Israelische Kampfjets fliegen in Richtung Iran: Planen USA und Israel Angriff?

Dutzende israelische Kampfjets sind an die iranische Grenze geflogen. Nicht nur Israel, sondern auch Teile der US-Regierung erwägen einen erneuten Angriff auf den Iran.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (Mitte) im Gespräch mit Anhängern während eines Treffens der Likud-Partei, am 21. Oktober 2026 in einem Café in einem Einkaufszentrum in Dimona. (Foto: Ilia YEFIMOVICH / AFP)
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (Mitte) im Gespräch mit Anhängern während eines Treffens der Likud-Partei, am 21. Oktober 2026 in einem Café in einem Einkaufszentrum in Dimona. (Foto: Ilia YEFIMOVICH / AFP)

Dutzende israelische Kampfjets und Tankflugzeuge sind Anfang der Woche über Syrien und den Irak in Richtung der iranischen Grenze geflogen. Die Flugroute ähnelte nach Angaben der Times of Israel einem möglichen Angriff auf den Iran. Kurz vor Erreichen iranischen Hoheitsgebiets drehten die Maschinen jedoch um und kehrten nach Israel zurück.

Israel hatte Washington nach Informationen von Axios über seine militärischen Überlegungen informiert. Axios berichtete von Gesprächen zwischen Benjamin Netanyahu und Donald Trump über eine mögliche gemeinsame amerikanisch-israelische Operation gegen militärische und nukleare Ziele im Iran. Dem Bericht zufolge gehörten Verteidigungsminister Pete Hegseth und die Führung des US-Zentralkommandos zu den stärksten Befürwortern neuer Angriffe. Trump selbst habe zwischen Zustimmung und Zurückhaltung geschwankt.

Nicht nur Israel erwägt neue Angriffe

Damit geht die derzeitige Eskalationsgefahr nicht allein von israelischen Überlegungen aus. Trump hat in den vergangenen Monaten selbst mit einem Angriff auf Pickaxe Mountain gedroht, eine tief im Berg gelegene Anlage nahe Natanz, die mit dem iranischen Atomprogramm in Verbindung gebracht wird. Noch Mitte Oktober erklärte er, die USA müssten die Anlage möglicherweise angreifen und könnten sie schnell ausschalten. Eine Entscheidung über einen solchen Angriff war damit allerdings nicht bestätigt.

Der investigative US-Journalist Seymour Hersh geht in seiner Analyse weiter. Er schreibt, Washington und Jerusalem sprächen erneut über einen gemeinsamen Angriff auf Pickaxe Mountain. Hersh verbindet die militärischen Überlegungen ausdrücklich mit der innenpolitischen Lage in beiden Ländern: Israel wählt am 27. Oktober, in den USA stehen am 3. November die Kongresswahlen an. Seine Einschätzung, dass ein neuer Angriff beiden Regierungen innenpolitisch nützen könnte, ist allerdings eine politische Interpretation und keine belegte Motivation der Regierungen.

Hersh warnt zugleich vor möglichen Folgen für die Golfstaaten. Ein von ihm zitierter Ölexperte erwartet im Fall eines Angriffs iranische Vergeltungsschläge gegen amerikanische Verbündete in der Region. Damit rückt nicht nur Israel, sondern auch Washington als möglicher Akteur einer neuen Eskalation in den Mittelpunkt.

Wahlen erhöhen den politischen Druck

Die militärischen Überlegungen fallen auf beiden Seiten in eine politisch heikle Phase. Nach einem Bericht der Financial Times hatte Netanyahu bereits Anfang Oktober einen erneuten Angriff auf den Iran erwogen. Der Einsatz sei jedoch nicht erfolgt, nachdem Trump sich gegen eine neue Eskalation vor den amerikanischen Zwischenwahlen gestellt habe.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Washington einen erneuten Schlag grundsätzlich ablehnt. Trumps öffentliche Drohungen gegen iranische Nuklearanlagen und Berichte über entsprechende Beratungen zeigen vielmehr, dass auch in Washington konkrete Angriffsszenarien diskutiert werden. Unklar bleibt vor allem der Zeitpunkt und ob die militärischen Drohungen tatsächlich in einen Angriff münden oder als Druckmittel gegenüber Teheran dienen sollen.

Auch innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats gibt es erhebliche Vorbehalte gegen einen Angriff vor der Abstimmung. Generalstabschef Eyal Zamir soll seinem amerikanischen Amtskollegen Dan Caine erklärt haben, ein Krieg vor der Wahl würde wahrscheinlich eine Verschiebung der Abstimmung erzwingen. Zugleich betonte Zamir, das Militär werde dafür sorgen, dass die Wahl ohne Einmischung von außen stattfinden könne.

Nach israelischen Medienberichten lehnen führende Sicherheitsvertreter ein militärisches Vorgehen ab, das den Wahltermin gefährden könnte. Sie befürchten zugleich, dass der Iran einem möglichen israelisch-amerikanischen Angriff mit einem eigenen Schlag zuvorkommen könnte. Einige Vertreter des Verteidigungsapparats sollen Zamir deshalb aufgefordert haben, sich einem Angriff vor der Wahl entgegenzustellen, weil sie einen solchen Schritt eher als politisch motiviert denn militärisch notwendig ansehen.

Netanyahu und Katz verschärfen den Ton gegenüber Teheran

Ungeachtet der Warnungen aus Teilen des Sicherheitsapparats verschärften Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz am Mittwoch ihre Rhetorik gegenüber dem Iran. Netanyahu erklärte bei einer Abschlussfeier für Offiziersanwärter, Teheran versuche erneut, die Entwicklung von Atomwaffen voranzutreiben. Nach Angaben der Times of Israel sagte er, der einzige Weg, die Bedrohung dauerhaft zu beseitigen, bestehe darin, das iranische Regime zu stürzen. Dies sei seine Anweisung an die israelischen Streitkräfte, den Mossad und die Sicherheitsbehörden.

Auch Katz warnte den Iran und seine Verbündeten vor Angriffen während der bevorstehenden Wahl. Israel habe Versuche des Iran und seiner Stellvertreter erkannt, Anschläge zu verüben, die das Wahlergebnis beeinflussen könnten. Das iranische Regime sei nach seiner Einschätzung so schwach wie nie zuvor und könne gerade deshalb zu extremen Maßnahmen greifen. Israel sei darauf vorbereitet, solche Angriffe zu vereiteln und im Fall eines iranischen Angriffs mit voller Härte zu reagieren.

USA bereiten Abzug von Botschaftspersonal vor

Parallel zur militärischen Zuspitzung bereitet das US-Außenministerium die angeordnete Ausreise eines Teils des Personals und von Familienangehörigen aus US-Botschaften in der Golfregion vor. Drei US-Vertreter bestätigten die Vorbereitungen gegenüber Reuters. Zwei von ihnen nannten als Grund die Möglichkeit einer erneuten Ausweitung der Kampfhandlungen, insbesondere mit den mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen.

Die US-Botschaft in Riad veröffentlichte zugleich eine Sicherheitswarnung vor möglichen weiteren Angriffen auf Saudi-Arabien. Nach jüngsten tödlichen Attacken, darunter auf den Flughafen von Riad, könnten die angeordneten Ausreisen nach Angaben von US-Vertretern im äußersten Fall auch das gesamte Personal und dessen Familien betreffen. Auch die Associated Press berichtete über den Abzug nicht unbedingt benötigter Diplomaten und Familienangehöriger aus Saudi-Arabien.

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