Die serbische Zentralbank hat der Alta Bank in Belgrad die Lizenz entzogen. Der Geschäftsbetrieb des Geldhauses ist eingestellt. Besonders betroffen ist die große russische Gemeinschaft in Serbien, für die Alta in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Adresse für Privat- und Geschäftskonten geworden war.
Die Nationalbank Serbiens begründete den Schritt mit einer erheblichen Verschlechterung der finanziellen Lage des Instituts und drohenden weiteren Problemen bei der Liquidität. Vor dem Lizenzentzug habe es bereits aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegeben, mit denen die Bank zu einer Verbesserung ihrer Liquiditätslage bewegt werden sollte. Die Behörde erklärte, die Entscheidung diene dem Schutz der Einleger und der Stabilität des Finanzsystems.
Nach Angaben der Financial Times können Kunden seit Samstag nicht mehr regulär über ihre Konten verfügen. Mehrere Betroffene berichteten, dass Abhebungen nicht möglich seien. Der in Belgrad lebende russische Journalist Pavel Belavin sagte, seine Konten seien eingefroren. Die App der Bank habe zeitweise noch Kontostände angezeigt, Transaktionen seien jedoch nicht mehr möglich gewesen. Informationen dazu, wie es mit seinen Konten weitergehe, habe er zunächst weder von der Bank noch von der Zentralbank erhalten.
Einlagen bis 50.000 Euro sind abgesichert
Für einen Teil der Guthaben besteht eine gesetzliche Absicherung. Die serbische Einlagensicherungsagentur schützt Einlagen bis zu 50.000 Euro pro Einleger und Bank. Die Auszahlung der abgesicherten Beträge soll spätestens sieben Arbeitstage nach der Entscheidung des Handelsgerichts in Belgrad über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnen. Anspruch haben Privatpersonen, Unternehmer sowie kleine und mittlere Unternehmen.
Alta hatte sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 zu einer der wenigen serbischen Banken entwickelt, die sowohl russischen Privatpersonen als auch Unternehmen Konten anbot. Das Institut spielte deshalb eine wichtige Rolle bei Geldtransfers russischer Kunden nach und aus Serbien. Die Kundeneinlagen der Bank seien bis Ende vergangenen Jahres auf mehr als das Fünffache des Niveaus vor dem Krieg gestiegen.
Serbien wurde nach Kriegsbeginn zu einem wichtigen Ziel für russische Auswanderer. Rund 55.000 russische Staatsbürger verfügten Ende vergangenen Jahres über eine Aufenthaltserlaubnis in dem Balkanstaat. Eine Finanzberaterin berichtete von verunsicherten Kunden, die ihre gesamten Familienersparnisse bei Alta angelegt hätten. Einer ihrer Kunden habe erst kurz zuvor 300.000 Euro aus dem Verkauf einer Wohnung in Russland eingezahlt.
Geldwäschekontrollen waren bereits im Fokus
Die Bank war bereits zuvor wegen möglicher Defizite bei der Geldwäschekontrolle ins Visier von Aufsehern geraten. Eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank habe erhebliche Bedenken hinsichtlich der Geschäftspraktiken ausgelöst. Beamte hätten unter anderem hinterfragt, ob die Bank die rechtmäßige Herkunft von Einlagen ausreichend überprüfen könne. Ein Nachweis, dass die Bank selbst Geldwäsche betrieben hat, ergibt sich daraus nicht.
Der Fall beschäftigt inzwischen auch die serbische Justiz. Die Nationalbank hat nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders RTS Strafanzeige gegen die Alta Bank als juristische Person sowie gegen mehrere Verantwortliche der Bank gestellt. Die Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität habe Polizei und Spezialermittler aufgefordert, die Geschäftstätigkeit der Bank und die Umstände des Lizenzentzugs zu untersuchen.
Bereits am 27. Oktober hatte die Staatsanwaltschaft Informationen über Überweisungen ins Ausland angefordert. Untersucht werden sollen demnach Transaktionen seit dem 27. September. Vier Vizegouverneure der Zentralbank verlangten außerdem von der zuständigen Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Frage, wann Verantwortliche von den Risiken bei Alta wussten, ob rechtzeitig reagiert wurde und ob möglicherweise eine strafrechtliche Verantwortung innerhalb der Zentralbank besteht.
Schließung folgt auf politischen Machtwechsel
Die Schließung fällt in eine politisch außergewöhnliche Phase. Wenige Tage zuvor hatte eine von Studenten getragene Protestbewegung die Parlamentswahl gewonnen und damit die jahrelange Dominanz des politischen Lagers um Aleksandar Vučić gebrochen.
Vučić räumte die Niederlage am Wahlabend ein. Bei fast 99 Prozent ausgezählten Stimmen kam die Studentenliste nach dem damals vorläufigen Stand der Wahlkommission auf 52,7 Prozent. Das von Vučićs Serbischer Fortschrittspartei SNS geführte Bündnis erreichte 39,2 Prozent. Daraus ergaben sich zunächst 139 der 250 Sitze für die Studentenliste, berichtete Reuters.
Die Studentenbewegung fordert auch eine umfassende Aufarbeitung des Falls Alta. Die Schwierigkeiten der Bank seien nicht über Nacht entstanden, erklärte die Gruppierung. Es gebe Hinweise darauf, dass Regulierungsbehörden nicht rechtzeitig reagiert hätten.
Ob zwischen dem politischen Machtwechsel und dem Zeitpunkt der Bankschließung ein unmittelbarer Zusammenhang besteht, ist bislang nicht belegt.
Berichte über Ausreiseversuche des Eigentümers
Die Alta Bank äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Eigentümerin der Bank ist die Alta Group, die vollständig Davor Macura gehört. Nach Recherchen der Financial Times habe Macura in den vergangenen Wochen mehrfach versucht, Serbien zu verlassen. Nach der Wahl habe er versucht, nach Moskau zu reisen. Macura äußerte sich gegenüber der Zeitung nicht zu dieser Darstellung. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt nicht vor.
Für die Kunden bleibt entscheidend, wann sie wieder Zugriff auf ihr Geld erhalten. Die Einlagensicherungsagentur soll nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als Insolvenzverwalter eingesetzt werden. Geschützte Einlagen bis 50.000 Euro sollen spätestens sieben Arbeitstage nach der entsprechenden Gerichtsentscheidung zur Auszahlung bereitgestellt werden. Guthaben oberhalb dieser Grenze sind nicht vollständig von der gesetzlichen Einlagengarantie erfasst.
