran erinnern: Nicht der Staat geht pleite, sondern die Bürger gehen pleite.

Da gab es insgesamt 54 Beispiele in der Geschichte. 53 davon hatten einen Schuldenschnitt, eine Währungsreform oder einen Staatsbankrott. Nur ein Land musste das bisher nicht machen: Japan – aber das ist eine Sondersituation.

Die Schuldenproblematik ist gigantisch – vor allem in Zeiten geopolitischer Unruhe und Deglobalisierung: Wir sehen wirtschaftlichen Abschwung, negative Demografie, Energieprobleme. All das könnte das ganze System zum Einbrechen bringen. Die EU trifft das besonders: Sie ist als supranationales Projekt abhängig von den Zahlungen der Mitgliedsländer. Wenn alle um uns herum wegbrechen, kann Deutschland es allein nicht auffangen, zumal auch wir ein wankender Riese sind.

Wenn Deutschland nicht mehr zahlen kann und die EU immer mehr Geld will – von 36 Milliarden auf 58 Milliarden will Frau von der Leyen jetzt von uns haben –, muss man fragen: Wer springt in die Bresche? Da gibt es niemanden.

Meiner Ansicht nach ist es tatsächlich das Endspiel, in dem wir uns befinden, weil diese Schulden nicht bedienbar sind.

Wie erklärt sich dann, dass es in der Öffentlichkeit kaum ein Thema ist? Die internationale Finanzpresse schreibt das zwar, aber die Leute in der Politik tun so, als gäbe es kein Morgen.

Es ist erstens Unwissen und Inkompetenz. Vor allem aber denken die meisten: In der Vergangenheit wurde jede Krise mit Gelddrucken gelöst – Euro-Krise, Finanzkrise, Corona-Krise: Es gab immer eine Antwort – noch mehr billiges Geld ins System pumpen, das Problem überdecken und in die Zukunft verschieben, während der Schuldenberg weiter wächst.

Wir sehen aber aktuell einen Paradigmenwechsel. In den USA ist der Schuldendienst zum ersten Mal höher als der komplette Militärapparat. Das ist ein Zeichen dafür, dass man sich am Ende des Zyklus befindet. Wenn die Zinszahlungen auf die bestehenden Schulden alles andere übertrumpfen, vor allem das Militär, dann weiß man: Der Hegemon ist am Ende.

Dieser Indikator hat in den letzten 250 Jahren immer funktioniert. Wir laufen daher entweder auf eine Inflationierung des Geldsystems, einen Schuldenschnitt oder vielleicht sogar eine Währungsreform zu.

Vielleicht sagen die Amerikaner irgendwann: Wir haben wieder einen goldgedeckten Dollar und die alten Schulden werden aufgelöst. Oder wir bedienen die Staatsschulden nicht mehr, oder Staatsanleihen werden für null und nichtig erklärt. Als Hegemon hat man verschiedene Möglichkeiten. Aber wir sind näher am Ende, als der eine oder andere glaubt.

Aber wie würde dieses „Ende“ aussehen? Irgendwer muss dafür bezahlen, und in der Regel sind das nicht diejenigen, die die Schulden ausgelöst haben oder davon profitiert haben.

Nicht der Staat geht pleite, die Bürger gehen pleite. Wir alle zahlen das. Der Staat kann sich auf Kosten der Bürger entschulden: über Inflationierung, einen Schuldenschnitt oder eine Währungsreform.

In Argentinien war ich 2001 dabei, als es einen Schuldenschnitt von 70 Prozent gab.

In Deutschland war 1948 die Währungsreform, 1949 die Gründung der Bundesrepublik. Wer 100 Reichsmark hatte, bekam dann noch zehn neue D-Mark. Noch schlimmer war es bei Staatsanleihen und Lebensversicherungen, die auch in Staatsanleihen investiert sind. Da lag die Quote sogar bei 94,5 Prozent.

Ich habe in meinem Buch „Kapitalfehler“ aufgezeigt, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, diese Schuldenberge abzubauen. Erstens: Wachstum. Das Wirtschaftswachstum ist stärker als das Schuldenwachstum. Das sehe ich nicht in einer Welt, die sich im Protektionismus und in der Deglobalisierung befindet. Wir gleiten von einer Pax Americana in eine unruhige, multipolare Welt.

