In Rom haben am Samstag mehrere Tausend Menschen gegen Krieg, Aufrüstung und die Nato demonstriert. Ob die von den Veranstaltern im Vorfeld erwartete Zahl von rund 10.000 Teilnehmern erreicht wurde, war zunächst nicht klar. Die Nachrichtenagentur ANSA berichtete am Abend von „Tausenden“ Teilnehmern.
Die Demonstration unter dem Motto „Fuori l’Italia dalla guerra“ – „Italien raus aus dem Krieg“ – startete am Nachmittag an der Piazza della Repubblica und zog über die Via Cavour in Richtung Fori Imperiali und Kolosseum. Die Kundgebung war regulär bei den Behörden angemeldet. Bereits vor Beginn hatten die Organisatoren rund 10.000 Teilnehmer angekündigt, wie Rai News berichtete.
Gegen Aufrüstung und Nato
Der Demonstrationszug richtete sich gegen Krieg, höhere Militärausgaben und die Nato. Auf Transparenten waren Forderungen nach „Frieden und Neutralität“ sowie einem Austritt Italiens aus der Nato zu lesen. Einzelne Plakate wandten sich zudem gegen weitere finanzielle Unterstützung für die Ukraine. Zu den beteiligten Gruppen gehörten laut ANSA unter anderem Agorà Italia, Associazione Fermare la Guerra, Evoluzione della Rivoluzione und Coordinamento No Nato.
Die Organisatoren berufen sich auf Artikel 11 der italienischen Verfassung, wonach Italien Krieg als Mittel zur Lösung internationaler Konflikte ablehnt. Die Initiative fordert eine stärkere politische Neutralität Italiens und wendet sich gegen eine weitere Militarisierung Europas.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderte erst neulich, mit noch mehr Härte gegen Russland vorzugehen. Die italienische Regierung prüft aktuell Einschränkungen im Demonstrationsrecht.
Prominente Unterstützer
Zu den Initiatoren der Antikriegsinitiative gehören der Physiker Carlo Rovelli, der Schauspieler und Autor Moni Ovadia, der Historiker Angelo D’Orsi, die frühere EU-Parlamentarierin Luisa Morgantini und der ehemalige Diplomat Alberto Bradanini. Ihre Namen werden auf der offiziellen Seite von „Fuori l’Italia dalla guerra“ als Unterstützer und Initiatoren genannt.
Zusammenstöße am Abend
Im weiteren Verlauf erreichte der Demonstrationszug das Gebiet um das Kolosseum. Dort wurden Gruppen von Einsatzkräften daran gehindert, über die vorgesehene Route hinaus weiterzuziehen.
Später kam es im Zentrum Roms zu Zusammenstößen. Als Demonstranten am Largo di Santa Susanna in Richtung der Regierungsgebäude weiterziehen wollten, wurden nach Angaben von ANSA Flaschen auf Polizeikräfte geworfen. Die Polizei setzte daraufhin Wasserwerfer und Tränengas ein und drängte die Menge zurück.
Parallel fanden in Rom weitere Protestaktionen statt, darunter Mobilisierungen des Movimento 17 ottobre. Eine eindeutige Zuordnung aller an den späteren Ausschreitungen beteiligten Personen zur Antikriegsdemonstration war zunächst nicht möglich.
Proteste auch in Turin
Auch in Turin demonstrierten mehrere Tausend Menschen gegen Aufrüstung. Der Protest stand unter dem Motto „Noi la guerra non la paghiamo“ – „Wir bezahlen den Krieg nicht“. Die Organisatoren verbanden die Kritik an Militärausgaben mit Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum, besseren öffentlichen Dienstleistungen und niedrigeren Lebenshaltungskosten.
Auch dort kam es im Verlauf der Demonstration zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Nach Angaben von ANSA wurden Feuerwerkskörper und Flaschen auf Einsatzkräfte geworfen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.
Unterschiedliche Proteste in mehreren Städten
Die Demonstrationen am Samstag waren Teil einer breiteren Protestwelle in Italien. In Mailand, Bologna, Florenz, Neapel und weiteren Städten gingen ebenfalls Menschen auf die Straße. Die Anliegen unterschieden sich dabei deutlich.
Neben Antikriegs- und Anti-Nato-Protesten richteten sich Kundgebungen gegen hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und steigende Mieten. Gefordert wurden unter anderem höhere Einkommen, bezahlbarer Wohnraum sowie bessere Bildungs- und Gesundheitsangebote.
