Vor allem der Westdorsch wurde über viele Jahre zu stark befischt. Gleichzeitig kamen immer weniger Jungfische nach. Nach Angaben des Thünen-Instituts brach die Nachwuchsproduktion 2015 besonders stark ein. Seitdem gilt der Bestand als kollabiert.
Heute darf Dorsch in der Ostsee im Wesentlichen nur noch als Beifang angelandet werden. Die gezielte Fischerei ist stark eingeschränkt.
Die frühere Überfischung erklärt aber nicht allein, warum der Bestand nicht zurückkommt. Dorsche brauchen kühles und sauerstoffreiches Wasser. Im Sommer wird das Wasser an der Oberfläche wärmer, während in tieferen Schichten oft Sauerstoff fehlt. Dadurch wird der Lebensraum kleiner.
Überdüngung belastet die Ostsee
Auch zu viele Nährstoffe im Meer verschärfen das Problem. Stickstoff und Phosphor fördern starke Algenblüten. Wenn die Algen absterben, wird bei ihrem Abbau Sauerstoff verbraucht. So entstehen sauerstoffarme Zonen am Meeresboden.
Beim Ostdorsch verändert sich zusätzlich das Nahrungsnetz. Laut Thünen-Institut erreicht den Fisch dadurch weniger Energie, was Wachstum und Fortpflanzung erschwert. Die Überfischung hat den Dorschbestand stark geschwächt. Heute verhindern vor allem schlechte Umweltbedingungen eine schnelle Erholung: wärmeres Wasser, Sauerstoffmangel und Überdüngung.
Die EU-Fischereiminister haben für 2027 erneut beschlossen, die Dorschbestände der Ostsee besonders zu schützen. Für West- und Ostdorsch bleiben nur unvermeidbare Beifänge erlaubt, die Freizeitfischerei auf Dorsch bleibt verboten. Gleichzeitig steigen die Fangmengen für andere Arten: bei Sprotte um 44 Prozent und beim Hering der zentralen Ostsee um 71 Prozent. Der Rat der EU begründet die unterschiedlichen Regeln mit dem Zustand der jeweiligen Bestände. Beim Dorsch bleibt die Lage schlecht.