Die zweite Möglichkeit ist Inflation. Das versucht man schon. Die dritte Möglichkeit ist ein Währungsschnitt, eine Währungsreform. Und die letzte Möglichkeit ist leider auch immer ein adäquates Mittel: Krieg.

Das sind die vier Möglichkeiten, wie Staaten Schulden reduzieren können.

Wenn man einen Krieg provozieren würde, könnte man sagen: Nicht wir sind schuld, dass eure Rente weg ist, dass die Lebensversicherung kaputt ist und dass wir alles neu aufbauen müssen, sondern Putin oder Trump oder wer auch immer. Dann kann man den Schwarzen Peter jemand anderem zuschieben. Das ist eine Gefahr, die ich am Horizont sehe.

Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland – spüren die Leute, dass sich etwas grundlegend ändert?

Definitiv. Das sind Vorboten. Der erste Kandidat ist Frankreich. Die Menschen merken es, weil die Inflation um sich greift. Ein Geldsystem stirbt nie in der Deflation. Es stirbt immer in der Inflation.

Das haben wir in den letzten 2.000 Jahren Geldgeschichte. Das habe ich in meinem letzten Buch „Die größte Revolution aller Zeiten“ ausführlich dargestellt.

Wenn das Geldsystem stirbt, ist es immer die Inflation durch inkompetente Politik, Sozialismus, Umverteilung, Brot und Spiele. Dazu kommen andere Faktoren, wie Migration, die wir in Europa im Übermaß hatten.

Die Inflation spürt momentan jeder im Portemonnaie. Im Supermarkt muss man viel mehr Geld ausgeben als noch vor vier oder fünf Jahren. Man sieht es an der Tankstelle, auf dem Einkaufszettel, überall. Früher waren 100 Euro noch richtig gutes Geld. Inzwischen sind 100 Euro gar nichts mehr. Da kann eine vierköpfige Familie nicht mehr essen gehen.

Wenn die Menschen merken, es geht an ihr eigenes Portemonnaie, sie können sich nicht mehr leisten, was sie vorher gemacht haben, dann gehen sie irgendwann auf die Barrikaden.

Sie merken: Egal, wie schnell ich im Hamsterrad renne, ich muss immer mehr zahlen, immer mehr abgeben, aber bekomme nicht mehr, weil die Löhne nicht so stark steigen, wie die Inflation die Kaufkraft nimmt.

Deswegen ist die Generation Z demotiviert. Dann kommt die KI dazu. Man hat Angst vor der Zukunft. Inflation ist nicht nur ein Diebstahl an der Kaufkraft, sondern vor allem an der Lebenszeit. Jeder arbeitet und tauscht seine Lebenszeit gegen Geld. Geld ist so etwas wie gespeicherte Lebenszeit.

Wenn dieses Geld entwertet wird und das, was ich mir über zehn, 20 oder 30 Jahre auf die Seite gelegt habe, weginflationiert oder durch einen Schuldenschnitt genommen wird, bekomme ich diese Zeit nie wieder zurück.

Wenn ein 50- oder 60-Jähriger in diese Schuldenproblematik hineinschlittert und der Staat sagt: Wir machen einen Schuldenschnitt – dann ist es vorbei.

Marc Friedrich. (Foto: Marc Friedrich)
Marc Friedrich. (Foto: Marc Friedrich)

Auch die jungen Menschen merken: Alles wird teurer, ich kann mir keine Wohnung mehr in Bonn leisten oder eine Studentenbude in Bremen oder Passau. Urlaub wird unerschwinglich. Und die einzige Antwort der Politik ist noch mehr Abgaben und noch mehr Steuern. Das führt zwangsläufig zum Protest.

Die Regierenden sehen die Vorboten ja auch. Doch die Reaktion ist nicht: Wie können wir die Probleme lösen? Sie setzen auf Repression. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der digitale Euro?

