Brasilien hat am Dienstag einen internationalen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorgestellt. Die Abkehr von Kohle, Öl und Gas sei „dringend, unvermeidlich und dennoch möglich“, erklärte die brasilianische COP30-Präsidentschaft. Das Dokument soll Regierungen dabei unterstützen, bereits vereinbarte Klimaziele in nationale Maßnahmen umzusetzen.
Die Initiative geht auf die UN-Klimakonferenz 2025 in Belém zurück. Ihr zentraler Abschlussbeschluss erwähnte fossile Brennstoffe nicht ausdrücklich. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP hatten große Ölproduzenten wie Saudi-Arabien und Russland erheblichen Widerstand geleistet. Die brasilianische Präsidentschaft kündigte daraufhin den Fahrplan an.
Empfehlungen nach nationalen Voraussetzungen
Der Fahrplan der COP30-Präsidentschaft sieht vor, dass Staaten ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und ihre Möglichkeiten für den Umbau anhand von Energieverbrauch, Energieproduktion und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen untersuchen. Auf dieser Grundlage sollen sie geeignete Maßnahmen auswählen. Nach Auffassung der Präsidentschaft können alle Staaten sofort mit der Planung beginnen. Der Übergang soll Beschäftigte und betroffene Gemeinden schützen sowie den Zugang zu bezahlbarer Energie erweitern.
Der ebenfalls veröffentlichte Fahrplan zum Schutz der Wälder soll dazu beitragen, Entwaldung und Waldschädigung bis 2030 zu stoppen und die Entwicklung umzukehren. Zu den vorgeschlagenen Ansätzen gehören der Erhalt bestehender Wälder, eine nachhaltige Bewirtschaftung und die Wiederherstellung geschädigter Flächen. Als wesentliche Voraussetzung nennt das Dokument eine bessere Finanzierung des Waldschutzes.
Erwartungen an die Konferenz in Antalya
Die Klimaschutzorganisation 350.org begrüßte die Initiative und forderte konkrete Folgeschritte. „Der Fahrplan darf nicht als weiterer Bericht enden, der im Regal verstaubt“, erklärte ihre Politikanalystin Fanny Petitbon. Die Regierungen müssten bei der COP31 klare Zusagen und Zeitpläne vorlegen sowie die notwendigen Mittel für einen gerechten und geordneten Ausstieg bereitstellen. Wohlhabende Staaten müssten Entwicklungsländer dabei mit öffentlichen Mitteln unterstützen.
Die COP31 beginnt nach Angaben des UN-Klimasekretariats am Montag, 9. November, im türkischen Antalya und dauert bis zum 20. November. Die Türkei übernimmt die Konferenzpräsidentschaft, Australien führt die Verhandlungen. Ein neues Abkommen zu fossilen Brennstoffen gilt nach Einschätzung von Beobachtern als unwahrscheinlich.
Die türkische Präsidentschaft wirbt für eine freiwillige Elektrifizierungsinitiative. Sie soll den Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent erhöhen. Vorgesehen sind unter anderem der Ausbau der Stromnetze und Speicher sowie eine stärkere Nutzung von Strom in Verkehr, Gebäuden und Industrie.
