Jetta, für viele chinesische Familien einst das „erste Auto“, erlebt ein Revival. Am 22. Oktober stellte FAW-Volkswagen in China den vollelektrischen Jetta M6 vor. Selbst die beste Ausstattung kostet weniger als 100.000 Yuan, umgerechnet knapp 14.000 Euro. Dazu gehören moderne Assistenzfunktionen für den Stadtverkehr. Innerhalb von 19 Stunden nach dem Marktstart gingen mehr als 10.000 verbindliche Bestellungen ein.
Im stark umkämpften chinesischen Markt für Elektrofahrzeuge ist diese Zahl nicht außergewöhnlich. Für einen traditionsreichen Hersteller, der seine Modellpalette elektrifiziert, ist die Resonanz dennoch bemerkenswert.
Elf neue Modelle ab 2026
FAW und Volkswagen hatten zuvor in Wolfsburg eine strategische Kooperation vereinbart. Ab 2026 sollen elf speziell für den chinesischen Markt entwickelte Modelle auf den Markt kommen. Geplant sind batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und Modelle mit Range Extender. Die Elektrifizierung der Marke Jetta ist Teil dieser Strategie.
Schon vor mehr als 30 Jahren stand Jetta für die Verbindung deutscher Fahrzeugtechnik mit dem chinesischen Massenmarkt. Heute geht die Zusammenarbeit über das frühere Modell „deutsche Technologie, Produktion in China“ hinaus. Chinesische Partner sind stärker an Produktdefinition, Forschung und Entwicklung beteiligt und übernehmen in einzelnen Bereichen eine führende Rolle, berichtet die staatliche chinesische Global Times.
Entwicklung verlagert sich stärker nach China
Dabei treffen deutsche Fertigungs- und Qualitätsstandards auf chinesische Kompetenzen bei Batterien, digitalen Cockpits, Fahrerassistenzsystemen und lokalen Lieferketten. Der Jetta M6 ist damit auch ein Beispiel für diese veränderte Form der Zusammenarbeit.
Mit der Gründung von SAIC Volkswagen in den 1980er-Jahren begann die Ära der Joint Ventures im chinesischen Pkw-Markt. Volkswagen betreibt in Hefei in der Provinz Anhui sein erstes Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands, das Fahrzeuge vollständig entwickeln und validieren kann. Nach Unternehmensangaben lässt sich dadurch die Entwicklungszeit um rund 30 Prozent verkürzen.
China wirbt um weitere Investitionen
Auch auf politischer Ebene wird die Kooperation weiter begleitet. China verweist auf die Gleichbehandlung ausländischer Hersteller bei Genehmigungen, Standards und Förderprogrammen. Das Handelsministerium hat deutsche Unternehmen wiederholt zu weiteren Investitionen sowie zu mehr lokaler Forschung und Entwicklung ermutigt. Differenzen sollen nach offizieller Linie durch Dialog und Konsultationen gelöst werden.