Der digitale Euro ist eine Art digitale Schuldknechtschaft, weil man damit alles machen kann. Man kann sagen: Du darfst dich nur noch in einem bestimmten Umkreis bewegen. Wenn du mehr als 20 Kilometer außerhalb deines Wohnortes bist, funktioniert dein digitales Portemonnaie nicht mehr. Man kann automatisch Strafen abbuchen, Steuern eintreiben oder Zahlungen stoppen: Bestimmte Produkte dürfen nicht mehr gekauft werden.

Oder man könnte sagen: Es gibt nur noch einen Flug im Jahr. Beim zweiten Flug geht die Karte beziehungsweise der digitale Euro nicht mehr. Das ist eine Zwangsmaßnahme, die sich wahrscheinlich George Orwell in „1984“ nicht hätte erträumen lassen. Deswegen warne ich davor.

Im aktuellen Zuge von Cyberattacken und Internetausfällen, auch im Hinblick auf Quantencomputer, muss man sich fragen, wie sicher so ein System sein kann. Ich glaube nicht, dass die EZB eine sichere Firewall hinbekommt. Da bin ich sehr skeptisch. Das wird wahrscheinlich der erste Honeypot sein, den Hacker angreifen werden, egal aus welcher Nation, um Gelder abfließen zu lassen oder umzuwandeln.

Ich glaube, es geht auch darum, die Leute abhängig zu machen. Der digitale Euro ist für mich ein digitales Gefängnis.

Wenn die Menschen sich informieren, erkennen sie, dass mehr auf dem Spiel steht als nur: Ich kann überall bezahlen. Es geht um Freiheit, um Meinungsfreiheit. Mit einem digitalen Euro kann man jederzeit ruhiggestellt oder manipuliert werden.

Wir sehen schon Vorboten mit den EU-Sanktionen, die gegen Einzelne verhängt werden. Ohne Rechtsverfahren werden Leute von ihrer Existenzgrundlage abgeschnitten. Sie waren einer der ersten Warner und wurden immer dafür attackiert, vor einer totalitären Entwicklung in der EU zu warnen. Sehen Sie, dass sich das in den vergangenen Jahren verschärft hat?

Es ist schlimmer, als ich es mir ausgemalt habe. Mich überraschen die Dynamik und die perfide Methodik. Hätte ich mir das vor 15 Jahren so ausgemalt, hätte ich gesagt: Aluhut ab, wird niemals so schlimm werden.

Aber wir hatten den Digital Services Act, Kriege, den digitalen Euro, Transparenzregister, Hausdurchsuchungen bei Menschen, die Politiker mit Memes dargestellt haben.

Da hätte ich gesagt: Das kann in Russland passieren, in einer Diktatur, aber doch nicht in Deutschland. Hätte Helmut Kohl jemals, wenn ihn jemand als Birne beschimpft hätte, die Polizei vorbeigeschickt?

Kohl hat das Ei selbst zurückgeworfen.

Wir haben Menschen an den Hebeln der Macht, die durch Negativauslese und Mangel an Alternativen nach oben gespült worden sind, nur weil sie ein Parteibuch haben oder Speichellecker sind. Wir haben Ideologie über Vernunft gestellt.

Viele Menschen in Regierungskreisen und Parteien würden in der Realwirtschaft niemals das Geld verdienen, das sie im politischen Betrieb verdienen. Sie präsentieren Lösungen für Probleme, die sie selbst verursacht haben. Auch dass Friedrich Merz jetzt an der Macht ist: Er ist die Abrissbirne. Wir haben jemanden, der den Leuten offensichtlich ins Gesicht lügt, der das ganze System demaskiert, der die Wut im Volk noch größer macht und der den Leuten ihre ganze Ohnmacht vor Augen führt. Das ist leider der Kandidat, der am besten in diese Zeit passt. Das ganze System bröckelt. Es sind Leute, die durch die Schwäche der Zeit nach oben gespült worden sind. Wie kann es denn sein, dass jemand Branchenfremder wie Lars Klingbeil auf einmal Finanzminister einer der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt ist?

Wir sehen einen massiven Abbau in der Industrie. Hunderttausende Arbeitsplätze, große Unternehmen wandern ab, entlassen 10.000, 20.000, 30.000 Leute. Und die Politik macht nichts! Die Politik dreht sich um sich selbst. Vor 15 Jahren hätte es eine Krisensitzung nach der anderen gegeben.

Merz kommt immerhin von BlackRock. Er müsste eigentlich verstehen, was da abgeht.

Horst Seehofer hat einmal gesagt: Diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden, und diejenigen, die entscheiden, werden nicht gewählt. In den USA heißt es: „Follow the money.“ Geld regiert die Welt.

Ich kenne den einen oder anderen Politiker. Ich glaube nicht, dass die in irgendeinem Geheimbund über das Weltgeschehen entscheiden. Das sind eher ausführende Organe, die vielleicht selbst gar nicht wissen, was sie gerade machen.

Sie können uns allerdings in den Krieg führen.

Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Aber die Kriegsrhetorik ist schon krass.

Auf einmal sind diejenigen, die früher für Frieden waren, für Krieg – gerade die frühere Antikriegspartei, die Grünen. Und auf einmal ist die Kriegsrhetorik so en vogue wie nie zuvor.

Man sagt: Wir müssen den Russen vor Ort besiegen, und er kommt 2029 garantiert. Das ist eine gefährliche Entwicklung. Vor allem werden diejenigen, die für Frieden sind, diffamiert und stigmatisiert als Putin-Knechte oder Russland-Freunde. Früher war es etwas Gutes, für Frieden zu sein. Heute wird man dafür stigmatisiert.

Dass der Russe kommt, glaube ich nicht. Dass wir Soldaten rüberschicken aus einem Akt der Verzweiflung? Kann sein. Das wäre für mich die rote Linie zu sagen: Dann muss man wirklich das Land verlassen.

Am 31.10. gibt es auch in Deutschland Demonstrationen. Was sagen Sie den Leuten: Geht auf die Straße, macht euch bemerkbar, verschafft euch Gehör?

Wenn man auf die Straße geht, dann bitte immer ohne Gewalt. Das ist die mächtigste Waffe. Sobald man Gewalt ausübt, delegitimiert man sich und verliert Unterstützung. Der normale Mensch lehnt Gewalt ab. Vor allem destruktive Zerstörung wie in Paris …

… das war eine Randgruppe. Hunderttausende waren friedlich. Das hat mich an Corona erinnert. Weil ein paar Nazis mitmarschiert sind, wurden alle Maßnahmengegner als „rechtsextrem“ diffamiert.

Man weiß nie: Sind es U-Boote? Sind es gewollte, orchestrierte Aktionen? Wahrscheinlich war es so. Da standen ja auch dann irgendwelche Paletten da, mit Flaschen für Molotow-Cocktails. Also nichts geschieht ohne Grund.

Generell gilt: Es gibt die berühmte Drei-Prozent-Regel. Das heißt, wenn man wirklich ein System zum Einsturz bringen möchte, mit friedlichen Mitteln, dann müssen drei Prozent der Bevölkerung auf die Straße, um gegen das Regime, gegen die Regierung, gegen die Politik zu demonstrieren. In unserem Fall reden wir von knapp 2,5 Millionen Menschen.

Wenn die dann in Berlin tatsächlich da stehen würden am Brandenburger Tor, dann wäre Ende Gelände. Das war bisher immer so in der Geschichte der Menschheit, dass drei Prozent der Bevölkerung, wenn die auf die Straße gehen und friedlich demonstrieren, dann ist vorbei. Ich erinnere nur an Leipzig 1989. Irgendwann kollabiert das System, weil dann verliert es die Kontrolle. Und das würde ich auf jeden Fall unterstützen.

Sehen Sie doch: Wir hatten noch nie eine größere strukturelle Krise! Wir sind im siebten Jahr der Stagnation. Wir hatten Rezession. Wir sehen Hunderttausende Unternehmen, die insolvent gegangen sind. Wir haben Rekordniveau bei den Insolvenzquoten. Hunderttausende Arbeitsplätze sind abgeschafft oder verlegt worden. Wir sehen Deindustrialisierung. Wir hatten letztes Jahr einen Rekord an Menschen, die das Land verlassen haben: 286.000 Menschen haben gesagt, ich sehe hier keine Zukunft, ich gehe.

Das sind meistens nicht die Dümmsten und nicht die Ärmsten. Dieser Brain Drain findet statt. Das höre ich auch in der Beratung. Die Kunden fragen mich nicht nur: Wo kann ich mein Geld in Sicherheit bringen vor dem übergriffigen und gierigen Staat? Sie fragen auch: Wo kann ich hin? Wo kann ich mir einen Plan B bauen?

Was empfehlen Sie unseren Kindern und Enkeln?

Erstens: kritisch sein, kritisch bleiben, sich eine eigene Meinung bilden. Vor allem immer dahin schauen, wo kein Lichtstrahl hinfällt, sondern in den Schatten. Man muss inzwischen davon ausgehen, dass wir von allen Seiten angelogen werden, egal welcher Partei. Vor allem in die eigenen Talente und den eigenen Grips investieren. Die kann einem momentan noch keiner nehmen oder besteuern.

Dann in durch die Natur oder die Mathematik limitierte Werte investieren. Gold, Bitcoin, Aktien. Geld auf dem Konto, Papierwerte, Lebensversicherungen, Bausparverträge werden meiner Ansicht nach massiv an Wert verlieren.

Und sich selbst rote Linien definieren, wann man das Land verlässt. Für mich wäre es Wehrpflicht, ein Kriegseinsatz im Osten, Baltikum oder Ukraine, also deutsche Soldaten an der Ostfront. Oder wenn Rot-Rot-Grün auf Bundesebene käme. Das wären für mich rote Linien, wo ich sage, ich gehe.

Würden Sie, bevor Sie gehen, noch sagen: Ich gehe selbst in die Politik, um es zu ändern?

Nein. Das momentane Parteiensystem oder unsere parlamentarische Demokratie ist am Ende ihrer Weisheit angekommen. Wir haben künstliche Intelligenz, rapide Entwicklungen in jedem Bereich, und wir brauchen für alles viel zu lang.

Ich glaube, es ist eine Evolutionsstufe. Ich habe darüber mit dem ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Papier gesprochen. Der sagt auch, es sieht so aus, als ob unsere jetzige politische Ordnung nicht mehr zeitgemäß ist. Ich fühle mich keiner Partei verbunden. Ich glaube nicht, dass die Parteien die Lösung sind. Ich glaube eher, die Politik ist inzwischen das Problem geworden.

Was ist die Alternative – Basisdemokratie oder ein totalitäres System?

Das ist eine sehr gute Frage, über die ich mir viele Gedanken mache, weil ich gerade ein Buch darüber schreibe. Ich glaube, wir müssten uns die technologische Entwicklung mit künstlicher Intelligenz zu eigen machen. Wir sehen, dass menschliche Intelligenz im politischen Raum fehlt. Da sollte man vielleicht die KI zurate ziehen. Ich glaube, dass wir eine große Veränderung im politischen Betrieb sehen werden und sich dieses Parteiensystem auflösen wird.

Als überzeugter Demokrat müsste man sich eigentlich wünschen, dass entweder die AfD oder die Linke Erfolg hat. Wenn nicht, haben wir ein Systemproblem.

Dann verlieren die Menschen das Vertrauen in die Parteien, wählen radikaler, gar nicht mehr oder gehen auf die Straße. Der Verlust der Vertrauens ist ein Zeichen für das Ende dieses Systems und dieses Zyklus.

Ich habe aber die Hoffnung, dass wir durch diese Krise viel lernen werden. Vielleicht werden wir auf eine neue Bewusstseinsstufe katapultiert und erkennen, dass wir als Menschheit an einem Strang ziehen müssen. Leider braucht es dafür wahrscheinlich eine sehr große Krise, ein Tal der Tränen.

Aber vielleicht erkennen die Menschen am Ende, dass wir die Probleme nur gemeinsam lösen können. Dann können wir ein System schaffen, das für die Menschen Wohlstand und Frieden bringt.

Die Fragen stellte Michael Maier.

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